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Uebung ist das halbe Leben - dieser oft verwendete Satz trifft vor allem im militaerischen Sinne den Kern der Sache. In Friedenszeiten besteht ein
Grossteil der Taetigkeiten einer jeden Teilstreitkraft innerhalb einer Armee im Ueben fuer den Ernstfall. Angefangen vom Exerzieren auf dem Kasernenhof bis hin zum gross angelegten Manoever spannt sich das
Repertoire der Trainingsmassnahmen. Jede Uebung ist allerdings sinnlos, wenn sie nicht realitaetsnah ist. Gerade im Umgang mit Waffen ist es nicht
unbedingt einfach, ein reales Szenario zu schaffen. Selbst bei dem Einsatz von Hochleistungscomputern und Simulatoren musste man feststellen, dass damit nur ein Bereich der Ausbildung abgedeckt werden kann.
Vergleichsergebnisse haben oft gezeigt, dass hervorragende Ergebnisse im Simulator nicht 1:1 in einer realen Uebung umgesetzt werden konnten.
Deshalb ist es fuer jede Armee essentiell, Uebungen im Scharfen Schuss durchzufuehren, um Mannschaft und Geraet so nah wie moeglich an einen etwaigen Ernstfall heranzufuehren. Zwei Dinge sind hierfuer
unabdingbar: einmal ein dafuer notwendiges "lebendes" Ziel, sowie der psychische Druck durch die Bedrohung des Gegners. Letzteres laesst sich naturgemaess sehr schwer generieren und soll auch nicht
Thema dieses Berichtes sein. Beim "lebenden Ziel" ist selbstredend nicht ein lebendiges Ziel gemeint,
sondern vielmehr ein bewegendes, sich in seiner Lage veraenderbares real existierendes Objekt. Statische Zielscheiben moegen fuer den Infanteristen und selbst fuer Jagdbomber ja noch (teilweise) ausreichend sein
, fuer Flugabwehrgeschuetze und -raketen, sowie fuer Jagdflugzeuge sind sie nur von geringem Nutzen.
Bereits in den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts erkannte man, dass sich von Flugzeugen an langen Stahlseilen geschleppte Luftsaecke
hervorragend fuer diese Zwecke eignen wuerden. Gerade Flak-Kanoniere uebten sich im Scharfen Schuss an den, von alten Heinkel He-60 oder Junkers W34 geschleppten textilen Luftsaecken. In der Zwischenzeit
nutzen viele Waffensysteme die Flugzieldarstellung fuer ihre Uebungen. Neben der bereits erwaehnten Fliegerabwehr mit Rohr- sowie Lenkwaffen
sind es vor allem Kampfflugzeuge, welche ihre Systeme an Schleppzielen erproben. Von den Anfaengen der Zieldarstellung mit Schleppflugzeugen
bis heute scheint sich auf den ersten Blick nicht allzu viel veraendert zu haben, doch das taeuscht. Nicht nur wurden die Schleppverfahren
verfeinert und die einfachen Luftsaecke, bzw. Schleppzielscheiben durch hochmoderne Schleppzielkoerper ergaenzt bzw. ersetzt, sondern das gesamte Repertoire an Uebungsszenarien wurde erheblich erweitert.
Die elektronische Feinddarstellung ist heutzutage ein wichtiger Bestandteil des Aufgabenbereichs der Flugzieldarstellung. Auch zur Erprobung neuer Lenkwaffensystem werden Zielkoerper benoetigt.
In frueheren Jahren wurde die Flugzieldarstellung ausschliesslich von den jeweiligen Luftwaffen selbst uebernommen, in der Zwischenzeit ist man
aber dazu uebergegangen, diese von darauf spezialisierten Firmen durchfuehren zu lassen. Eine dieser Firmen ist die GFD - Gesellschaft fuer Flugzieldarstellung mbH, seit 2002 ein Tochterunternehmen der EADS
Deutschland GmbH. Ihre Anfaenge hatte die Firma bereits 1966 - damals war der Heimatflughafen noch in Westerland auf der Nordseeinsel Sylt. Geflogen wurde mit ehemaligen Luftwaffen Maschinen (Canadair F-86 Sabre
6 bis 1974, und von 1974 - 1992 mit der FIAT G-91). Bereits im Jahr 1989 wurde dann auf Learjets 35/36 umgeruestet, wovon die Firma GFD heute
11 LFz betreibt. Seit 1976 operiert die Firma vom Flugplatz Hohn bei Rendsburg aus, der Heimatbasis des Lufttransportgeschwaders 63 (LTG 63). Dies hat sehr viele positive
Aspekte fuer beide Seiten, wie ein Gespraech mit dem Kommodore des LTG 63, Hrn. Oberst Helmut Frietzsche und dem Geschaeftsfuehrer der Firma GFD, Hrn. Klaus Menzel, bestaetigte. Die Tatsache, dass ein
Grossteil der Angestellten dieses zivilen Unternehmens einen militaerischen Background besitzt (so sind z.B.
von den insgesamt 28 Piloten bis auf zwei alle ehemalige Militaerpiloten) kommt dem natuerlich sehr zu Gute. Ihren Vertrag erhaelt die Firma GFD vom Bundesamt fuer Wehrtechnik und Beschaffung (BWB). Die
Vertragsdauer ist jeweils fuer 5 Jahre festgelegt und wird danach wieder neu ausgeschrieben und verhandelt.
Der Hauptaufgabenbereich besteht in der Mittelschnellen Zieldarstellung, wobei sich dieser wiederum in folgende Aufgabenbereiche unterteilt:
* Zielsimulation
* Zieldarstellung mit Schleppziel * Zieldarstellung ohne Schleppziel * Jaegerleitausbildung * Live - EloKa
Fuer den jeweiligen Einsatzzweck stehen daher auch unterschiedliche
Zielkoerper und Messsysteme zur Verfuegung. Fuer Rohrwaffen werden so genannte Weichziele (Schleppsaecke) oder Hartziele verwendet, die jeweils
mit einer elektronischen Trefferanzeige ausgeruestet sind. Der Learjet hat den grossen Vorteil, dass er gleichzeitig zwei Schleppziele mitfuehren kann.
Diese werden ueber eine luftgetriebene Seilwinde der Marke Marquard MTR-101 abgelassen bzw. wieder eingeholt. Die Entfernung des Schleppzieles
zur Maschine betraegt bei Weichzielen ca 3 km und beim Schleppkoerper bis zu 6,5 km. Diese Entfernungen ergeben sich durch die theoretische maximale Reichweite der gegen die Ziele eingesetzten Waffen bzw. der
Munition und dienen der absoluten Sicherheit der Maschine sowie deren Besatzung. Schleppeinsaetze sowie der Einsatz von Waffen gegen
geschleppte Ziele verlaufen nach einem genau definierten Muster. Der Feuerbereich und der Flugkurs (z.B. vom Flak-Panzer Gepard, etc.) der Schleppmaschine aber auch der Zeitpunkt der Feuerfreigabe sind
genauestens festgelegt. Die Schleppmaschine befindet sich bei Feuereroeffnung bereits weit ausserhalb des Feuerbereiches, waehrend sich der Schleppkoerper, bedingt durch die enorme Laenge des Schleppseiles,
inmitten des Schussfeldes des jeweiligen Waffensystems befindet. Dies setzt natuerlich nicht nur eine exakte Planung sowie ein erprobtes Verfahren voraus, sondern verlangt auch erfahrene Flugzeugfuehrer. Sicherlich
mit ein Grund, warum die Masse der Besatzungen aus ehemaligen Piloten der Marine sowie der Luftwaffe rekrutiert wird, ist die Tatsache, dass diese mit den Verfahren sowie den Anforderungen an die
Zieldarstellung bestens vertraut sind.
Die Schleppkoerper DOSK6 (Hersteller EADS/Dornier) haben ein Gewicht von
36 bis 70 kg. Je nach Verwendungszweck koennen sie mit unterschiedlichen Systemen bestueckt werden (z.B.: einem Zink-Sulfid Fenster am Kopf, welches gespeist durch starke Batterien eine starke Waermequelle
simuliert). Auch Rauchkartuschen, Flare-Dispenser sowie unterschiedliche Auswerte- und Kommunikationseinheiten gehoeren zur Ausruestung dieses ca. 2,7 m langen Geraetes. Der Body des DOSK 6 besteht aus
glasfaserverstaerkten Kunststoff. Bei einer Schleppgeschwindigkeit bis zu 350 kts entwickelt er einen eigenen Auftrieb.
Ausser den DOSK 6 und den Schleppsaecken TGL-3C&D kann auch ein Lasersimulator (AGDUS) fuer das Waffensystem Gepard sowie
verschiedene elektronische Behaelter mitgefuehrt werden (AN/ALQ-119 GY Jamming Pod sowie einen Low Band Pod der Firma DASA). Damit werden Taeusch- und Stoermassnahmen gegen die Radaranlagen der
unterschiedlichsten Waffensysteme durchgefuehrt. Das als "JamKite" bezeichnete Verfahren wird von speziell mit Elektronikkonsolen umgeruesteten Learjets und einem zusaetzlichen Operator im Zuge der
Live-EloKa Ausbildung geflogen. Die Auswertung der Ergebnisse erfolgt dann stets bei dem jeweiligen militaerischen Uebungspartner.
Ein weiterer interessanter Aufgabenbereich der Firma GFD sind die so
genannten "Renegade" Einsaetze. Dabei simuliert ein Learjet ein Verkehrsflugzeug, welches nicht auf Anweisungen der zivilen Flugkontrolle
reagiert, bzw. sich auf einer nicht vorgesehenen Flugroute befindet. Eine Alarmrotte (QRA = Quick Reaction Alert) der Luftwaffe mit 2 McDonnell
Douglas F-4F Phantom II fliegt einen Abfangeinsatz, wobei das Besondere daran ist, dass die Piloten im Vorfeld nicht darueber informiert werden, dass
es sich bei diesem Einsatz lediglich um eine Uebung handelt. Fuer diese Missions eignen sich die Learjets 35/36 besonders, verfuegen sie doch ueber eine erhebliche Reichweite (ohne Aussenlasten kann ein Learjet bis
zu 5 ½ Std ueber dem Zielgebiet bleiben), sowie eine gute Manoevrierfaehigkeit verbunden mit einer hohen Wirtschaftlichkeit. Alle
verwendeten Learjets wurden zum Zwecke der Zieldarstellung umgebaut, so wurden unter anderem die Außentanks um ca. 1 m verlaengert, die Windscreens verstaerkt und Avcon Fins am hinteren Rumpf montiert,
um die Stabilitaet zu erhoehen. Die Inneneinrichtung wurde weitgehend belassen, allerdings wurde die Bestuhlung groesstenteils demontiert.
Neben den rein militaerischen Aufgaben fuer Heer, Luftwaffe und Marine
erfuellt die Firma auch diverse Forschungsauftraege fuer das Bundesministerium f. Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie - kurz BMBF genannt, sowie wehrtechnische Erprobungen fuer die Industrie
(z.B.: Erprobung des AGDUS Systems, IRIS-T, etc.). Bei dem zivilen Programm waere besonders das Experiment POLSTAR II hervorzuheben, wobei Aerosolmessungen in der Stratosphaere von Kiruna/Schweden aus
durchgefuehrt wurden. Es ist schon sehr interessant, wie sich aus einem Nischenprodukt der militaerischen Luftfahrt ein Unternehmen entwickeln konnte, dessen Aufgabenspektrum so mannigfaltig ist, dass in diesem
Bericht lediglich oberflaechlich darauf eingegangen werden kann. Die Gesellschaft fuer Flugzieldarstellung mbH ist ein gutes Beispiel dafuer, wie man durch Outsourcing einzelner
militaerischer Aufgabenbereiche an ein ziviles Unternehmen, ein Hoechstmass an Flexibilitaet sowie ein kosteneffizientes und kundenorientiertes System schaffen kann, was nicht zuletzt bei staendig steigenden
Kosten und sinkendem Verteidigungsetat demjenigen zu Gute kommt, der ja letztendlich alles finanziert: dem Steuerzahler!
In diesem Sinne moechte ich mich sehr herzlich bei der GFD fuer ihre grossartige Unterstuetzung bei der Erstellung dieses Artikels bedanken!
Robert Kysela
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