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In den letzten Jahren hat sich die AIR POWER Veranstaltung des
Oesterreichischen Bundesheeres in Kooperation mit dem Energy-Drink Hersteller RED BULL zu eine der spektakulaersten und groessten Airshows Europas entwickelt. Mit geschaetzten 300.000 Besuchern hat die
AIRPOWER 2011 diesen Status nicht nur bestaetigt, sondern sogar noch weiter ausgebaut. Kein anderes Open-Air-Event in diesem Jahr konnte da mithalten. Mit ueber 220 gezeigten Fluggeraeten und zahlreichen
Internationalen Aerobaticteams hat der Fliegerhorst Hinterstoisser selbst die etablierten Grossveranstaltungen, wie das Royal International Air
Tattoo auf der RAF Fairford locker hinter sich gelassen. Natuerlich geben Statistiken und Zahlen nicht ausschliesslich darueber Auskunft, ob eine
Veranstaltung von Erfolg gekroent ist. Auch solche medialen Ankuendigungen, es handle sich dabei um die groesste Flugveranstaltung Europas, muss nicht zwingend der Realitaet entsprechen. Im Falle der
diesjaehrigen AIR POWER kann man dies aber mit ruhigen Gewissen behaupten. Ein atemberaubendes Flugprogramm und zahlreiche Attraktionen am Boden rundeten das Bild dieser gelungenen Veranstaltung ab.
Fuer die Region um die Stadt Zeltweg, das Oesterreichische Bundesheer sowie die Firma RED BULL war das Wochenende Anfang Juli ein voller Erfolg.
Der besagte Erfolg hat viele Hintergruende. Die besondere Lage des
Fliegerhorstes Hinterstoisser in der Mitte der Gruenen Mark, wie das Bundesland Steiermark von seinen Bewohnern liebevoll genannt wird, ist
sicherlich einer davon. Die Bereitschaft des gesamten Oesterreichischen Bundesheeres, sich durch diese Grossveranstaltung zu praesentieren geht
konform mit den wirtschaftlichen Interessen des Energy-Drink Herstellers RED BULL und der Region in und um das Staedtchen Zeltweg. Dies alles
wuerde aber nicht ausreichen, um eine Veranstaltung so populaer zu machen, sodass an einem einzigen Wochenende ueber ein Viertel Million
Zuschauer nach Zeltweg stroemen. Klar zieht ein Event, auf der man kein Eintrittsgeld entrichten muss (der Besuch der Veranstaltung ist frei, lediglich
Parkgebuehren fallen an), vielleicht etwas mehr Menschen an, als eine, bei der man mit teilweise schon
horrenden Eintrittspreisen konfrontiert wird (siehe RIAT in Fairford oder die Flying Legends Airshow in
Duxford, welche pro Tag und Erwachsenen 32 GBP kostet!). Ein wirklich entscheidender Punkt fuer den Erfolg
der AIR POWER ist die mediale Vermarktung. Kaum anderswo hat ein Veranstalter die Medien so erfolgreich
mit ins Boot geholt wie OeBH/Red Bull. Und natuerlich tut die Mundpropaganda der vergangenen AIR POWER Veranstaltungen den Rest.
Ein Indikator fuer die Gewichtung der AIR POWER ist die enorme Anzahl von
Enthusiasten, die diese Airshow auf ihrer Agenda an oberster Stelle platziert haben. Ueber 700 Spotter haben in diesem Jahr das sogenannte Spotterpackage erworben, eine Art Rundum-Sorglospaket fuer
Luftfahrtenthusiasten. Neben einer Vollverpflegung wird dem Teilnehmer dabei die Moeglichkeit geboten, seine Fotos/Video von 13 verschiedenen
Spots aus, welche sich um den gesamten Flugplatzbereich verteilen, zu machen. Dabei besteht stets die Moeglichkeit, diese Spots zu wechseln. Die
Betreuer des OeBH koennen jederzeit ueber Funk die fuer den Transport zur Verfuegung stehenden Fahrzeuge abrufen. Dadurch haben die Spotter
die Moeglichkeit, mehrmals pro Tag einen Standortwechsel durchzufuehren – ein Service, den es sonst in dieser Form wohl auf keiner anderen Veranstaltung gibt. Die Kosten fuer ein
Spotterpackage belaufen sich auf 30 Euro pro Tag – im Englischen wuerde man sagen: Best Value for Money!
Das diesjaehrige Showprogramm hatte es auch wirklich in sich. Neben der
gesamten RED BULL-Flotte sowie allem, was das OeBH sowie die Oesterreichische Fliegerdivision zu bieten hat, war auch die Internationale
Beteilung mehr als sehenswert. Allen voran natuerlich die, seit langem erwartete Vorfuehrung des Saudi Arabischen Kunstflugteams, der ROYAL SAUDI HAWKS. Dieses Team besteht aus insgesamt 6 BAe Hawk Mk.65
sowie 3 BAe Hawk Mk.65a Advanced Trainer und wurde anlaesslich des 100 jaehrigen Jubilaeums des Koenigreiches von Saudi Arabien zum ersten Mal
der Oeffentlichkeit praesentiert (1999). Seitdem war das Team in erster Linie in ihrer Heimat auf Veranstaltungen zu sehen. Ihr Europa-Depuet fand
demzufolge in Zeltweg statt. Aufgrund eines Vogelschlages an einer der Maschinen mussten die Saudis ihr Display am ersten Showtag abbrechen, konnten dafuer aber am zweiten
Tag ihr Koennen eindrucksvoll unter Beweis stellen. Das extrem dynamische Display der ROYAL SAUDI HAWKS
laesst deutliche Parallelen zu den Britischen RED ARROWS erkennen – was nicht weiter verwundert, waren
es doch ex-RED ARROWS Piloten, welche beim Aufbau des Teams mitwirkten. Stationiert sind die SAUDI HAWKS auf der King Faisal Air Base nahe der Stadt Tabouk (im Nordwesten des Landes).
Neben den bereits erwaehnten ROYAL SAUDI HAWKS waren in Zeltweg
noch jede Menge anderer internationalen Displayteams zu Gast. Allen voran natuerlich das wohl bekannteste Aerobaticteam unserer Zeit, die
Italienischen FRECCE TRICOLORI. Die TURKISH STARS sowie die Schweizer PATROUILLE SUISSE begeisterten das Publikum genauso wie die
kroatischen KRILA OLUJE (Wings of Storm) oder das groesste zivile Jet-Kunstflugteam der Welt – das BREITLING JET TEAM mit ihren AERO L-39
ALBATROS. Eine besondere Vorfuehrung war speziell fuer die einheimischen Gaeste ein Hochgenuss, auch wenn es sich dabei nicht direkt um ein
offizielles Kunstflugteam handelte. Ein Schwarm, bestehend aus 4 Maschinen des Typs SAAB 105 OE des Ueberwachungsgeschwaders flog ein
Display in enger Formation, darunter auch einige Manoever, die vom einheimischen Aerobaticteam KARO AS
geflogen wurden. Dieses legendaere Team wurde leider im Jahr 1984 aufgeloest, ist aber immer noch in den Herzen vieler Oesterreicher praesent. Die SAAB 105 OE ist eine staerkere Version der SAAB 105 Sk60
(anstelle der relativ schwachen Turbomeca Aubisque RM 9 Triebwerke verwendet die Oesterr. Exportvariante
die staerkeren General Electric J85-GE-17B Turbinen mit jeweils 1.280 kp Schub). Insgesamt wurden Anfang der Siebziger Jahre 40 Maschinen geordert, von denen zum heutigen Zeitpunkt noch 22 aktiv in der
Fliegerdivision ihren Dienst versehen.
Bei den militaerischen Kampfflugzeugen dominierte naturgemaess der
EUROFIGHTER EF-2000. Oesterreich besitzt 18 Maschinen dieses Typs, die allesamt in Zeltweg stationiert sind. Neben einem tollen Solodisplay begeisterte vor allem die Abfanguebung zweier EUROFIGHTER. Ein
Alarmstart und darauffolgend das Abfangen eines „Eindringlings“, dargestellt von einer LOCKHEED C-130 HERCULES des OeBH zeigte
eindrucksvoll die Faehigkeiten des EF-2000. Die Solovorfuehrung war auch um ein vielfaches dynamischer, als man es von anderen EF-2000 Displays
kennt. Trotz dieser grandiosen Darstellungen der Hochtechnologieprodukte aus dem Hause EADS kam fuer die meisten Zuschauer der fliegerische
Hoehepunkt in Form eines alten Bekannten. Die Rede ist natuerlich von der MiG-29 - NATO-Code FULCRUM. Urspruenglich sollte eine Polnische sowie eine Slowakische MiG-29 im
Flugprogramm sein, leider fiel die Polnische Displaymaschine aus technischen Gruenden aus. Dafuer war eine zweite Polnische MiG im Static zu bewundern, die Vorfuehrung wurde an beiden Showtagen von der
Slowakischen MiG-29AS aus Sliac (1st Fighter Squadron) geflogen.
Leider wurde die AIR POWER 2011 auch von einem Unfall ueberschattet. Bei
einer Luftlandeuebung wurden aus zwei tieffliegenden LOCKHEED C-130 HERCULES Fallschirmspringer des Jaegerbataillons 25 aus Klagenfurt
abgesetzt werden. Dabei verhakten sich die Schirme zweier Soldaten und beide stuerzten mit kaum verminderter Geschwindigkeit zu Boden. Wie durch ein Wunder kamen beide mit schweren Knochenbruechen davon.
Laut offiziellen Pressemeldungen sollen die beiden Kaerntner Unteroffiziere wieder voll genesen. Unsere besten Wuensche an dieser Stelle. Aufgrund
der laufenden Unfalluntersuchung wurde auf das Absetzen von Fallschirmjaegern als Teil der Luftlandeoperation am Zweiten Showtag verzichtet. Stattdessen kamen jede Menge Helikopter zum Einsatz,
darunter auch als kleine Notiz am Rande, ein Bell UH-1D der Deutschen Heeresflieger.
Bei den zivilen Flugzeugen dominierten die Maschinen der RED BULL- Flotte,
allen voran die majestaetische DOUGLAS DC-4. Diese Maschine diente urspruenglich dem ehemaligen Staatschef Jugoslawiens, Marschall Tito und
gelangte auf abenteuerliche Weise ueber Zambia nach Oesterreich. Zu den FLYING BULLS (so der offizielle Name der RED BULL Flotte) gehoeren unter
anderem auch noch eine NORTH AMERICAN B-25 MITCHELL, eine CHANCE VOUGHT F-4U CORSAIR, eine LOCKHEED P-38 LIGHTNING, ein BELL AH-1 COBRA sowie ein MBB Bo-105. Alle genannten Maschinen konnten auf der
AIR POWER 2011 auch im Flug bewundert werden. Ein besonderer Leckerbissen war diesmal das Flugprogramm der MESSERSCHMITT Me-262 der Messerschmitt-Stiftung aus Manching. Haeufig schon wurde das Display
des legendaeren ersten einsatzfaehigen Duesenjaegers* im der Welt als langweilig kritisiert, in Zeltweg
konnte davon keine Rede sein. Gleich nach dem Start brach die Zwo-Sechs-Zwo nach rechts weg, Fahrwerk rein und ab ging die Post – GRANDIOS! Danke, dass wir dieses Display sehen durften!
FAZIT: alle Highlights aus dem Flugprogramm aufzuzaehlen wuerde den Rahmen dieses Berichtes sprengen.
Es war definitiv fuer jedermann etwas dabei. Fast alle angekuendigten Maschinen waren gekommen (mit Ausnahme der Polnischen Display-MiG sowie der Schwedischen SAAB J-29 TUNNAN, welche mit
Triebwerksproblemen in Schweden verweilen musste). Die AIR POWER 2011 hat eindrucksvoll bewiesen,
dass sie DIE GROESSTE Airshow Europas ist – zumindest in diesem Jahr! Ob dies auch kuenftig so bleiben
wird, werden wir sehen. Ein Besuch in der Gruenen Steiermark wird sich aber auch zum naechsten Open-Air-Event in Zeltweg mit Sicherheit lohnen!
Robert Kysela/CHK 6
* die langlaeufige Bezeichnung DUESENJAEGER ist eine direkte Uebersetzung des englischen Begriffes
JETFIGHTER; im Deutschen Sprachgebrauch der damaligen Zeit nannte man Flugzeuge wie die MESSERSCHMITT Me 262 oder die HEINKEL He 162 TURBINENJAEGER oder kurz und buendig TURBO`s
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