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Es war an einem eiskalten, sonnigen Nachmittag am 23. Februar 1909 als
auf dem zugefrorenen See Bras d´Or , in der Naehe der Stadt Baddeck (Provinz Nova Scotia), als der Kanadier John Alexander Douglas (J.A.D)
McCurdy in einem filigranen Flugapparat zum ersten Motorflug in der Geschichte Kanadas aufstieg. McCurdy war nicht nur der Pilot der “Silver
Dart”, sondern auch einer der Konstrukteure. Gemeinsam mit seinem alten Freund und Schulkameraden Frederick W. ‘Casey’ Baldwin, dem US Army
Offizier Lt. Thomas E. Selfridge sowie dem beruehmten Motorradchampion und Firmengruender Glenn Curtiss arbeitete er fuer die AEA (Aerial
Experiment Association), eine Firma, welche von dem grossen Erfinder und Visionaer Alexander Graham Bell gegruendet wurde. Der erste Flug ging
lediglich ueber die kurze Distanz von einer halben Meile und erreichte eine Hoehe von gerade mal 6 Meter.
Die Silver Dart wurde von einem 65 PS starken Continental A-65 Boxermotor angetrieben (andere Quellen
sprechen von einem 35 PS starken Curtiss V-8 Reihenmotor, was wahrscheinlicher erscheint).
Seit diesem Ereignis sind gerade mal 100 Jahre vergangen - ein guter Grund fuer die Kanadier dieses Jubilaeum mit einer grandiosen
Luftfahrtschau zu feiern. Am Wochenende zum 13./14. Juni 2009 fand die offizielle 100-Jahr Feier auf der CFB Bagotville (Provinz Quebec) statt,
welche ein paar Meilen westlich der Stadt Saguenay gelegen ist. Die CFB (CFB = Canadian Forces Base) Bagotville ist die Heimatbasis der No. 3 Wing
und somit eine von nur zwei operativen CF-18 Hornet Stuetzpunkte der Candian Armed Forces (die andere Basis ist CFB Cold Lake in der Provinz
Alberta, Heimatbasis der No. 4 Wing). Neben der militaerischen Nutzung wird der Flugplatz Bagotville auch von zivilen Betreibern genutzt (zB. von
den Regional Fluglinien wie der Air Canada Jazz oder der Charterlinie Sunwing Airlines). Auch ein so genannter Defense-Contractor (Top Aces Consulting Inc.) ist dort stationiert
und fungiert mit seinen ex-Luftwaffe Dornier/Breguet Alpha Jets als Ziel- und Feinddarsteller fuer die
Kanadische Luftwaffe. Insgesamt besitzt die Firma 12 Alpha Jet, wovon 4 staendig auf der CFB Bagotville stationiert sind.
Der Fliegerhorst wurde urspruenglich am 17. Juli 1942 als RCAF Training
Base (Royal Canadian Air Force; bereits 1968 fusioniert die Kanadische Luftwaffe mit den anderen Teilstreitkraeften unter einem gemeinsamen Oberkommando und erhielt den Namen: CANADIAN ARMED FORCES).
Anfaenglich war dort die No. 1 Operational Training Unit sowie die No. 130 Panther Squadron (welche mit Curtiss Kittyhawk I, sowie (spaeter) mit
Hawker Hurricane Mk. XII ausgeruestet war) stationiert. Wenige Monate vor Ende des II. Weltkrieges wurde die RCAF Bagotville geschlossen, nur
um wenige Jahre spaeter (1. Juli 1951) im Zuge der Eskalation des Kalten Krieges reaktiviert zu werden. In den 1960er Jahren beheimatet die RCAF
Bagotville eine der maechtigsten Waffen im Arsenal der NATO Streitkraefte, die Mconnell Douglas CF-101 Voodoo, welche auch fuer ordentlichen Innenpolitischen Wirbel sorgte. Die
Hauptbewaffnung der CF-101, die ungelenkte AIR-2 Genie Rakete verfuegte ueber einen ca. 1,5 kt starken Nuklearsprengkopf (W-25). Um der Politischen Kontroverse aus dem Weg zu gehen, kam man zu der
Uebereinkunft, dass der rechtmaessige Besitzer der Waffe nach wie vor die Vereinigten Staaten von Amerika waren und Kanada diese Waffe weder offiziell besitzt noch diese jemals angeschafft wurde:-).
Nach der Ausserdienststellung der CF-101 Voodoo im Jahre 1984 wurden die Nuklearwaffen wieder in die USA zurueckgegeben (die man offiziell ja
nie hatte!). Der Nachfolger der Voodoo, die Boeing CF-18 Hornet ist nach wie vor das kampfstaerkste fliegende Waffensystem der Canadian Armed
Forces. Zwischen den Jahren 1982 und 1988 beschaffte Kanada 98 Einsitzer (A-Version) sowie 40 Doppelsitzer (B-Version). Momentan sind noch etwa 80 Maschinen einsatzfaehig, auch wenn die beiden
Einsatzgeschwader aus nur jeweils 24 Maschinen dieses Typs bestehen. Der verbliebene Rest wird neben der Rolle als Ersatzmaschine auch noch zu
Test- und Evaluierungszwecken geflogen. Die offizielle Kanadische Bezeichnung fuer die Hornet ist CF-188, aber ausser in der militaerischen
Dokumentation wird die Hornet stets als CF-18 bezeichnet. Die CF-18 auf der CFB Bagotville gehoeren zur No
. 425 Squadron. Die Kanadischen Hornets wurde sehr erfolgreich im ersten Golfkrieg eingesetzt, wo sie
ueber 2500 Einsaetze flogen (ca. 5700 Flugstunden). Speziell fuer die Einhundertjahr-Feier wurde eine der
aeltesten CF-18 (Seriennummer #19, diese Maschine wird zum Ende der Saison ausser Dienst gestellt) in
einem grandiosen Sonderanstrich versehen. Geflogen wird die Hornet von diesjaehrigen Displaypiloten Capt.
Tim Woods. Natuerlich war die Vorfuehrung der sonderlackierten Hornet eines DER Highlights der Show. Ein
anders Highlight war auch der Formationsflug von 6 CF-18 der No. 425 Squadron sowie ein Gound-Attack Szenario derselben (inklusive jeder Menge Pyrotechnik).
Das am meisten erwartete und angekuendigte Highlight der Show fiel leider aufgrund technischer Probleme aus. Das Kanadische Displayteam, die
SNOWBIRDS, waren wegen einem defekten Ausloeseschloss ihrer Schleudersitze fuer das gesamte Airshowwochenende gegrounded. Zusaetzlich zum SNOWBIRD Display wurde eine weitere Canadair CT-114
Tudor in den Farben des ehemaligen GOLDEN CENTENNARIES Team bemalt, welche lediglich eine Saison flogen (1967) und de facto als Vorgaenger der
heutigen SNOWBIRDS gelten. Deren Vorgaenger wiederum waren die GOLDEN HAWKS, welche in einer atemberaubenden Lackierung von 1959 bis 64 mit sechs Canadair CL-13 Sabre flogen. Eine Sabre, welche sich im
Besitz des Vintage Wings of Canada Museum befindet, wurde eigens zum Zweck der 100-Jahr Feier in den Farben der GOLDEN HAWKS bemalt (und erhielt den Namen “HAWK ONE”).
Nebenbei bemerkt: die GOLDEN HAWKS wurden urspruenglich fuer das 50-jaehrige Jubilaeum des Motorisierten Fluges in Kanada gegruendet.
Die in Kanada in Lizenz gebauten Sabre galten allgemein als die zuverlaessigsten, aber auch leistungsfaehigsten Maschinen dieses Typs
und wurden innerhalb der NATO-Luftflotten in grosser Stueckzahl eingesetzt. Insgesamt wurde 1.815 Canadair CL-13 Sabre gefertigt, wovon
allein 225 Sabre 6 an die junge Bundesdeutsche Luftwaffe geliefert wurden. Die “HAWK ONE” ist urspruenglich eine Sabre 5, welche mit den
Tragflaechen einer F-86F versehen und mit einem Orenda 14 Triebwerk aufgeruestet wurde. So ist sie, zumindest technisch gesehen, eine Sabre 6.
Nachdem der Gruender und CEO von Vintage Wings of Canada, Michael Potter die Sabre in den Vereinigten Staaten erstanden hatte, sah er und
sein Team sich mit einigen Problemen mit den originalen Martin Baker Mk.5 Schleudersitzen konfrontiert. Aus diesem Grund baute man in die Maschine denselben Schleudersitz ein, der
auch in der Canadair CT-114 Tudor Verwendung findet (Weber CL-14). Aufgrund dieser Modifizierung war
also auch die Sabre “HAWK ONE” in Bagotville nicht in der Lage, an der Flugvorfuehrung teilzunehmen, sehr
zum Leidwesen aller Zuschauer. Neben den bereits erwaehnten Maschinen (insgesamt 25 CT-114) war auch noch eine Lockheed CT-133 des National Research Council vom Flugverbot betroffen.
Zum Glueck brachte Michael Potter noch mehr Maschinen aus seiner grandiosen Sammlung mit. Allen voran eine wunderschoen restaurierte und
von Goodyear gebaute FG-1D Corsair. Diese flog gemeinsam mit einer North American P-51D Mustang IV. Die Sammlung von Michael Potter ist nur
unweit der Kanadischen Hauptstadt Ottawa gelegen, genauer gesagt auf dem Gatineau Airport. Ganze 16 Maschinen gehoeren bis heute zu der Sammlung. Neben den bereits erwaehnten FG-1D, P-51D und Sabre 5/6
findet man da noch (unter anderen) eine wunderschoen restaurierte Supermarine Spitfire Mk. XVI, zwei Hawker Hurricanes (eine Mk.IV und eine
Mk.XII), eine Fairey Swordfish Mk.III sowie eine Westland Lysander Mk.IIIa. Alle Maschinen befinden sich in ausgezeichnetem Zustand und werden auf
diversen Flugveranstaltungen vorgefuehrt. Die gezeigte FG-1D Corsair ist in den Farben der Maschine von Lt.
Robert Hampton "Hammy" Gray lackiert, einer der letzten Kanadier, der im II. Weltkrieg gefallen ist. Lt. Grey
erhielt fuer seine Tapferkeit posthum das Victoria Kreuz (bei einem Angriff auf einen Japanischen Zerstoerer
am 09. August 1945, landete er einen Volltreffer auf dem feindlichen Kriegsschiff, obwohl seine Maschine bereits in Flammen stand und weniger spaeter ins Meer stuerzte).
Das wahrscheinlich interessanteste Display der ganzen Show (zumindest fuer Warbird-Enthusiasten) flog eine Avro Lancaster Mk.X. Von den
insgesamt 7.377 gebauten viermotorigen Bombern wurden (von 1943 bis 1945) 430 Maschinen bei der Victory Aircraft Ltd. in Malton, Ontario in Lizenz
gebaut. Die Mk.X Version unterschied sich nur wenig von der Originalversion, lediglich die Instrumentierung wurde modifiziert sowie in den USA gebaute
Packard Merlin 38’s sowie spaeter Merlin 224 wurden verwendet. Nach dem Ende des II. Weltkrieges wurden die Lancaster Mk.X in Kanada als
Marineaufklaerer verwendet. Die letzte Maschine wurde erst im Jahr 1964 ausser Dienst gestellt. Die auf der CFB Bagotville gezeigte Maschine ist eine
von lediglich zwei weltweit flugfaehigen Muster dieses Typs (die 2. Maschine gehoert dem Battle of Britain Memorial Flight an ) und ist im Besitz des Canadian War Plan Heritage
Museum, Mt. Hope (Hamilton Int. Airport) / Ontario. Dieses Museum beheimatet under anderem auch noch eine grosse Anzahl an Exponaten, von der betagten Avro Anson Mk.IV bis hin zum Canadair CF-104
Starfighter. Viele der Maschinen sind sogar (wie die Lancaster) in flugfaehigen Zustand.
Die Internationale Beteiligung an der 100-Jahr Feier auf der CFB Bagotville hielt sich in Grenzen. Lediglich eine Boeing E-3C Sentry von der Royal Air
Force waren aus Uebersee zugegen. Die USAF war dafuer (logischerweise) sehr stark vertreten - zumindest im Static Display (2 x A-10 Thunderbolt II,
eine Grumman E-2C Hawkeye, eine Boeing E-8 Joint Star, eine KC-135 und eine Lockheed Martin F-16C Viper). Im Flying display sah es leider nicht
besonders rosig aus. Lediglich eine F-16C Viper des West Coast Viper Demo Team vom 388th Fighter Wing / Hill AFB zeigte ein Solo display. Dies tat der
Sache aber keinen Abbruch, wollte man auf der CFB Bagotville doch in erster Linie Kanadische Maschinen bewundern. Schade war nur, dass keiner der anwesenden Canadair CL-215/415 Wasserbomber eine
Flugvorfuehrung darbot. Aber vielleicht sieht man diese ja bei der naechsten Show auf diesem Stuetzpunkt, welche aller Voraussicht nach im Jahr 2011 stattfinden wird!
Wenn jemand glaubt, man muss schon in die USA fliegen um eine tolle Airshow zu sehen, der sollte seine
Meinung etwas revidieren und sich fuers naechste Mal auch die Kanadischen Airshowtermine ansehen. Die CENTENARY of CANADIAN FLIGHT Show auf der CFB Bagotville war eine grandiose Veranstaltung, perfekt
organisiert und durchgefuehrt. Was dem Ganzen aber das Sahnehaeubchen aufsetzte, war die sprichwoertliche Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Kanadier. Wenn man all dies mit der
wunderschoenen Landschaft der Provinz Quebec kombiniert, bekommt man ein Erlebnis serviert, welches seines Gleichen sucht! Fuer uns war es mit Sicherheit nicht das letzte Mal, dass wir ueber diese Base
berichtet haben - versprochen!
Robert Kysela / CHK 6
Special thanks to:
Col. Pierre Ruel / CO 3 Wing Capt. Alexandre Muñoz / PAO 3 Wing Bagotville Michael Potter / CEO Vintage Wings of Canada
Paul Tremblay / Vintage Wings of Canada Ron Cruse / Canadian War Plan Heritage Museum and all others for their superb support!!!
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