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In der Zeit vom 10. – 15. 03. 2009 fand auf dem Gelaende des Avalon
Airport, Geelong (Sued-Australien) die diesjaehrige AUSTRALIAN INTERNATIONAL AIRSHOW 2009 statt. Diese Luftfahrtausstellung / Airshow wird alle zwei Jahre abgehalten und ist eine der wichtigsten Messen der
Branche im Asiatischen und Pazifischen Raum. Trotz der aktuellen Wirtschaftskrise, war die Beteiligung der Industrie sowie die Anzahl der Fachbesucher sehr hoch, wenn auch die Groesse der Ausstellungsstaende
(im Vergleich zur letzten Veranstaltung im Jahr 2007) deutlich die schlechte Wirtschaftslage wiederspiegelte. Zwar war man bei (offiziellen) Reden und
auf Konferenzen verhalten optimistisch, kleine Sorgenfaeltchen auf der Stirn vieler Teilnehmer blieben aber doch nicht verborgen. So war es auch nicht
weiter verwunderlich, dass grosse Auftraege und Geschaeftsabschluesse ausblieben (die hatte man auch nicht wirklich erwartet). Die Branche haelt den Atem an – ob der Sauerstoff ueberall ausreicht, wird sich
zeigen!
Natuerlich ist einer der Gruende fuer das Ausbleiben groesserer Auftraege seitens der Australischen Luftwaffe die Tatsache, dass die RAAF gerade in
den vergangenen Jahren einige neue Flugzeugtypen beschafft hat (z.B.: BAe HAWK Mk.127, Lockheed Martin C-130J HERCULES, Boeing C-17 GLOBEMASTER III), bzw. das Nachfolgemuster fuer die General Dynamics F
-111 AARDVARK bereits geordert hat (Lockheed Martin F-35 JSF „LIGHTNING II“, sowie als Zwischenloesung bis zu dessen Einfuehrung Boeing FA-18F
[Block II] SUPER HORNET, deren Auslieferung im kommenden Jahr beginnt). Die SUPER HORNET war deshalb auch zum wiederholten Mal eines der Hauptattraktionen in Avalon, gekonnt vorgeflogen vom Testpiloten der
Firma Boeing, Ricardo Traven. Die Anschaffung der SUPER HORNET ist in Australien, vor allem unter Luftfahrtexperten nicht unumstritten (siehe Avalon 2007).
Der einzige, demnaechst zu erwartende groessere Auftrag fuer die
Luftfahrtindustrie ist eine Aufstockung der Lockheed Martin C-130J Flotte (12 Stk). Die ersten Sondierungsgespraeche wurden in Avalon gefuehrt, eine definitive Entscheidung steht aber noch aus. Interessanterweise
sollen 6 Maschinen der modernsten Hercules-Version die obsoleten DeHavilland Canada DHC-4 CARIBOU ersetzen, welche auf der diesjaehrigen Avalon Airshow ihren letzten oeffentlichen Auftritt hatte. Die
ebenfalls von der Firma Lockheed Martin vertriebene und von dem italienischen Konsortium Alenia gebaute C-27J SPARTAN galt schon als sicherer Kandidat fuer die Nachfolge der CARIBOU. Die jetzige
Ankuendigung, aber zusaetzliche C-130J HERCULES (anstelle der Alenia C-27J SPARTAN) anschaffen zu wollen, stiess bei vielen Experten auf Erstaunen.
Die C-130J HERCULES ist als direkter Ersatz fuer den Aufgabenbereich der
DHC-4 CARIBOU weit weniger geeignet und zudem erheblich teurer als die C-27J SPARTAN. Letztere verfuegt ueber dieselben Propeller (Dowty R391),
Triebwerke (Rolls Royce / Allison AE2100 D3 Turbinen) sowie dieselbe Avionik wie die C-130J (wird auch als SUPER HERCULES bezeichnet). Die
außergewoehnlichen Kurzstart und –landeeigenschaften der DHC-4 sind legendaer, ganze 45 Jahre verrichtete die alte Dame ihren Dienst bei der
RAAF. Laut urspruenglichen Plan sollte sie bereits in Jahr 1999 ausser Dienst gestellt werden, die Suche nach einem Nachfolger gestaltete sich aber schwierig, da keines der modernen Taktischen Transporter die
Aufgaben der CARIBOU erfuellen konnte. Das zunehmende Auftreten von Schaeden durch Korrosion zwang die RAAF jetzt allerdings dazu, ihre DHC-4 Flotte noch in diesem Jahr
ausser Dienst zu stellen. Um die dadurch entstehende Luecke in der Transportkapazitaet (zumindest einigermassen) zu schliessen, wird die No. 38 Squadron deshalb drei von der Army geliehene Hawker Pacific
B300 King Air verwenden.
Auch wenn mit 611 gelisteten Ausstellern aus ueber 20 Laendern die Messe auf dem Avalon Airport sehr gut besucht war, vermisste man doch bei den
Flugvorfuehrungen den internationalen Flair. Lediglich die USAF war (Gott sei Dank oder leider - je nach persoenlichen Standpunkt), wie schon in den
Jahren zuvor, ueberproportional vertreten. Mit einer Lockheed C-5 GALAXY, einer Boeing KC-135 STRATOTANKER, zwei Boeing B-1B LANCER, zwei F-16C VIPER, einer F/A-18 SUPER HORNET und einer Boeing F-15C EAGLE war
das Amerikanische Kontingent stark vertreten. Die Flugvorfuehrungen der US-Boys liessen aber wirklich zu wuenschen uebrig. Die B-1B flog naeher
am Mond als auf der Erde und selbst das F-16 Display war im Vergleich zu Europaeischen Vorfuehrungen mit diesem agilen Kampfflugzeug (z.B. das
RNLAF Solo Display oder die Vorfuehrung der Belgischen Luftwaffe) hoechstens unterstes Mittelmass.
Was aber am allermeisten an den Nerven zehrt, sind die “Narrators” (Sprecher, Ansager, Anm.d.Red.). Seit Jahr und Tag leiern diese auf jeder Airshow rund um den Globus ein und die selben Sprueche runter,
einfallslos und selbst in der exakt gleichen Tonlage und -art, so dass die Frage aufkommt, ob da nicht ein Tonbandgeraet mit im Spiel ist. Bitte liebe Freunde aus Amerika: lasst euch endlich mal etwas Neues einfallen
! Etwas kreativer und mit etwas weniger heroischem BlaBla - eure Zuhoerer/Zuschauer werden es euch danken!
Die eigentliche Airshow (an den Publikumstagen Freitag, ab 17:00h,
Samstag und Sonntag) war leider mit schlechtem Wetter gesegnet. Hat es in den Wochen zuvor noch Rekordtemperaturen und verheerende Buschbraende gegeben, so sanken die Temperaturen zur Show auf
teilweise unter 10°Celsius. Starker Daueregen verhinderte am Samstag so gut wie jede Flugbewegung, am Sonntag waren es zahlreiche Schauer und im Laufe des Tages zunehmender Seitenwind, die die Veranstaltung immer
wieder unterbrachen, bzw. diverse Vorfuehrungen verhinderten. Nichts desto trotz stroemten am Wochenende knapp 165.000 Menschen auf das Flugplatzgelaende. Die Australier nahmen das schlechte Wetter mit
stoischer Ruhe und jeder Menge Humor (viele waren sogar mehr als froh, dass es nach der langen Zeit der Duerre und der Buschfeuer endlich regnete), lediglich als der allerletzte
Flug der legendaeren General Dynamics F-111 AARDVARK abgesagt wurde, hoerte man den einen oder anderen nicht ganz so freundlichen Kommentar.
Viele Zuschauer kamen gerade um ihr ”Schwein” (die langlaeufige
Bezeichnung der F-111 bei der Australischen Bevoelkerung lautet PIG, zu Deutsch: Schwein, welche vom offiziellen Namen der F-111, AARDVARK,
stammt. Dieser Begriff stammt aus dem Afrikaans und heisst soviel wie Erdferkel) ein letztes Mal zu sehn . Aufgrund des starken Seitenwindes
entschied sich die Crew, ihr Display nicht zu fliegen (so zumindest die offizielle Begruendung). Eine Entscheidung, die nicht wirklich nachzuvollziehen ist, handelt es sich doch bei der F-111 um eines der
besten Allwetter-Kampfflugzeuge das jemals gebaut worden ist). Ob dieser Entscheidung nicht wieder irgendein Politikum zugrunde lag, liess sich leider
nicht mehr nachvollziehen. Die letzten, der auf der RAAF Amberly stationierten General Dynamics F-111 AARDVARK sollen bis zur Mitte des Jahres 2010 ihren Dienst versehen.
Ein offizielles Fly-out oder eine Abschiedsveranstaltung ist nach unserem Stand der Kenntnis nicht geplant..
Auch die Anzahl der vorgefuehrten Warbirds war im Vergleich zu
vorangegangenen Shows eher duerftig, dies lag aber vor allem daran, dass auf dem Avalon Airport relativ wenig Hangarplatz zur Verfuegung steht, der es erlaubt, die wertvollen Maschinen ueber Nacht und bei schlechtem
Wetter sicher unterzustellen. Ein immer wieder gern gesehener Gast in Avalon ist die Lockheed L-1049 SUPER CONSTELLATION der HARS (Historical
Aircraft Restoration Society). Die Super Connie konnte zwar aufgrund eines technischen Problems nicht fliegen, diese Airliner Legende ist aber auch am
Boden ein Highlight. Die einzigen Warbirds, die im Flug vorgefuehrt wurden, waren eine Yakovlev Yak-9U sowie eine CAC-18 (Lizenzbau einer North American P-51D MUSTANG). Im zivilen Bereich war besonders die erste
Landung eines Airbus A380 der QANTAS, sowie das Erscheinen der ersten Boeing 777 “Didgeree Blue” der V Australia (einem Ableger der Virgin Blue) von Bedeutung,
Fazit: trotz Wirtschaftskrise schaffte es die Organisatoren von Airshows Downunder ein tolles Event auf die
Beine zu stellen. Leider machte das schlechte Wetter wieder vieles davon kaputt. Bleibt nur zu hoffen, dass in 2011 wieder alles beim Besten ist – das Wetter sowie die Wirtschaftslage!
Robert Kysela / CHK6
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