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Unter Piloten ist es ueblich, ihre Maschinen zu klassifizieren - Jagdflugzeuge gelten allgemein als “hot” und wenn diese auch noch toll aussehen als
“sexy”. Eine Maschine auf die sicherlich beide Attribute zutrafen war die Grumman F-14 Tomcat - eines der bekanntesten Flugzeuge der Neuzeit. Ueber drei Jahrzehnte bildete die F-Fourteen das
Rueckgrat der fliegender Traegerverbaende der US Navy. Wenige Flugzeuge hatten in ihrer Laufbahn mehr Aufsehen erregt und standen oefter im Rampenlicht als dieser zweisitzige Jaeger. Die Abschuesse
libyscher Kampfjets in den Achtziger Jahre gehen auf ihr Konto, doch richtig bekannt wurden sie durch die Hollywoodstreifen “Top Gun” (mit Tom Cruise in der Hauptrolle) sowie “Der
letzte Countdown”. Am 22. September 2006 ging die Aera der Grumman F-14 Tomcat bei der US Navy zu Ende. Grund genug um uns etwas naeher mit diesem legendaeren Navy-Kater zu beschaeftigen:
GESCHICHTE & ENTWICKLUNG:
Anfang der 60er-Jahre wurde die Entwicklung eines unterschallschnellen,
hochentwickelten Waffentraegers (Douglas F6D Missileer) fuer die Bendix XAAM-N-10 “Eagle” Langstreckenlenkwaffe aus Kostengruenden aber auch
aus technischen Ueberlegungen abgebrochen. Ein weiteres Vorhaben war ebenfalls zum Scheitern verurteilt. Die vorgesehene Traegervariante der
General Dynamics F-111, die B-Version, entpuppte sich als zu schwer, zu unhandlich aber auch zu leistungsschwach fuer den Traegereinsatz, sodass
die US Navy dringend einen Ersatz fuer ihre Vought F-8 Crusader sowie die McDonnell Douglas F-4 Phantom II suchte. Nach dem offiziellen Ende der F
-111B im Jahre 1968 initiierte die US Navy eine Ausschreibung fuer die Entwicklung und den Bau eines zweisitzigen Jagdflugzeuges mit der
Bezeichnung VFX (Navy Fighter Experimental). Unter den sich bewerbenden Firmen befanden sich neben General Dynamics, McDonnell Douglas, Ling Temco Vought sowie North American auch die Grumman
“Ironworks”, deren Entwurf mit der werksinternen Bezeichnung G303-E schliesslich das Rennen machte.
Ausgelegt als doppelsitziger Abfangjaeger mit Schwenkfluegel und zwei der
urspruenglich fuer die F-111 entwickelten Pratt & Whitney TF-30 Turbofans verfuegte die nunmehr als Grumman F-14A bezeichnete Maschine ueber ein
betraechtliches Potential. Vor dem Bau der ersten Maschine wurden zwei Mockups vorgestellt, wobei eine dieser hoelzernen Modelle in der
urspruengliche Konfiguration mit einem einzelnen Hoehenleitwerk versehen war. Der Prototyp, der seinen Erstflug am 21. Dezember 1970 vollfuehrte,
hatte bereits das Doppelleitwerk, welches fuer die F-14 signifikant wurde. Im Gegensatz zur bereits erwaehnten F6D Missileer sollte der neue Jaeger
nicht nur in der Lage sein, feindliche Bomber und Cruise Missiles auf grosse Entfernungen abzufangen, sondern er sollte auch allen gaengigen
sowjetischen Muster (MiG-21, -23, sowie MiG-25) im Dogfight ueberlegen sein. Zu diesem Zweck wurde neben der reinen Raketenbewaffnung eine einzelne 20mm Revolverkanone installiert - man hatte aus den
Lehren des Vietnamkonfliktes gelernt. Die Erprobungsphase verlief nicht ganz reibungslos. Bereits 9 Tage
nach dem Erstflug ging der Prototyp durch eine katastrophalen Hydraulikschaden bei der Landung zu Bruch. Die beiden Testpiloten, William Millar und Robert Smythe konnten sich in letzter Sekunde mit dem
Schleudersitz retten und kamen mit geringen Blessuren davon.
Trotz dieses Rueckschlages ging die Entwicklung sehr rasch voran, sodass
bereits 21 Monate nach dem Erstflug die erste Einheit, die VF 124 “Gunfighters” von der NAS Miramar ihr erste Serienmaschine erhielt. Bei
dieser Squadron handelt es sich um eine Fleet Replenishment Squadron (FRS), welche fuer das Training der Navy-Crews verantwortlich war.
Normallerweise gab es fuer jeden Flugzeugtyp zwei Squadrons (eine fuer die Atlantik- und eine fuer die Pazifikflotte). Die VF-124 wurde im Zuge der
Abruestung nach dem Ende des Kalten Krieges im Jahre 1994 aufgeloest. Als einzige Einheit fuer die F-14 Ausbildung verblieb damit die VF-101 “Grim
Reapers”, welche am 30. September 2005 ausser Dienst gestellt wurde. Die ersten operativen Einsatzstaffeln waren die VF-1 “Wolf Pack” sowie die VF
-2 “Bounty Hunters” an Bord der CVN-65 “Enterprise”. In der Zwischenzeit hat die F-14 auch ihren offiziellen
Namen erhalten: TOMCAT. Angeblich war der (unfreiwillige) Namensgeber der damalige Vice-Admiral Thomas F. Connoll, dessen Engagement gegen die unseelige F-111B sehr zur Einfuehrung der F-14 beitrug. Sein
Callsign als Marineflieger war “Tomcat”. Da die Firma Grumman viele ihrer Vorgaengermodelle mit Katzennamen versah (ZB.: F-4F Wildcat, F-6F Hellcat, F-7F Tigercat, F-8F Bearcat) war es nicht
ungewoehnlich, bei dem neuen Fighter diese Tradition weiterleben zu lassen.
EINSATZ:
Anfang 1975 kamen die ersten beiden Tomcat-Staffeln auf dem Flugzeugtraeger USS ”Enterprise” (Big “E”) zum Einsatz, als sie den
Rueckzug der Amerikaner aus Saigon sicherten. Zu Kampfhandlungen mit den Nordvietnamesischen MiG`s kam es allerdings nicht mehr. Dafuer hatte
die F-14A zunehmend mit technischen Problemen zu kaempfen, welche im Jahr 1975 cummulierten. Innerhalb kurzer Zeit stuerzten zwei Maschinen
aufgrund von Triebwerksbraenden, welche von defekten Turbinenschaufeln verursacht wurden, ab. Bis zur Einfuehrung einer verbesserten Version des
TF-30 Triebwerks (TF-30-P-414) dauerte es allerdings einige Jahre (1979). Die Probleme mit den Pratt & Whitney Turbinen begleiteten die F-14A
allerdings bis zu ihrer “Pensionierung”. Bei hohen Anstellwinkeln konnte es passieren, dass es im Triebwerk zu einem Stroemungsabriss kam (Kompressorstall), was zu einem sofortigen
Leistungsabfall und zum Stopp der Turbine fuehrte. Insgesamt war die Leistung des TF-30 Triebwerkes unbefriedigend. Deshalb versuchten die Ingenieure von Grumman die Probleme mit den anfaelligen TF-30
Triebwerke durch den Einbau leistungsfaehiger Turbinen (General Electric F401-PW400) in den Griff zu bekommen. Allerdings waren die F-401 zu komplex und zu teuer, sodass dieses Projekt (F-14B Super Tomcat
) wieder fallen gelassen wurde.
Erst mit dem Vorhandensein des modernen General Electric F110-GE-400
Triebwerks war eine Loesung in Sicht. Dieses Triebwerk, welches unter anderem auch (in abgeaenderter Form) die Lockheed Martin F-16 antreibt,
basiert urspruenglich auf dem F101, welches fuer den Rockwell B-1B Bomber entwickelt wurde. Die neue Version mit der Bezeichnung “D” sollte
neben den Triebwerken auch ueber ein modernes (digitales) Radar bzw. digitale Avionik verfuegen. Als Uebergangsloesung bis zur Einfuehrung der
D-Modelle wurden zahlreiche A-Versionen mit dem neuen Triebwerk, neuem Radarwarnempfaenger (AN/ALR-67), einem fortschrittlichen Feuerleitradar
(AN/AWG-15F) sowie mit einem digitalen Triebwerksueberwachungssystem ausgestattet. Diese Version wurde urspruenglich als F-14+ (Plus)
bezeichnet, spaeter allerdings als F-14B umbenannt (nicht zu verwechseln mit der geplanten F-14B Super Tomcat). Insgesamt wurden 38 B-Versionen neu gebaut und weitere 32 F-14A auf den B-Standard umgebaut
. Gegenueber der originalen A-Version steigerte sich die Leistung betraechtlich. Der Einsatzradius
vergroesserte sich um 62 Prozent, die Dienstgipfelhoehe wurde in fast einem Drittel der urspruenglichen Zeit
erreicht. Das Wichtigste war aber die Tatsache, dass sich die Piloten nicht mehr um den Anstellwinkel kuemmern mussten und ihren Schubhebel fast nach Belieben betaetigen konnten. Die erste modifizierte F
-14+ flog am 11. Dezember 1987, der erste Neubau hatte seinen Erstflug ein Jahr spaeter, am 14. November 1987.
Die fortschrittlichste Version der Tomcat, die D-Version wurde parallel zur F
-14B entwickelt und verfuegte ueber dasselbe Triebwerk. Allerdings wurde die komplette Avionik digitalisiert (MIL-STD-1553G) und ein modernes Radar
AN/APG-71 anstelle des analogen Hughes AN/APG-9 eingebaut. Weitere Verbesserungen betrafen das ASN-130 INS-System, sowie ein General Electric Infrared Search and Track (IRST) System, welches in einem
laenglichen Behaelter unterhalb der Flugzeugnase befestigt war (der zweite Behaelter beinhaltet ein Television Camera System (TCS). Weiters
wurde in der D-Version der neue Martin Baker Mk.14 Navy Aircrew Common Ejection Seat (NACES) Schleudersitz eingebaut, der einen Ausschuss bei
Geschwindigkeiten von ueber 1000 km/h ermoeglichte. Urspruenglich sollten von dieser modernen Version 127 Maschinen gebaut werden, allerdings verliessen nur 37 neue
Maschinen die Fliessbaender der Grumman Corp. (die letzte Maschine wurde 20. Juli 1992 ausgeliefert). Die
veraenderte politische Lage sowie Budgetkuerzungen waren der Hintergrund dafuer. Fuer das Unternehmen war das Ausbleiben der Auftraege desastroes und fuehrten zur Fusion mit der Northrop Company im Mai
1994. Zusaetzlich zu den 37 Neubauten wurden weitere 14 F-14A auf den D-Standard umgeruestet.
Um der Bedrohung durch neueste sowjetische Technik Herr zu werden (MiG
-29, Su-27) wurden auf Basis der F-14D eine Reihe an Versionen entworfen. Das erste dieser Projekte wurde als Quickstrike bezeichnet und basierte auf dem Gedanken, die Tomcat mit einer erweiterten
Bodenangriffsfaehigekit ála F-15E Strike Eagle auszustatten. Zu diesem Zweck sollte die F-14 ueber zweierlei FLIR-Systeme (FLIR = Forward
Looking Infra Red) verfuegen, eines zur Zielfindung, das andere zur Zielmarkierung. Ausserdem sollte die Moeglichkeit zum Mitfuehren modernster Luft-Bodenlenkwaffen (wie z.B. der AGM-84 Harpoon, AGM-85
Maverick, etc.) geschaffen werden. Das naechste Projekt wurde als Tomcat 21 bezeichnet und verfuegte neben den Avionic-Upgrades der Quickstrike
ausserdem ueber Modifikationen des Flugwerkes um mehr internen Kraftstoff aufzunehmen zu koennen..
Noch weiter ging man bei der Attack Super Tomcat 21 (ASF-14). Dabei sollte auch eine modifizierte Version des F110 - Triebwerks (General Electric F110-GE-129) zum Einsatz kommen, welches die Supercruise
Faehigkeit der F-14 (Erzielung hoher Machzahlen ohne Verwendung des Nachbrenners) erheblich verbessern sollte. Auch eine Schub-/Vektorsteuerung war angedacht. All diese Projekte kamen ueber das
Zeichenbrettstadium nicht hinaus. Gerade wegen des grossen Potentials, welches die Grumman F-14 besass, ist es mehr als fraglich, ob die Entscheidung zu Gunsten der F/A-18 E/F/G Super Hornet die
kostenguenstigste und technisch die Beste war.
Obwohl die F-14 den Vietnamkrieg miterlebte, musste sie bis zu ihrem
ersten scharfen Einsatz noch einige Jahre warten. Als Anfang der 80er-Jahre die Spannungen zwischen den USA und der Libyschen Volksrepublik
zunahmen, kam es in der Grossen Syrte (Golf von Sidra) zur Eskalation. Dieses Seegebiet wurde 1973 einseitig von der libyschen Fuehrung unter
Oberst Ghadaffi zum libyschen Hoheitsgebiet erklaert. Dies wurde international nicht anerkannt, da laut einem UN-Seerechtsabkommen vom
10. Dezember 1982 einem Kuestenstaat eine Hoheitszone von lediglich 12 Seemeilen zustand. Bis dato erstreckte sich das (anerkannte) Hoheitsgebiet eines Kuestenstaates auf 3 Meilen. Um der sogenannten
“Freiheit der Meere” Nachdruck zu verleihen, verlegte die US Navy im August 1981 zwei ihrer Traeger, die USS Forrestal (CV-59) sowie die USS “Nimitz” (CVN-68) in diesen
Seeraum um Manoever abzuhalten. Dabei kam es am 19. August zu einem Zwischenfall in dem eine CAP
(Combat Air Patrol) von der VF-41 “Black Aces” von zwei libyschen Suchoi Su-22 (NATO-Code: FITTER)
angegriffen wurden. Beide Suchois wurden innerhalb klurzer Zeit ausmanoevriert und mit jeweils einer AIM-9L Sidewinder abgeschossen.
Dieser Vorfall zeigte nicht nur die Ueberlegenheit der F-14 Tomcat
(zugegebenermassen muss darauf hingewiesen werden, dass die Su-22 zwar ein durchaus faehiger Jagdbomber ist, aber nie ein ernsthafter Gegner
fuer eine Grumman F-14 darstellte ), sondern war auch der Beginn einer neuen Art von Krieg. Das amerikanische Engagement gegen den libyschen
Revolutionsfuehrer Muammar Ghaddafi sowie dessen Verstrickung in Terroranschlaege waren Vorboten dessen, was man heute als “War on
Terror” bezeichnet. Die Traegerverbaende der US Navy mit ihren Grumman F-14 Tomcat waren der “Big Stick” der Amerikaner. Bereits wenige Jahre
spaeter, im Oktober 1985 fingen Tomcats eine Aegyptische Verkehrsmaschine (Boeing 737) ab, welche die Kidnapper der ACHILLE
LAURO Entfuehrung an Bord hatten, und zwangen diese in Sizilien zu landen. In den folgenden Jahren kam
es immer wieder zu Zwischenfaellen mit Libyen, welche am 04. Januar 1989 eskalierten, wobei zwei libysche MiG-23 (NATO-Code: FLOGGER) abgeschossen wurden. Diese Abschuesse wurden von zwei Maschinen der
VF-32 “Swordsman” von der USS Kennedy erzielt
Der erste Golfkrieg 1990/91 war fuer die F-14 Tomcat und ihre Crews nicht
ganz so glorreich. Ihre Aufgabe bestand im Schutz der Flotte, aber auch in der Aufklaerung. Obwohl man von massiven Angriffen der Iraker auf die
Schiffe und Flugzuegtraeger der US Navy und ihren Verbuendeten ausging, fanden diese niemals statt. Aufklaerungsmissionen ware daher umso
gefaehrlicher. Insgesamt flogen die 99 im Golfkrieg eingesetzten Tomcats (auf fuenf verschiedenen Traegern) 4182 Einsaetze. Den einzigen Abschuss
einer feindlichen Maschine erzielte eine F-14A der VF-1 “Wolfpack” (USS Ranger) am 6. Februar 1991, als eine irakischer Mil Mi-8 (NATO-Code: Hip)
abgeschossen wurde. Leider verlor die US Navy eine ihrer Tomcats im Golfkrieg durch Bodenfeuer. Eine F-14B der VF-103 “Jolly Rogers” wurde am
21. Januar 1991 ueber feindlichen Territorium abgeschossen. Beide Crewmitglieder konnten sich mit dem Fallschirm retten, wobei einer in Irakische Gefangenschaft geriet und der andere durch eigene Truppen
gerettet wurde.
Vielen ist die Tatsache, dass der Iran der einzige Exportkunde der
Grumman F-14 Tomcat ist, unbekannt. Tatsaechlich hat der ehemalige Iranische Herrscher, Shah Reza Pahlewi 80 Tomcats geordert, um seine Luftwaffe mit dem damals modernsten zur Verfuegung stehenden
Waffensystem auszustatten. Hauptgrund fuer die Beschaffung der Tomcat war die staendige Luftraumverletzung durch Sowietische Mikoyan &
Gurevich MiG-25 “Foxbat”. Ganze 79 Maschinen wurden bis zur Iranischen Revolution in den Jahren 1978/79 ausgeliefert, von den bestellten 714 AIM
-54A Phoenix Lenkwaffen konnten allerdings nur 284 geliefert werden, bevor ein Handelsembargo den Iran von der Versorgung mit Ersatzteilen
abschnitt. In den ersten Jahren nach der Gruendung der Islamischen Republik Iran war die Versorgungslage der bestehenden Flotte dermassen schlecht, dass nur wenige
Maschinen einsatzklar waren. Dies verbesserte sich zwar im Laufe der Zeit durch den Aufbau einer eigenen
Luftfahrtindustrie aber auch durch Ersatzteillieferungen ueber geheime Kanaele, unter anderem sogar von
den Israelis und den USA (Iran-Contra Affaere). Im I. Golkrieg (Konflikt mit dem Irak, 1980 - 88) traten die F
-14 haeufig als AWACS-Ersatz dank ihres leistungsfaehigen Radarsystems auf. Abschuesse irakischer Maschinen sind ebenfalls bestaetigt, auch wenn ueber deren Anzahl unterschiedliche Quellenangaben
existieren. Zur Zeit sollen unbestaetigten Angaben zu Folge noch 50+ F-14A Tomcats in Iranischen Diensten einsatzbereit sein.
TRIEBWERK:
Der Betrieb dieses Hochleistungskampfflugzeuges verlief nicht immer
reibungslos. Gerade das TF-30 Triebwerk gab staendig Anlass zu Beschwerden. Kompressorstalls, kurze Lebensdauer und schlechte Wartungszugaenglichkeit waren Aergernisse, die erst durch die neuen
General Electric F110-GE-400 Turbofan Triebwerke geloest wurden. Etatkuerzungen im Verteidigungshaushalt machten es aber unmoeglich, alle
Tomcats auf das schubstaerkere Triebwerk (102,75 kN im Gegensatz zu 93 kN des TF-30 ) umzuruesten. Gerade mal 46 F-14As konnten auf den B-
Standard umgebaut werden, weitere 38 wurden neu gebaut. Hinzu kamen noch 37 D-Versionen plus 18 auf D-Standard umgebaute F-14As, welche mit
dem leistungsfaehigen digitalen Hughes AN/APG-71 Radar-/Feuerleitsystem (ersetzte das analoge AWG-9), Nachtsichtgeraeten (NVGs), einem Infrarot Search and Track Set, einem ALR
-67 Radarwarnempfaenger, einem digitalisierten Cockpit mit LCD - Displays und mit neuen Zero/Zero Schleudersitzen der Type NACES ausgestattet wurden. Anfang 1999 waren noch 107 F-14As, 76 F-14Bs und
46 F-14Ds im aktiven Einsatz. Hinzu kamen nochmal 9 Tomcats unterschiedlicher Versionen fuer Testzwecke.
Insgesamt wurden von der Grumman F-14A 557 Einheiten fuer die US Navy gebaut , plus 80 fuer den Iran.
WAFFENTECHNIK:
Die Hauptbewaffnung der F-14 Tomcat bestand urspruenglich aus 6 Hughes
(spaeter Raytheon) AIM-54 Phoenix Lenkwaffen. Dieser Langstreckenflugkoerper beass eine Laenge von 3,96m und einem Gewicht von 454 - 472 kg (je nach Ausfuehrung). Die Einsatzreichweite dieser Waffe
wird mit ueber 180 km angegeben. Die Phoenix besitzt ein bordeigenes Radar, welches fuer den Endanflug an das Ziel aufgeschalten wird. In
Verbindung mit dem dafuer eigens entworfenen AN/AWG-9 Puls-Doppler Radar, sowie dem AN/AWG-15 Feuerleitsystem ist die Phoenix eine toedliche Langstreckenrakete. Alle sechs mitgefuehrten Phoenix (die
Standardkonfiguration war allerdings aufgrund des hohen Gewichts der Rakete auf vier Stueck begrenzt) konnten gleichzeitig mit unterschiedlichen
Zieldaten versorgt und abgeschossen werden. Der Sprengkopf der Phoenix wog knapp ueber 60 kg und bestand aus hochexplosivem Sprengstoff mit Naeherungs- und Aufschlagzuender. Mit einer Geschwindigkeit
von knapp Mach 5 war die Phoenix in der Lage neben Flugzeugen auch Marschflugkoerper und Raketen abzufangen.
Neben den erwaehnten AIM-54 Phoenix Langstreckenraketen trug die F
-Fourteen auch noch 2 AIM-9 Sidewinder Raketen (mit Infrarotsuchkopf) fuer kurze Entfernungen sowie 2 AIM-7 Sparrow mit halbaktiven Radarsuchkopf (Semi-Actice Radar Homing = SARH) fuer mittlere
Entfernungen. Fuer den Nahkampf verfuegte die Tomcat ueber eine 20mm General Electric M61A1 Vulcan Gatling Kanone. Diese Kanone ist die de facto
Standardbewaffnung in US-Flugzeugen, obwohl ihre Durchschlagskraft und Zielgenauigkeit zu wuenschen uebrig laesst. Sie verfuegt ueber eine enorm
hohe theoretische Feuergeschwindigkeit (6000 Schuss/min) und gilt als sehr zuverlaessig. Der urspruengliche Verwendungszweck als reiner
Abfangjaeger wurde in den 90er Jahren immer mehr in Frage gestellt. Um das Einsatzspektrum zu erweitern, wurden 1996 die LANTIRN (Low Altitude Navigation and Targeting
Infrared for Night) Pods der US Air Force an der Tomcat ausprobiert. Damit war die F-14 in der Lage lasergesteuerte Bomben bei jeder Witterung ins Ziel zu bringen. Der erste Einsatz erfolgte 1998 bei der
Operation Desert Fox und war ein voller Erfolg. Es folgten Einsaetze im Kosovo, im Irak sowie in Afghanistan. Damit wurde die F-14 zu einem richtigen Mehrzweckkampfflugzeug.
Im Zuge der Einfuehrung der Boeing F/A-18 E/F wurden die noch
verbleibenden 12 F-14 Squadrons auf die neuen, vergroesserten Super Hornets umgeruestet. Dieser Prozess begann Anfang 2002. Als erstes sollten alle F-14A Squadrons mit den neuen Maschinen um geruestet
werden. Lediglich die wesentlich leistungsfaehigeren F-14B und D-Versionen blieben noch bis 2006 (teilweise) im Einsatz. Obwohl die Grumman F-14 ihrem Nachfolger, der F/A-18 Super Hornet in vielen
Belangen durchaus das Wasser reichen konnte, wurde sie frueher als urspruenglich geplant aus dem Verkehr genommen. Gruende dafuer waren
unter anderem die hohen Instalthaltungskosten im Vergleich zur Boeing. Am 22. September 2006 landete zum letzten Mal eine Grumman F-14
Tomcat auf der NAS Oceana. Einzig die noch erhaltenen Maschinen der Islamic Republic of Iran Air Force
(IRIAF) befinden sich noch im aktiven Dienst. Fuer die weltweit grosse Fangemeinde dieser legendaeren
Maschine bleibt also nur mehr der Weg ins Museum, wenn sie “ihre” Tomcat nochmals sehen wollen. Ein Besuch einer Airbase im Iran ist zur Zeit aus bekannten Gruenden leider nicht durchfuehrbar.
Robert Kysela / CHK6
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