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In einer der schoensten Gegenden im Suedwesten Englands liegt die
Grafschaft Somerset, wo sich seit nunmehr 70 Jahren die ROYAL NAVY Basis RNAS Yeovilton befindet. Dabei handelt es sich, vor allem aus Sicht der
Flugzeug-Fans, um eine der interessantesten Einrichtungen auf der Britischen Insel. Nicht nur, dass dort, seit der Gruendung der Air Station im
Jahre 1940, so ziemlich alles an Britischen Marineflugzeugen stationiert war, was die ROYAL NAVY im Einsatz hatte (Sea Hurricane, Sea Fury, Sea Vixen,
Buccaneer, Phantom, Sea Harrier, um nur einige zu nennen), sondern man kann all diese Maschinen im FLEET AIR ARM Museum, welches ebenfalls auf
dieser Basis beheimatet ist, sogar bewundern. Auch die Royal Navy Historic Flight (RNHF) ist dort stationiert. Ein interessanter Aspekt ist die Tatsache,
dass die RNAS Yeovilton auch einen „Schiffsnamen“ besitzt – HMS Heron.
Jede Landbasis der ROYAL NAVY wird von der Marinefuehrung zusaetzlich
mit einem Schiffsnamen versehen (z.B.: RNAS CULDROSE = HMS Seahawk). Mit weit ueber 4000 Beschaeftigten ist die RNAS YEOVILTON nicht nur eine
der wichtigsten Landbasen der ROYAL NAVY, sondern auch eine der groessten Arbeitgeber in der Region. Nicht weniger als acht operative
Squadrons sowie diverse Trainingseinheiten sind dort stationiert. Seit der Ausserdienststellung des BAe SEA HARRIER FA.2 der No. 800, 801 und 899
Naval Air Squadron im April 2006 befinden sich keine Kampfflugzeuge mehr auf der Air Station, sondern vornehmlich Helikopter (Westland SEA LYNX Mk
.3 sowie Mk.8, Westland SEA KING Mk.4). Erst mit der Uebernahme der Lockheed Martin F-35 LIGHTNING II wird es in Somerset wieder richtig laut
werden. Der Aufgabenbereich des SEA HARRIER wird zurzeit von der JOINT HARRIER STRIKE FORCE (BAe Harrier Gr.Mk 9) uebernommen.
Das Hauptthema des diesjaehrigen AIR DAY war naturgemaess das 70
jaehrige Bestehen der RNAS Yeovilton. Besonders die Vorfuehrungen der alten Marineflugzeuge wurden von den knapp 30.000 Zuschauern mit
Spannung erwartet. Gleich zu Beginn startete eine Supermarine SEAFIRE Mk. XVII der Kenneth Aviation gemeinsam mit einer BAe Jet Provost. Erstere
flog auch spaeter ein schoenes Soloprogramm. Leider waren einige der urspruenglich angekuendigten Highlights nicht zu sehen. Die Rede ist
einmal von der Fairey SWORDFISH und zum anderen von der DeHavilland DH-110 SEA VIXEN. Die SEA VIXEN verfuegt momentan ueber keinen qualifizierten Displaypiloten (der bisherige Pilot Matt Whitfield fiel
krankheitsbedingt aus) und war deshalb fuer die komplette 2010er Saison gegrounded. Die geplante Teilnahme der SWORDFISH musste aufgrund technischer Probleme abgesagt
werden. Ein weiteres Highlight des RNHF, die Hawker SEA FURY FB.11 wird zurzeit repariert und konnte deshalb auch nicht am Flugprogramm teilnehmen. Trotz dieser bedauernswerten Ausfaelle waren die
Vorfuehrungen der alten Historischen Maschinen mehr als sehenswert. Neben der bereits erwaehnten Supermarine SEAFIRE XVII konnte man als besonderen Leckerbissen die einzig noch flugfaehige Hawker SEA
HAWK FGA.Mk6 im Flug bewundern. Auch diese Maschine ist Teil des Royal Navy Historical Flight und traegt
die Bemalung der No. 806 Naval Air Squadron. Die SEA HAWK wurde in der FLEET AIR ARM von 1953 bis 1960
verwendet und war der erste, von der Firma Hawker entwickelte Jet. Ihren ersten scharfen Einsatz flogen
Britische SEA HAWK in der Suez-Krise (1956). Auch die Deutsche Bundesmarine flog die SEA HAWK in einer
modifizierten Version (Mk.100 und Mk.101) bis 1965. Weiters war dieser formschoene Marine-Jagdbomber bei
den Marinefliegerverbaenden der Niederlande sowie Indiens Einsatz. Letztere setzte die SEA HAWK sehr erfolgreich im Indo-Pakistanischen Krieg 1971 ein.
Beim Air Day 2009 wurde sie zwar gross angekuendigt, konnte aber
aufgrund technischer Probleme nicht fliegen – die Rede ist von der AVRO VULCAN B.2 (XH588). Diesmal war das Glueck auf Seiten des Veranstalters
(und natuerlich auch der Zuschauer). Angetrieben von vier Bristol Olympus Mk.301 Strahltriebwerken hob diese Ikone des Kalten Krieges mit einem
Donnergetoese ab, welches in den Ohren der Zuschauer wie Musik klang (auch wenn der eine oder andere danach erst einmal keine andere Musik
mehr hoeren konnte). Beim Anblick dieses aesthetischen Delta-Flugzeuges ist es kaum zu glauben, dass die AVRO 698 VULCAN bereits 50 Jahre auf
dem Buckel hat. Kaum ein Flugzeug hat die Luftfahrtfans, aber auch den normalen Britischen Buerger, in den letzten Jahren mehr beschaeftigt, als
die VULCAN. Lange stand der Erstflug auf der Kippe, finanzielle Probleme plagen das Projekt bis heute. Die
vier maechtigen Triebwerke haben einen respektablen Durst (ueber 4000 € reine Spritkosten pro Flugstunde
), dazu kommen noch jede Menge Kosten fuer Ersatzteile, Personalkosten, etc. Trotzdem haben es die Betreiber, The Vulcan to the Sky Trust, im Jahr 2010 geschafft, auf unzaehligen Britischen Shows ein
Millionenpublikum zu begeistern.
Wie schon erwaehnt, ist die RNAS YEOVILTON die Heimatbasis diverser
Heilkoptereinheiten der ROYAL NAVY sowie der ROYAL MARINES COMMANDOS. Mit einer maechtigen Luftlande-Demonstration (Commando Assault) wurde dem Publikum die Flexibilitaet und die Einsatzbereitschaft
der einzelnen Einheiten eindrucksvoll vorgefuehrt. Waehrend die SEA KING Luftlandetruppen sowie Geraet punktgenau absetzten, sicherten schwer
bewaffnete SEA LYNX die Aktion. Zusaetztlich sorgten BAe Hawk T.Mk1a sowie BAe Harrier Gr.Mk 9 fuer lokale Luftueberlegenheit. Diese
„Szenarien“ kommen beim Publikum sehr gut an, zeigen sie doch relativ anschaulich, wofuer der Britische Steuerzahler seine Gelder hergibt. Neben
der in die Jahre gekommenen SEA KING Mk.4 war auch die neueste Errungenschaft der Royal Navy, der AgustaWestland MERLIN HM.1 in einer Flugvorfuehrung zu sehen (No
824 NAS / RNAS CULDROSE). Die Firma WESTLAND hat ihren Hauptsitz gleich um die Ecke, in der Stadt Yeovil.
WESTLAND hat sich seit Jahrzehnten einen respektablen Ruf als Hersteller von Hubschraubern erarbeitet. Zahlreiche von der ROYAL NAVY sowie der BRITISH ARMY eingesetzten Modelle stammten von diesem
Hersteller, bzw. wurden von WESTLAND in Lizenz gebaut (z.B Westland H.A.R. 5 WHIRLWIND, modifizierter Lizenzbau des Amerikanischen Sikorsky S-55). Das aktuelle Modell MERLIN wurde gemeinsam mit dem
Italienischen Konsortium AGUSTA entwickelt und gebaut. Der MERLIN hat nach anfaenglichen Schwierigkeiten
mittlerweile die Einsatzreife erreicht und befindet sich ausser bei der ROYAL NAVY auch bei der BRITISH ARMY im aktiven Einsatz. Ausserhalb Grossbritanniens und Italiens ist der EH-101 (urspruengliche
Werksbezeichnung) auch noch in Canada, Daenemark, Portugal sowie in den Japan im Einsatz.
Die Internationale Beteiligung beim AIR DAY in Yeovilton war nicht ganz so
umfangreich wie in den Vorjahren, speziell im Fall der Marineflugzeuge. Die paar vorhandenen Maschinen, welche eventuell fuer den Enthusiasten
interessant gewesen waeren, konnten man dann auch nur am Boden sehen (z.B.: AMD RAFALE M der Aeronavale oder die Polnische PZL-28-1R BRYZA). Das Flugprogramm wurde hauptsaechlich von Lockheed Martin F-16
FIGHTING FALCON aus Holland, Belgien und Daenemark bestritten. Dieser Einheitsbrei aus gleich drei F-16 wurde lediglich von einer sehr dynamischen
Vorfuehrung eines Franzoesischen Dassault Breguet ALPHA JET E unterbrochen. Bei den Teams kam der Zuschauer dagegen sehr wohl auf seine Kosten. Die RED ARROWS begeisterten die Menge mit einem, wie
gewohnt praezisen Flugprogramm. Neben dem Nationalen Britischen Displayteam waren auch noch die Spanischen PATRULLA AGUILA zu Gast – ein Team, welches nicht nur durch sein grandioses Programm
besticht, sondern auch ein Flugzeug fliegt, welches ausserhalb Spaniens so gut wie nie zu sehen ist (CASA C 101 AVIOJET).
Zu guter letzt konnte man auch noch die ROYAL JORDANIAN FALCONS
bewundern, die mit ihren kleinen Extra 300s Kunstflugmaschinen Figuren in den Himmel zaubern, welche so manchem Zuschauer den Atem stocken
liess. Auf ziviler Seite waeren da noch die BREITLING WING WALKERS erwaehnenswert. Diese Formation ist auch schon unter den Namen: CHRUNCHIE`s, UTTERLY BUTTERLY´s, TEAM GUINOT bekannt und traegt
immer den Namen ihres jeweiligen Hauptsponsors (zurzeit ist es der Schweizer Uhrenhersteller BREITLING). Ihr Flugprogramm kann man nur mit
einem Wort umschreiben: GRANDIOS! Selbst hartgesottenen Kerlen wird beim Gedanken, auf der oberen Tragflaeche eines Boeing STEARMAN Doppeldeckers zu stehen, waehrend dieser alle moeglichen (und
unmoeglichen) Kunstflugfiguren durchfuehrt, flau im Magen. Dies scheint den huebschen Aerobabes sogar richtig Spass zu machen – wahrscheinlich alles nur eine reine Gewoehnungssache, oder?
FAZIT: Der AIR DAY 2010 auf der RNAS YEOVILTON war (wieder einmal) ein tolles Erlebnis fuer alle Besucher.
Im Gegensatz zu den letzten beiden Jahren spielte sogar das Wetter mit und bescherte vielen der knapp 30.000 Besucher auch noch einen passablen Sonnenbrand. Die Vorfuehrungen der ROYAL NAVY waren wie
gewohnt spektakulaer und liessen nichts zu wuenschen uebrig. Bei den Warbirds konnte der AIR DAY ebenfalls punkten, auch wenn einige Highlights (wie z.B. SWORDFISH, SEA FURY oder SEA VIXEN) aus
bekannten Gruenden nicht im Flugprogramm waren. Lediglich bei den Gastmaschinen waere etwas mehr Abwechslung nett gewesen, dies wurde aber durch die maechtige VULCAN wieder wett gemacht. Alles in
allem kann man wirklich von einer gelungenen Veranstaltung sprechen. Wir freuen uns deshalb heute schon auf den AIR DAY 2011, welcher am 09. Juli 2011 stattfinden wird – CU there!
Robert Kysela / CHK 6
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