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ChS10Goetebg038_mAm Wochenende zum 28. und 29. August fand am Gelaende des City Airports von Saeva, 15 Kilometer westlich von Goeteborg gelegen, die “Aero Show 2010” statt. Die diesjaehrige Ausgabe, organisiert vom oertlichen Luftfahrtmuseum „Aeroseum“, stand ganz im Zeichen des 100-jaehrigen Jubilaeums der schwedischen Luftfahrt. Zu Beginn der Veranstaltung wurde jedoch an den schwedischen Piloten Bertil Gerhardt gedacht, der eine Woche zuvor auf der Airshow in Tynset, Norwegen, mit seiner SPITFIRE Mk. XVIII bei der Landung von der Piste abkam und dabei toedlich verunglueckte. Bertil begann seine Karriere in der schwedischen Luftwaffe und flog dort auf Saab J-29 TUNNAN und Saab J-35 DRAKEN. Mit seinen 31 .000 Flugstunden, gesammelt in ueber 30 Jahren Fliegerei, galt er als einer der erfahrensten Piloten in ganz Skandinavien. In der Airshowszene war er mit den Auftritten auf seiner Supermarine SPITFIRE Mk.XVIII und North American P-51D MUSTANG ein gern gesehener Gast. An dieser Stelle moechten wir seiner Familie unser herzlichstes Beileid ausdruecken!

ChS10Goetebg126_mNeben vielen anderen Hoehepunkten galt das Hauptaugenmerk eindeutig der Entwicklung der Schwedischen Luftfahrt. Es war im Jahre 1910, als sich der erste Schwede, der „Fliegende Baron“ Carl Cederstroem, in die Luefte wagte. Flugzeuge aus dieser Epoche, wie etwa eine in Lizenz gebaute Blériot XI oder der spaeteren Tummelisa (Erstflug 1919) waren nur zwei der vielen Attraktionen im Flugprogram.
Die schwedische Luftfahrt ist eng mit den von Saab produzierten Militaerflugzeugen verbunden. Mit Unterstuetzung der schwedischen Streitkraefte und vor allem der „Swedish Air Force Historical Flight“ Organisation konnte die Aera der Saab Jets, beginnend mit der J-29 TUNNAN, ueber die Saab J-32 LANSEN, J-35 DRAKEN, SK60 bis zur JAS-39 GRIPEN eindrucksvoll praesentiert werden. Zur Enttaeuschung vieler, fehlte allerdings der, bis kurz vor Showbeginn angekuendigte Saab J-37 VIGGEN. Angeblich im voll flugfaehigen Zustand, soll es nur an buerokratischen Huerden gelegen haben, welche die Teilnahme verhinderte. Die Streitkraefte selbst zeigten neben GRIPEN, dem schweren Transporter Lockheed TP 84 HERCULES, einer Hkp 15 (Agusta A-109) auch eine grosse Auswahl an bodengestuetzten Waffensystemen.

ChS10Goetebg002_mDer Star unter den internationalen Teilnehmern war eindeutig die beruehmte, italienische Kunstflugstaffel FRECCE TRICOLORI, die in diesem Jahr neben ihrem 50-jaehrigen Jubilaeum auch ihre Premierenvorstellung in Goeteborg feierte. Fuer die Veranstalter der Aeroshow in Goeteborg war es eine besondere Ehre, dass es ausgerechnet im Jubilaeumsjahr mit diesem Gastspiel klappte, da die FRECCE TRICOLORI aufgrund der unzaehligen Einladungen sehr genau ihre wenigen Auslandsauftritte selektieren. Auch die Schweiz und Daenemark waren mit ihren nationalen Flugstaffeln praesent. Das Schweizer PC-7 TEAM mit ihren neun, aus heimischer Produktion entwickelten Pilatus Trainingsflugzeugen war ebenso zu Gast, wie das Daenische BABY BLUE TEAM, das mit vier Saab MFI-17 SUPPORTER fliegt. Weiters zeigte die daenische Luftwaffe zwei ihrer Lockheed Martin F-16AM. Von Kunstfliegern, ueber Segelflugzeuge bis zu historischen Klassikern wie etwa Douglas DC-3 DAKOTA, North American T-6 HARVARD oder De Havilland TIGER MOTH, um nur einige zu nennen, spannte sich Repertoire in Goeteborg. Kurzum eine wunderbare Mischung, die fuer jeden etwas bot. Das Wetter war entgegen der aeusserst pessimistischen Prognose, abgesehen von zwei kurzen Schauern, ausgesprochen gut. Das Flugprogram selbst bot an beiden Tagen ein nahezu identisches Programm. Die Eroeffnung erfolgte jeweils durch das Daenische BABY BLUE TEAM auf ihren Saab T-17 SUPPORTER. Anschliessend gab es eine Kunstflugvorfuehrung einer Sukhoi Su-29, eine DC-3 DAKOTA, die Rundfluege anbot, sowie eine SK-61 BULLDOG zu sehen.

ChS10Goetebg051_mAm Samstagmittag kam es mit dem Flug einer Hkp 4 (schwedische Bezeichnung der Boeing Vertol 107, auch bekannt als CH-46 „Sea Knight“ beim amerikanischen Militär) zu einem wahrlich, historischen Moment. Es war nämlich der allerletzte Flug eines Hkp 4 Hubschraubers. Während die restliche Flotte schon vor geraumer Zeit stillgelegt wurde, hatte diese Maschine ihren letzten Flug, der sie zum Aeroseum führte, wo sie in Zukunft Teil der Ausstellung über die schwedischen Streitkräfte sein wird. Nach einem Überflug entlang der Zuschauerlinie, machte die Hkp 4 noch einen Turn über den nördlichen Teil des Geländes bevor sie, vollkommen unverständlich, weit abseits des Zuschauerbereichs zur letzten Landung ansetzte. Warum sie auch später nicht näher an die Zuschauer gebracht wurde, konnte niemand so recht verstehen. Die, als schwerer Transporthubschrauber in Tandemkonfiguration ausgelegte, Boeing Vertol 107 absolvierte ihren Erstflug im Jahr 1958 und kann bis zu 26 Passagiere oder ca. 3,5t an hängenden Lasten transportieren. Der Rumpf ist dabei so konzipiert, dass über die große Heckklappe sperrige Frachtstücke oder auch leichte Fahrzeuge eingeladen werden können. Des Weiteren verfügt die Vertol über die Fähigkeit, ohne zusätzliche Schwimmelemente auf dem Wasser landen zu können, was sie vor allem als Marinehubschrauer sehr interessant macht. Auch in Schweden stand die Hkp 4 neben den Luftstreitkräften auch bei der Marine seit 1962 im Einsatz. In der Rolle als SAR -Hubschrauber wurde sie allerdings schon 1992 von der Hkp 10 (AS.332M1 „Super Puma“) ersetzt. Aktuell wird die Vertol noch von den USA (US Navy und US Marine Corps), Japan, Saudi-Arabien und Thailand betrieben.

ChS10Goetebg057_mDen Beginn der historischen Jetvorfuehrungen vollzieht eine J-28 VAMPIRE (De Havilland DH 115 VAMPIRE T.55). Als naechstes folgte eine Saab J-29 FLYGANDE TUNNAN, deren Bezeichnung als „Fliegende Tonne“ aufgrund ihres Erscheinungsbildes aeusserst zutreffend ist. Die Saab 29 TUNNAN faellt in die Aera der Duesenjaeger aus der unmittelbaren Nachkriegszeit, wie etwa die amerikanische North American F-86 SABRE oder die sowjetische Mikoyan Gurevich MiG-15 FAGOT und war weltweit der erste, in grosser Serie produzierte Kampfjet mit gepfeilten Tragflaechen. Ab 1951 wurden ca. 660 Maschinen in unterschiedlichen Versionen an die schwedische Luftwaffe ausgeliefert. Der einzige Exporterfolg gelang in Oesterreich, wo ab 1960 dreissig gebrauchte Maschinen bis 1973 in Dienst standen. Die letzte noch flugfaehige TUNNAN gehoert der „Swedish Air Force Historical Flight“ Organisation mit der zivilen Registrierung „SE-DXB“.

ChS10Goetebg124_mEs folgte wieder ein ruhigerer Teil im Flugprogramm mit Formationsfluegen einer Gruppe De Havilland TIGER MOTH sowie einer wunderschoen nachgebauten TUMMELISA, geflogen von Mikael Carlson, der sich spaeter ein zweites Mal mit einer aeusserst zerbrechlich aussehenden Blériot XI in die Luefte wagte. Waehrend er auf diesem historischen Fluggeraet aus den Anfaengen der Luftfahrt vorsichtig sein Flugprogramm vorfuehrte, konnte man schon in groesserer Entfernung die unverkennbare Silhouette eines Saab J-35 DRAKEN  erspaehen. Eine spuerbare Erleichterung machte sich nun unter den Zuschauern bereit, war doch der DRAKEN nach der Absage des VIGGEN fuer viele der Hauptgrund gewesen, um die Aero Show in Goeteborg zu besuchen. Einige hatten zu diesem Zeitpunkt schon befuerchtet, dass auch aus der Teilnahme des DRAKEN nichts wird. Sein spaetes Eintreffen lag allerdings vielmehr an einem weiteren Airshowauftritt an diesem Tag. Mit der Vorfuehrung einer Daenischen Lockheed Martin F-16 AM wurde es nun wieder etwas lauter. Captain Peter Vejling Kristiansen vom ESK 730 (730. Jagdgeschwader) aus Skrydstrup zeigte ein dynamisches und ausserhalb von Daenemark nur sehr selten zu sehenden Display.

ChS10Goetebg079_mNach einem wunderschoenen Formationsflug zweier North American SK-16 HARVARD, folgte mit der Saab J-32 LANSEN das naechste Display eines historischen Saab-Jets. Die ersten Entwicklungsarbeiten von Saab, die später zur J-32 LANSEN fuehrten, begannen bereits 1946. Im Jahr 1952 erfolgte schliesslich der Erstflug und ein weiteres Jahr spaeter wurde erstmals die Schallmauer durchbrochen. 1955 erfolgt die Indienststellung der ersten von insgesamt ueber 450 gebauten Maschinen, von denen einige bis 1997 in der Rolle als Zielschlepper betrieben wurden. Das Schweizerische PC-7 Team zeigte eine gewohnt praezise Vorfuehrung, die, ausser der geringeren Geschwindigkeit, einem Jetteam in nichts nachstand. Historisch wurde es wieder mit den Vorfuehrungen eines Hkp 5 (Hughes 300) sowie eines Hkp 6 (Bell 206) Hubschraubers aus dem Inventar des Museums.

ChS10Goetebg136_mEs folgte der Star der Show – ein Saab J-35 DRAKEN. Die gezeigte Maschine war urspruenglich in der Version J-35F2 gebaut worden, ehe sie Mitte der 1980 Jahre auf den „J“ Standard gebracht wurde, der sich neben zwei zusaetzlichen Aufhaengestationen fuer Lenkwaffen unter den Lufteinlaessen vor allem durch ein verbessertes Radar und einem IFF-Geraet auszeichnet. In seiner aktiven Zeit flog dieser DRAKEN in den Geschwadern F13 Norrkoeping, F12 Kalmar und F10 Aengelholm, dessen Markierungen (F10-56) er auch weiterhin traegt. „Johan 56“, wie die Maschine ebenfalls genannt wird, zeigte ein fantastisches Display mit viel Nachbrennereinsatz, das wohl fuer die meisten Zuschauer viel zu kurz ausfiel. Der Saab 35 DRAKEN ist ein einstrahliges Kampfflugzeug, das mehr als zweifache Schallgeschwindigkeit erreicht. Als Nachfolger fuer die J-29 TUNNAN und J-32 LANSEN forderte die schwedische Luftwaffe ein Jagdflugzeug, das auch feindliche Bomber in grossen Hoehen abfangen konnte. Dementsprechend wurde beim Entwurf grosser Wert auf hohe Steigleistung und Geschwindigkeit gelegt. 1949 begann Saab mit Entwuerfen eines Fluegels in Doppeldeltageometrie. Nach ersten Versuchen in einem Windkanal wurde 1952 mit einem verkleinerten Versuchsflugzeug das Konzept des Doppeldeltafluegels nochmals bestaetigt, ehe am 25. Oktober 1955 eine Vorserienmaschine zum Erstflug abhob. Mithilfe der einziehbaren Heckraeder kann der DRAKEN Landeanfluege mit sehr hohen Anstellwinkeln durchfuehren, wodurch die Bremswirkung des Doppeldeltafluegels optimal ausgenutzt wird. Insgesamt wurden ueber 600 Maschinen in unzaehligen Versionen gebaut. Exportiert wurde der Draken nach Daenemark, Finnland und Oesterreich, wo eine nochmals modifizierte Variante bis 2005 betrieben wurde.

ChS10Goetebg122_mEs folgten noch Displays einer wunderschoen erhaltenen J-34 (Hawker Hunter) sowie dem aktuellen Einsatzmuster der schwedischen Luftwaffe – der Saab JAS-39 GRIPEN. Zum Abschluss boten die FRECCE TRICOLORI ein gewohnt spektakulaeres Programm. Am Sonntag sah man zusaetzlich zwei Ueberfluge einer Lockheed TP 84 HERCULES, sowie eine einzigartige Formation an historischen Saab-Jets. Dicht aufeinander gefolgt starteten SK-60, TUNNAN, LANSEN, DRAKEN und GRIPEN. Nach zwei schoenen Formationsueberfluegen kehrten sie direkt zu ihren Heimatstuetzpunkten zurueck. Eine Attraktion stellt auch das Aeroseum selbst dar. Nicht nur aufgrund seiner Exponate sondern vielmehr durch seine einzigartigen Raeumlichkeiten. Die Ausstellungsflaeche ist Teil einer unterirdischen Anlage , bestehend aus zwei, aus dem Felsen gehauenen riesigen Tunnelsystemen, von denen der eine Tunnel eine Flaeche von 8.000m² und der andere Tunnel eine Flaeche von 22.000m² aufweist. In den fruehen 1950 Jahren gebaut, liegen die beiden Tunnelsysteme bis zu 30 Meter unter der Erde. Es wurde gebaut um dem Geschwader F9 Schutz zu bieten, der selbst einem Nuklearangriff standhalten sollte. Seit dem Fruehjahr 1999 dient ein Teil der Anlage als Museum, das einen interessanten Ueberblick ueber die historische Entwicklung der schwedischen Luftwaffe bietet.  

Fazit: Fuer eine zivile Veranstaltung konnte sich die Teilnehmerliste wirklich sehen lassen. Vor allem diejenigen, die sich fuer schwedische Fluggeraete interessierten (wir zum Beispiel :-)), kamen trotz Fehlens der VIGGEN voll auf  ihre Rechnung. Wo sonst bekommt man schon ein TUNNAN, LANSEN oder DRAKEN Display zu sehen? Der Fotobereich für Presse & Spotter wurde trotz der oertlich, nicht gerade optimalen Gegebenheiten bestmoeglich geloest und auch die angebotenen Fototouren  auf der Flightline stiessen auf breites Interesse. Die gesamte Veranstaltungscrew war sehr freundlich. Bleibt zu hoffen,  dass im  naechsten Jahr ein aehnlich gutes Programm auf die Beine gestellt werden kann.

Christian Spreitzer / CHK 6 Austria

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