Banner_CHK6_NewLayout04
NavBtn_NewLayout0104
Header_Left_Reports
NavHeader_NewLayout06
Nav_Background_01 Kopie
Nav_Spacer_right
Header_Right_ILA_2010
Header_Upper_ILA2010

RK0610ILA0943_ExibitionVor ueber 100 Jahren fand in Frankfurt am Main die erste Internationale Luftschifffahrt Ausstellung (ILA) statt. Mit Luftschifffahrt hat die ILA 2010 zwar nichts mehr zu tun, trotzdem geht ihre Geschichte auf dieses epochale Event zurueck. Die ausgestellten Fluggeraete sowie der Name moegen sich geaendert haben, das Grundkonzept ist aber immer noch dasselbe: dem Fachpublikum aber auch dem normalen Zuschauer die neuesten Errungenschaften der (Flug-)Technik darzubieten und den teilnehmenden Unternehmen die Moeglichkeit zu bieten, ihre Produkte an den Mann zu bringen. Die ILA findet in der jetzigen Form alle zwei Jahre statt und wird seit 1994 auf dem Flughafen Berlin-Schoenefeld, im Sueden der Bundeshauptstadt veranstaltet. Der enorme Aufschwung des Standortes Deutschland als Dreh- und Angelpunkt der Europaeischen Luft- und Raumfahrt nach der Wiedervereinigung machte auch die ILA zu einer der groessten und wichtigsten Internationalen Luftfahrtmessen. Dies zeigt sich immer mehr in der staendig wachsenden Zahl der Aussteller (1.153 Firmen aus 47 Laendern  - im Vergleich 2008: 1.127Aussteller aus 37 Laendern) sowie in der Gesamtsumme der auf der ILA getaetigten Geschaeftsabschluesse (14 Mrd. Euro).  Damit bewegt sich die ILA in der Liga der ganz grossen Luftfahrtmessen, wie etwa Le Bourget oder auch Farnborough.

RK0610ILA0042_A400MAuf einer Luftfahrtmesse werden stets die neuesten Modelle der Industrie der Oeffentlichkeit vorgefuehrt. Der STAR am Himmel ueber Berlin war diesmal ohne Zweifel der Prototyp des Transportflugzeuges AIRBUS A400M. Die beiden zur Zeit vorhanden Maschinen haben zusammen gerade mal etwas ueber 250 Flugstunden ihrer Erprobungsphase hinter sich, deshalb war es schon ungewoehnlich, dass dieses Muster bereits auf der ILA 2010 praesentiert wurde. Dies hat aber vor allem politische Hintergruende. Der MilitAIRBUS, wie er auch scherzhaft genannt wird, hinkt seinem Zeitplan erheblich hinterher. Enorme technische Probleme liessen nicht nur die Kosten explodieren, sondern sorgten auch fuer eine (mindestens) dreijaehrige Verspaetung bis zur Auslieferung der ersten Serienmaschine (aktueller Stand). Insgesamt liegen 180 Bestellungen fuer den Grossraumtransporter vor (allein die Deutsche Bundeswehr hat 60 Maschinen geordert, welche die voellig veralteten und fuer den globalen Einsatz unzureichenden C-160 Transall abloesen sollen). Ob nach dem neuesten Sparpaket der Bundesregierung (betrifft in grossem Umfang neben den sozial Unterprivilegierten auch wieder einmal die Streitkraefte) diese Order aufrechterhalten werden kann, ist im Moment allerdings recht unwahrscheinlich.

RK0610ILA0087_A400MDer knapp 4 Stunden dauernde Erstflug des A400M fand am 11. Dezember im Spanischen Sevilla statt. Zu den Erstkunden zaehlen neben Deutschland auch noch, Spanien, Frankreich, Belgien, die Tuerkei sowie Grossbritannien. Auftrage aus Suedafrika sowie aus Malaysia wurden in der Zwischenzeit wieder storniert, bzw. erst gar nicht unterzeichnet. Die Leistungsfaehigkeit des A400M ist (zumindest auf dem Papier) enorm. Die maximale Nutzlast soll bei 37 t liegen (zum Vergleich: Boeing C-17 Globemaster III: 77 t;  Lockheed C-130J Hercules: 21,6 t). Mit voller Beladung soll der A400M immer noch 3.300 km weit fliegen koennen, dies ist im Vergleich zu einer An -124 oder auch zur C-17 nicht wirklich ueberragend, aber im Gegensatz zu den genannten Strategischen Grossraumtransportern verbindet der A400M das strategische Konzept mit der taktischen Komponente und zielt damit vielmehr auf die Klasse der C-130 Hercules. Ausgestattet mit 4 x Europrop International (EPI) TP400-D6  Propellerturbinen (Europrop ist ein Konsortium bestehend aus den Firmen Rolls Royce, MTU, Snecma Moteurs sowie ITP) mit der enormen Leistung von jeweils 11.000 WPS erreicht der A400M eine Maximalgeschwindigkeit von 750 km/h.

RK0610ILA0640_A400MDas gesamte Projekt stand sehr lange wegen der oben genannten Probleme und der enorm gestiegenen Kosten auf der Kippe. Gerade deshalb war eine erfolgreiche Vorfuehrung des A400M auf der ILA eine deutlicher Wink der Industrie, im Speziellen von EADS, um der Oeffentlichkeit wie auch der Politik zu zeigen, dass das Europaeische Transportflugzeug der Zukunft existiert und konkrete Formen annimmt. Bei der Flugvorfuehrung wurden Fluglagen von bis zu 120° gezeigt, das Ganze mit 22 t an Sensorik und Testinstrumenten an Bord. Leider blieb der A400M nur bis zum Mittwoch, sodass ihn nur Fachbesucher an den ersten beiden Tagen zu Gesicht bekamen. Viele Besucher äusserten an den Publikumstagen ihren Unmut, dass mit dem A400M geworben wurde und dieser dann doch nicht vor Ort war. Besonders veraergert war man ueber sogenannte Live-Stream Berichte eines bekannten Nachrichtensender vom Freitag, in dem immer wieder die Vorfuehrung des A400M zu sehen war, obwohl dieser zu dem Zeitpunkt Berlin schon lange verlassen hatte. Diese Form von (irrefuehrender) Werbung kann nicht im Sinne der Organisatoren der ILA sein.

RK0610ILA1260_A380Bei den Zivilflugzeugen dominierte natuerlich das groesste Verkehrsflugzeug aller Zeiten, der Airbus A380-800. Waren an den ersten beiden Tagen (Dienstag und Mittwoch) ein A380 der Fluglinie EMIRATES zu Gast, so konnte man ab Donnerstag Abend den Prototypen des A380 auch im Flugprogramm bewundern. Dabei wurde auch zugleich ein riesiger Auftrag ueber 32 Maschinen dieses Typs durch den Kunden EMIRATES abgeschlossen. Diese Airline verfuegt bereits ueber eine geplante Flotte von 58 Maschinen (bis dato wurden gerade mal 10 Maschines dieses Typs an EMIRATES ausgeliefert). Somit ist die EMIRATES, mit ihrem Hauptsitz in Dubai, der groesste Kunde dieses Riesenvogels. Auch die Deutsche Lufthansa hat ihre ersten von insgesamt 15 bestellten A380 mittlerweile in den Dienst gestellt. Der Premierenflug der DHL A380 ging am 4. Juni 2010 nach Suedafrika – so stilvoll brachte man die Deutsche Fussballnationalmannschaft nach Johannesburg.
Neben dem Riesenauftrag von EMIRATES gingen ein paar nicht weniger wichtige Auftraege fast unter. Die Fluglinie GERMANIA unterzeichnete ein Memorandum of Understanding ueber 5 AIRBUS A319 und leitete damit einen Typenwechsel von ihrer bisherigen Boeing 737 Flotte auf den Mitbewerber AIRBUS ein. Auch FINNAIR unterzeichnete eine Vorvertrag ueber die Beschaffung von fuenf Maschinen des Typs A321.

RK0610ILA1473_EF2000Grosse Vertraege wurden bei den Militaermaschinen diesmal nicht geschlossen. Die Vorfuehrung der Bundeswehr beinhaltete die obligatorische Evakuierungsuebung. Leider musste die Zuschauer aus Platzgruenden wieder einmal auf den Start und die Landung der Luftwaffenmaschinen in Berlin-Schoenefeld verzichten. Auch das Solodisplay des Eurofighter EF-2000 wurde wie gehabt von Laage aus geflogen. Dafuer war die Bodenausstellung der Bundeswehr umso umfangreicher und wurde vom Publikum mit grosser Begeisterung wahrgenommen. Ein Novum ging leider ein wenig unter, oder wurde fuer unseren Geschmack etwas unterrepraesentiert. Gemeint ist die Vorfuehrung des Airbus A310 MRTT. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesluftwaffe verfuegt diese mit dem 310er ueber ein eigenes Tankflugzeug. Vier Maschinen sind geordert und verleihen der Luftwaffe damit nicht nur eine (fast unbegrenzte ) Reichweite sondern vor allem auch eine Unabhaengigkeit von ihren Buendnispartnern. Bei den A310-MRTT handelt es sich um umgebaute ex-Lufthansa Maschinen, welche auch vertraglich von der Lufthansa Technik AG gewartet und betreut werden. Die Kanadische Luftwaffe hat ebenfalls 2 Maschinen dieses Typs bestellt, welche unter der Bezeichnung CC-150T POLARIS bei den Canadian Forces im Einsatz sind.

RK0610ILA0410_Auf der ILA ist der Anteil der Traditionsflugzeuge (politisch korrekter Sammelbegriff fuer Oldtimer und Warbirds) stets sehr hoch gewesen. Zum 100-jaehrigen Bestehen der aeltesten Luftfahrtmesse der Welt wollte man da natuerlich keine Ausnahme machen. Leider konnte man aber diesmal das gesteckte Ziel nur bedingt erreichen. Natuerlich war die Messerschmitt Stiftung wieder mit einer ihrer Me-109G praesent, auch flog der Nachbau der Me-262. Nur war deren Flugvorfuehrung einfach nur langweilig (einmal natuerlich aufgrund der Tatsache, dass man mit diesen wertvollen Maschinen besonders sorgsam umgeht, aber zum anderen auch wegen der mittlerweile voellig ueberzogenen Sicherheitsbestimmung fuer Flugtage in Deutschland). In jedem Jahr wird die Mindestflughoehe heraufgesetzt, der Abstand zu den Zuschauern noch mehr vergroessert. Zusaetzlich laesst man diese Maschinen auch noch in der Mitte der Startbahn zum Take-off anrollen, sodass die Maschinen erst ausser Sichtweite des Zuschauers in der Luft sind. Liebe Organisatoren, liebe Messerschmitt Stiftung: den Sprit fuer so ein Flugprogramm koennt ihr euch wirklich sparen! So schoen es ist, einen 12 Zylinder DB 605 mit 1475 PS zu hoeren, so deprimierend ist es auch, diese grandiosen Maschinen mit einer Lupe am Himmel suchen zu muessen. Das Gleiche gilt auch fuer eine an und fuer sich wunderschoen restaurierte Sea Fury, oder die Lockheed P-38 Lightning der Flying Bulls, um nur einige zu nennen. Lediglich die grossen Maschinen der Flying Bulls, die Douglas DC-6 oder die North American B-25J Mitchell konnte man einigermassen schoen sehen, bzw. fotografieren.
Jetzt werden natuerlich gleich wieder alle Bedenkentraeger und Sicherheitsfanatiker auf den Plan gerufen. Ich moechte aber zu bedenken geben, dass es anscheinend sicherheitstechnisch absolut bedenkenlos ist, mit einem Transportflugzeug Rollen und Loopings zu fliegen (Italienische Alenia C-27J SPARTAN), oder ein riesiges Verkehrsflugzeug eine extrem enge und langsam geflogene Kurve direkt ueber den Terminals der Abflughalle von Berlin-Schoenefeld fliegen zu lassen. Unfaelle zu verhindern ist das oberste Gebot auf Airshows – keine Frage. Wenn man die Flugzeuge aber nur mehr in grosser Entfernung zu sehen bekommt, kann man sich den Besuch einer solchen Veranstaltung in Zukunft auch sparen!

RK0610ILA0706_Do228NGDie ILA sucht sich fuer jede Messe ein anderes Partnerland. War es beim letzten Mal (2008) Indien und davor (2006) Russland so ist es 2010 die Schweiz. Die kleine Alpenrepublik hat schon seit langem eine leistungsfaehige, eigenstaendige Flugzeugindustrie. Neben so bekannten Unternehmen, wie etwa die Firma PILATUS, ist in der letzten Zeit auch das erst 1999 gegruendete Staatsunternehmen RUAG Holding AG in Berlin vertreten. Diese Firma arbeitet heute sehr eng mit der EADS Gruppe zusammen. Ein weitreichender Vertrag ueber eine enge Zusammenarbeit auf dem Ruestungssektor und der damit verbundenen Hochtechnologie wurde auf der ILA 2010 unterzeichnet. Damit hat sich EADS einen wichtigen Verbuendeten mit ins Boot geholt. Die Schweiz sucht zur Zeit einen Ersatz fuer ihre Northrop F-5E TIGER II Kampfflugzeuge.  EADS sowie ihr neuer Partner RUAG haben durch dieses Abkommen den Eurofighter EF 2000 fuer die Schweizer Luftwaffe lukrativ gemacht. Mit einer Premiere hatte die Firma RUAG auf der ILA 2010 auch aufzuwarten – auch wenn das viele Zuschauer nur am Rande mitbekamen. Die Rede ist von der Neuauflage der Dornier Do-228. Modernisiert und mit einem Digitalen Glasscockpit sowie leistungsfaehigen 5-Blatt Propellern aus Verbundwerkstoffen ausgestattet, wird die als Do-228NG (New Generation) genannte Variante ihren Platz auf dem Weltmarkt behaupten koennen. Die Nachfrage fuer Flugzeuge in ihrer Kategorie ist gross – die Konkurrenz so gut wie nicht vorhanden. Als einer der Hoehepunkte der Schweizer Praesenz auf der ILA waren die Vorfuehrungen der PATROUILLE SUISSE sowie das Solodisplay einer Boeing F/A-18 C HORNET der Fliegerstaffel 11.

FAZIT:   Die ILA ist 100 Jahre alt! Mit fast 300 Fluggeraeten feierte man dieses Jubilaeum gebuehrend. Auch wenn das Wetter wieder einmal nur an den Fachbesuchertagen einigermassen zum Feiern einlud und die Qualitaet des Flugprogramms nicht das Niveau vergangener Veranstaltungen erreichte, so war es doch DAS Grossereignis in Deutschland - aus luftfahrttechnischer Sicht. Die naechste ILA ist auch schon geplant – am 12 – 17. Juni 2012 findet das Event wieder auf dem Gelaende des in der Zwischenzeit (hoffentlich) fertigen Grossflughafen Berlin-Brandenburg–International statt. Dann gehoeren ,zumindest laut Aussage der Verantwortlichen,  die staendigen Unterbrechungen durch den regulaeren Flugverkehr der Vergangenheit an ? Damit ist die Standortfrage ueber die zukuenftigen Luftfahrtmessen in Deutschland erst einmal vom Tisch. Freuen wir uns also auf die naechsten 100 Jahre!

Robert Kysela / CHK 6

Header_Lower_Back
Footer_0103

Impressum
Team CHK 6
Vorwort

languages
Release 4.1/2011