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Das Glueck ist mit dem Tuechtigen – dieser Spruch kann ohne Umschweife
auf die Organisatoren der AIR POWER 2009 angewandt werden. Waehrend halb Oesterreich in sintflutartigen Regenfaellen versank, wurde am Wochenende zum 26/27. Juni 2009 eine der groessten Europaeischen
Airshows der letzten Jahre (ueber 280.000 Zuschauer!) bei fast perfektem Wetter abgehalten. Die Berge, welche den Fliegerhorst Hinterstoisser in der
Steirischen Stadt Zeltweg umgeben, waren fast durchwegs mit schwarzen Gewitterwolken ueberzogen. Dieser dramatische Anblick auf das Tauerngebirge gab einen grandiosen Hintergrund fuer die unzaehligen
Flugvorfuehrung in Zeltweg ab. Die AIR POWER Shows in Zeltweg waren stets fuer ihre hohen Qualitaet und vor allem ihre perfekte Organisation
bekannt, wovon man sich auch diesmal ueberzeugen konnte. Die Kombination aus dem Oesterreichischen Bundesheer, dem Tourismusverband des Landes Steiermark, sowie dem Energydrink Hersteller RED BULL
schaffte eine gelungene Mischung, welche fuer das Gelingen dieser Grossveranstaltung verantwortlich war.
Fast die komplette RED BULL Flotte war in Zeltweg zu sehen, die meisten
Maschinen wurden auch in der Luft gezeigt. Die allerletzte Anschaffung der Flying Bulls, so der offizielle Name, die Lockheed P-38L Lightning hatte dabei ihren ersten Auftritt vor einem grossen Publikum. Diese
wunderschoen restaurierte Maschine ist eine von nur 6 flugfaehigen Maschinen dieses Typs und die einzige, welche auf dem Europaeischen Kontinent beheimatet ist (der Rest ist ausnahmslos in den USA). Auch wenn
sie bei ihrer Vorfuehrung nicht wirklich viel zeigte (ausser 2 vorsichtig geflogene Vorbeifluege), waren ihre grazilen Formen und ihr aussergewoehnliches Aeusseres mit Sicherheit eines der Hoehepunkte der
Show, speziell fuer die zu Hunderten erschienen Flugzeugenthusiasten aus aller Welt. Apropos Flugzeugenthusiasten: die AIR POWER 2009 war so etwas wie das Paradies fuer Spotter
und Flugzeugfans. Fuer einen (nicht gerade billigen aber doch annehmbaren) Preis konnte man sich fuer ein Spotterpackage anmelden, wodurch man in der Lage war, die Show von nicht weniger als 10
unterschiedlichen Punkten (abgesperrte Bereiche, die fuer den normalen Besucher nicht zugaenglich waren.) zu betrachten. Der Transport dahin erfolgte durch Fahrzeuge des OeBH (wann immer jemand an einen
anderen Spot wollte, wurde ein Fahrzeug geordert und man wurde fast umgehend dahin gebracht). Fruehstueck, Mittagessen sowie Abendessen war ebenfalls im Paket mit inbegriffen (lediglich das
Mittagessen wurde nur von Wenigen angenommen, da man mehr damit beschaeftigt war, Flugzeuge zu fotografieren oder zu filmen, als sich den Magen voll zuschlagen). Insgesamt eine fantastische Idee, welche
andere Veranstaltern in ihre zukuenftige Airshow-Planung mit einbeziehen sollten.
Neben dem Sammeln einer mittlerweile enormen Anzahl an Flugzeugen und
Helikopter (und der Vorfuehrung dieser auf Airshows) organisiert die Firma RED BULL auch so genannte Air Races, also Flugzeugrennen. Diese ueberaus spektakulaeren Events finden mittlerweile weltweit statt und
begeistern Millionen von Zuschauern. Diese dynamische, ultraschnelle Art zu fliegen ist fuer die Zuschauer auch deshalb spektakulaer, da die gezeigten Manoever in relativ geringer Hoehe um so genannte Air Gates
(mit Luft gefuellte Pylone) geflogen werden. Das erste von RED BULL organisierte Air Race fand im Jahr 2004 statt und wurde vom Mitinitiator, dem Ungarischen Aerobaticpiloten Péter Besenyei gewonnen. Der aktuelle
Weltmeister stammt uebrigens aus der Steiermark. Hannes Arch flog demzufolge auch auf der AIR POWER 2009 zusammen mit drei seiner Racing-Kollegen auf eine speziell fuer
die Vorfuehrung aufgebauten Parcours (dieser Parcours bzw. die AIR POWER waren nicht Teil der aktuellen Weltmeisterschaft, zeigten aber einen breiten Publikum diese fantastische Art des Motorsports). Wenn
jemand glaubt Air Races sind eine neue Motorsportart so liegt er komplett falsch. Das erste Luftrennen wurde bereits im Jahr 1909 im franzoesischen Reims ausgetragen und von keinem Geringeren als Glenn
Curtiss gewonnen (das Multitalent Curtiss war Motorradchampion, Luftfahrtpionier und Gruender der gleichnamigen). Als Hommage an die 100 jaehrige Geschichte der Air Races flog der Schwede Mikael Carlson
mit seiner Bleriot XI vor einem begeisterten Publikum.
Das Oesterreichische Bundesheer praesentierte auf der AIR POWER seine
neueste Errungenschaft – den Eurofighter EF-2000 TYPHOON. Oesterreich beschafft(e) 15 Stueck dieses modernsten Europaeischen Kampfflugzeuges
(die urspruenglich bestellte Stueckzahl lag bei 24 Maschinen, aufgrund der angespannten finanziellen Lage des Landes wurde die Stueckzahl auf 18 reduziert. Als eine neue Regierung an die Macht kam, wurde die
Gesamtzahl der beschafften Flugzeuge nochmals um 3 Maschinen reduziert). Die Anschaffung des Eurofighter war fuer viele eine grosse Ueberaschung, galt doch der Schwedische Saab JAS 39 GRIPEN lange als der einzig
moegliche Nachfolger fuer den obsoleten Saab J-35OE DRAKEN. Technisch gesehen ist der EF-2000 dem GRIPEN mit Sicherheit in allen Aspekten
ueberlegen, der offerierte Preis sprach allerdings eher fuer die Schwedische Loesung. Nach reiflicher Ueberpruefung durch die damalige Oesterreichische Regierung kam man aber zum Schluss, dass die
Preisdifferenz durch die relativ lange Laufzeit des ausgehandelten Kreditrahmens langfristig nicht wirklich ins Gewicht faellt, aus diesem Grund sah man sich in der Lage am 2. Juli 2002 einen Vertrag mit dem
Europaeischen EADS Konsortium abzuschliessen.
Saemtliche Piloten des OeBH wurden im Norddeutschen Laage (Heimat des
Jagdgeschwader 73 „STEINHOFF“ ausgebildet. Die erste Maschine in den Farben der Oesterreichischen Luftstreitkraefte landete am 12. Juli 2007 in
Zeltweg, in der Zwischenzeit sind 11 Maschinen der Version Tranche I / Block 5 ausgeliefert, die letzte soll bis Ende diesen Jahres an das OeBH uebergeben werden ( die Oesterreicher schafften es in der unglaublich
kurzen Zeit von gerade mal einem Jahr den EF-2000 Einsatzbereit zu melden). Mit dem TYPHOON verfuegt das Oesterreichische Bundesheer ueber das geeignete Werkzeug, ihren Luftraum in den naechsten
Jahrzehnten erfolgreich vor ungebetenen Gaesten zu schuetzen. Dem Zuschauer auf der AIR POWER wurde auf beeindruckender Weise eine
typische Abfanguebung vorgefuehrt. Zwei Maschinen des Ueberwachungsgeschwader stiegen in einem Alarmstart auf, um ein nicht-indentifiziertes Flugzeug abzufangen und zur Landung zu zwingen. Im Falle
eines Ernstfalles kann der EF-2000 im Vergleich zum alten Draken jedes potentielle Ziel bis zu 5 Minuten
frueher erreichen – eine Verbesserung, die gerade fuer ein kleines Land wie Oesterreich essentiell sein kann
. Ein weitere Eurofighter EF-2000 zeigte ein grandioses Soloprogramm – allerdings kam diese Maschine von der Italienischen Luftwaffe und wurde von Major Alessandro Scaburri von der 311° Gruppo der Reparto
Sperimentale Volo geflogen. Die Reparto Sperimentale Volowelche ist die Test- und Evaluierungseinheit der Aeronautica Militare Italiana.
Mit Sicherheit eines DER Highlights der AIR POWER 2009 waren die
Helikoptervorfuehrungen des OeBH. Aufgrund der geografischen Beschaffenheit Oesterreichs mit seinen Gebirgsregionen sind die Anforderungen an einen Helikopter besonders hoch. Dieser muss vor allem
in (fuer Helikopter) realtiv grossen Hoehen und bei duenner Luft sein volles Leistungsspektrum bringen. Einer der (nach wie vor) besten Geraetschaften
auf diesem Gebiet ist der Aérospatiale SE-3160/SA-316B ALOUETTE III. Mit seiner 570 WPS starken Turbomeca Artouste III B1 Gasturbine erreicht er eine Dienstgipfelhoehe von 6500m und kann entweder 5 Passagiere oder
750 kg an Nutzlast transportieren. Als Oesterreich im Februar 1999 von der schwersten Lawinenkatastrophe in der Geschichte des Landes heimgesucht
wurde (Galtuer), stellte man fest, dass die vorhanden Transportkapazitaet in solch einem Katastrophenfall nicht ausreichend ist. Der groesste im Dienst des OeBH befindliche Hubschrauber war zu diesem Zeitpunkt
der Agusta Bell AB-212, welcher eine Nutzlast von 2.000kg oder 11 Passagiere befoerdern kann. Aufgrund der Erfahrungen in Galtuer orderte man deshalb 9 Stueck Sikorsky S-70A-42 Black Hawk, welche fuer den
alpinen Einsatzbereich wie geschaffen sind. Der kleinste Heli im Dienst der Oesterreicher, der Agusta Bell AB-206 hatte auf der AIR POWER seinen letzten oeffentlichen Auftritt und wurde nach 40 Jahren ausser Dienst
gestellt.
Mit nicht weniger als sechs verschiedenen Teams, waren die
Kunstflugformationen auf der AIR POWER 2009 stark vertreten. Die beiden bekanntesten Vertreter, die PATROUILLE SUISSE sowie die TURKISH STARS fliegen dieselben Maschinen, die Northrop F-5E TIGER. Als weiteres Jet
-Team war das BREITLING JET TEAM zu bewundern, welches die einzige zivile Europaeische Jetformation darstellt. Ausgeruestet ist das BREITLING JET TEAM mit nicht weniger als 7 Aero L-39 ALBATROS, welche mit einem
wunderschoenen blau/gelben Anstrich versehen ist, der dem der US NAVY BLUE ANGELS sehr aehnelt. Der Hauptsponsor des Teams ist der Schweizer Uhrenhersteller BREITLING. Gegruendet und gemanaged wird das Team
von Jaques Bothelin, welcher schon vorher unzaehlige Kunstflugteams ins Leben gerufen hat (zB.: Martini, ECCO, Adecco, Khalifa). All diese Aerobaticteams hatten zwei Dinge
gemeinsam: zum Ersten flogen alle auf der Pilatus PC-7 und zum Zweiten trugen sie stets den Namen des jeweiligen Sponsors. Innerhalb seines Teams ist Jaques der Einzige, welcher auf keine militaerische
Fliegerkarriere zurueckblicken kann. Die anderen Piloten des BREITLING JET TEAM sind allesamt ehemalige Armée de l'air Militaerpiloten.
Ein nicht ganz so haeufiger Gast auf Europaeischen Airshows ist das TEAM ORLIK der Polnischen Air Force Akademy, welche zwischen 7 und 9 PZL-130 Turbo Orlik`s fliegt. Ein weiteres Team, die Kroatischen KRILA
OLUJE , fliegen ebenfalls einen Turboprop-Trainer (Pilatus PC-9 ). Saemtliche Piloten des offiziellen Teams der Kroatischen Luftwaffe sind Fluglehrer und sind auf der Zemunik AB stationiert, die nicht unweit der
Kroatischen Hafenstadt Zadar gelegen ist.
Fuer alle Warbird-Freunde war die AIR POWER 2009 fast ein Eldorado, und
das nicht nur aus dem Grund, weil fast alle Flying Bull Maschinen vor Ort waren, sondern auch wegen einigen besonders seltenen Exemplaren, wie der Consolidated PBY-5A CATALINA aus Grossbritannien (CATALINA SOCIETY
) oder der Dornier Do-24 ATT, welche dem Enkel des Firmengruenders Claude Dornier, Iren Dornier gehoert. Die Do-24 war eines der besten Seenotrettungs-Flugboote die jemals gebaut wurden. Spanien benutzte
ihre Do-24 bis Mitte der 70er Jahre in der SAR-Rolle. Die Do-24 ATT war der Versuch der Firma Dornier, mit einer bewaehrten Zelle, neuen Triebwerken sowie einer neuen Tragflaechenkonstruktion einen Nischenmarkt zu
erobern (an die 150 Exemplare meinte man an den Mann bringen zu koennen). Leider wurde das vielversprechende Projekt durch die Fusion von Dornier mit der Daimler Benz AG
nicht weiter verfolgt. Die einzig umgebaute Maschine kam als Leihgabe ins Deutsche Museum nach Muenchen (Oberschleissheim), wo sie spaeter von Iren Dornier zurueckerworben und restauriert worden ist. Die
groesste Ueberaschung in Sachen Oldtimer kam aber in Form einer Messerschmitt Me-109 G-4 “Rote 7”, welche in liebevoller Arbeit von drei Warbirdenthusiasten restauriert wurde und dann leider im Jahr 2005
eine Bruchlandung hinlegte. Die beschaedigte Maschine wurde von der Messerschmitt Stiftung aufgekauft, restauriert, nur um im letzten Jahr wiederum bei einem Landeunfall beschaedigt zu werden. Zum Glueck ist
sie aber wieder repariert und kann wieder auf Flugveranstaltungen bewundert werden. Neben der Me-109 war ein Gast besonders sehenswert. Dieser kam aus den Niederlanden, genauer gesagt aus dem Aviodrome
in Lelystad. Die Douglas DC-2 “UIVER” ist die einzig noch fliegende Maschine dieses Typs und war schon aus diesem Grund ein besonderer Leckerbissen.
Die AIR POWER 2009 war mit Sicherheit eine der tollsten Veranstaltungen der letzten Jahre. Die
wunderschoene landschaftliche Kulisse des Fliegerhorstes Hinterstoisser, die grosse Gastfreundschaft der Steirer sowie die grosse Anzahl der teilnehmenden Flugzeuge machten diese Show zu einem grandiosen
Erlebnis fuer Jung und Alt. Wir freuen uns schon auf die naechste AIR POWER - so wie es scheint, wird diese im Jahr 2011 stattfinden - bis dahin: Servus und auf Wiederschaun!
Robert Kysela / CHK 6
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