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ChS10Kesc005_Das „Hungarian International Airshow and Military Display“ ist eine zweitaegige Veranstaltung, die alle zwei Jahre auf der Air Force Base von Kecskemét stattfindet. Kecskemét liegt im Zentrum Ungarns und ist Veranstaltungsort der groessten Airshow Mitteleuropas, die mittlerweile auch zu den Top fuenf Shows ganz Europas zaehlt. In seiner Rolle als militaerischer Stuetzpunkt ist Kecskemét weiters Heimat des 59. "Szentgyoergyi Dezsoe" Tactical Wing, welche Saab JAS-39 "GRIPEN" und MiG-29 "FULCRUM" betreibt (zumindest wurden noch einige MiG-29 fuer die Show flugfaehig gehalten). Eine der besonderen Merkmale dieser Show ist, dass es den Veranstaltern jedes Mal auf das Neue gelingt, aussergewoehnliche Gaeste einzuladen, die man auf anderen Airshows vergeblich sucht. Speziell wenn man die diejaehrige Airshowsaison in Grossbritannien als Vergleich heranzieht, koennte man zum Schluss kommen, dass einige Flugzeugtypen gar nicht mehr existieren, da sie schlichtweg auf allen Shows fehlten.

ChS10Kesc021_mDie erste Attraktion am Samstag war ein Display einer Mil Mi-24 "HIND" - ein unverwechselbares Fluggeraet aus nahezu jedem Winkel. Fuer ihre Groesse ausgesprochen kunstvoll vorgefuehrt und lackiert in einem hervorragend gestaltetem Adler war die Maschine der Magyar Légieroe - der ungarischen Luftwaffe – ein wahrer Leckerbissen. Die HIND ist eine kampferprobte Konstruktion, die erstmals im Jahr 1978 in aethiopischen Diensten gegen die eindringenden somalischen Bodentruppen im Kampfgeschehen zu sehen war. Am vielleicht besten in Erinnerung ist sie jedoch in ihrer Rolle im Krieg der Sowjetunion gegen Afghanistan. Zunaechst hat sich das Konzept eines Kampfhubschraubers mit beschraenkter Faehigkeit Truppen zu transportieren als sehr erfolgreich erwiesen, da es nur vereinzelte Abschuesse durch die gegnerischen Mudschaheddin gab. Allerdings hat die Einfuehrung von bodengestuetzten Lenkwaffen westlicher Bauart (Stinger-Raketen) der HIND auf dem Schlachtfeld stark zugesetzt und viele gingen in der Folge verloren. Die HIND entstammt einem Design, dessen erster Entwurf bis zu 40 Jahre zurueckreicht. Dennoch wird allgemein berichtet, dass etliche Luftstreitkraefte (vor allem in Osteuropa) auf modernere und zum Teil auch unerprobten Kampfhubschrauberplattformen verzichten, um lieber in dieses noch immer maechtige Waffensystem zu investieren, welches mittelfristig sicher die kostenguenstigere Variante darstellt.

SF10Kesc007_TeamIskrymn Kecskemét gab es auch eine bemerkenswerte Anzahl an Display Teams zu sehen, unter anderem  die "TUERK YILDIZLARI" – besser bekannt als die "TURKISH STARS", die "BIALO-CZERWONE ISKRY" – das "TEAM ISKRY" aus Polen, die "PATROUILLE SUISSE", die "FRECCE TRICOLORI", das "BREITLING JET TEAM" und die "KRILA OLUJE" - "WINGS OF STORM" aus Kroatien. Bei einer so vielfaeltigen Ansammlung an Flugzeugtypen, Team-Groessen und Farben war für jeden Geschmack etwas dabei und so wurden alle Teams mit grosser Anerkennung  vom begeisterten Publikum bejubelt. Es soll keine Respektlosigkeit gegenueber den anderen Teams sein, jedoch soll ein Team besondere Erwaehnung finden, dass vor allem fuer seine Eleganz, Geschicklichkeit, Praezision und Professionalitaet bekannt ist: offiziell als 313. Gruppo Addestramento Acrobatico; Pattuglia Acrobatica Nazionale (PAN) Frecce Tricolori bezeichnet, oder von seinen vielen Fans auf der ganzen Welt  einfach nur FRECCE TRICOLORI genannt, feiert dieses Team in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag. Im Gegensatz zu der Aermacchi MB-339-A/PAN, einer speziellen Variante dieses maessig erfolgreichen Trainers und leichten Kampfflugzeuges aus italienischer Produktion, fliegt das kroatische „Air Force and Air Defence Display Team“ mit insgesamt sechs Pilatus PC-9M. In einigen Punkten unterscheiden sich die "KRILA OLUJE" - "WINGS OF STORM" von der Mehrheit der spezialisierten Kunstflugstaffeln: Zum Beispiel sind ihre Flugzeuge Standardtrainingsflugzeuge vom 93. Luftwaffenstuetzpunkt in Zemunik und ihre Piloten sind im Alltag in erster Linie Fluglehrer, waehrend die Vorfuehrungen auf Airshows nur ihr Zweitjob sind! Angesichts dieser Tatsachen und unter Beruecksichtigung der engen Abstaende (ca. 2m waehrend einiger Formationen) und minimalen Hoehen waehrend einiger Manoever, zeigt dieses Team dem Publikum eine Vorfuehrung, die deutlich ueber ihre Alltagsaufgaben hinausgeht.

ChS10Kesc117_mFuer Luftfahrtenthusiasten und die breite Oeffentlichkeit gleichermassen gibt es keinen Zweifel ueber den Reiz eines schnellen Jets, ganz egal ob als ein- oder zweistrahliger Jaeger oder Erdkampfflugzeug konzipiert, um Luftueberlegenheit zu schaffen oder unter ihr betrieben zu werden - die meisten ihrer Art sind von Natur aus laut und aggressiv und werden von der Elite der jeweiligen Luftstreitkraefte geflogen und eines kann man sich sicher sein: Kecskemét 2010 lieferte all das, was von den Zuschauern gewuenscht wurde. Das vielleicht bemerkenswerteste Display des Tages wurde von der Dassault RAFALE C geliefert, die unter Einsatz gleichbleibend hoher g-Manoever und einem kurzem Live-Kommentar aus dem Cockpit dem Publikums keinen Zweifel über die extremen Belastungen des Piloten waehrend der gesamten Vorfuehrung aufkommen liess. Die RAFALE ist Dassaults Loesung fuer die 4+ Generation am Kampfflugzeugmarkt, die zustande kam, als Frankreich die Entscheidung traf, nicht als Mitglied des Programms, das zum Eurofighter "TYPHOON" fuehrte, teilzunehmen. Da sich ihre Absichten, ein flugzeugtraegerfaehiges System zu entwickeln und eine leitende Fuehrungsrolle innerhalb dieses europaeischen Projekts einzunehmen, nicht verwirklichen liessen, ging man bei der Entwicklung zu einem nationalen Alleingang ueber.

SF10Kesc044_RafalemDie RAFALE weist das typische Deltafluegel Konzept früherer Dassault Entwuerfe auf und verfuegt durch zusaetzliche Canards ueber ein Maximum an Wendigkeit. Der Entwicklungsstand von Radar und den Eingabesystemen fuer den Piloten gilt in Expertenkreisen als hoechst fortschrittlich. Dennoch erfuellt die RAFALE die Rolle als ein erfolgreiches Produktes fue die Firma AMD bisher keineswegs. Hatte man beim umfangreichen Testprogramm, dem ein modernes Kampfflugzeug unterzogen wird, noch einen Entwicklungsvorsprung von drei Jahren gegenueber seinem europaeischen Kontrahenten Eurofighter "TYPHOON", so sieht es aktuell in Bezug auf Exportauftraege deutlich schlechter aus. Mit der aktuellen wirtschaftlichen Situation weltweit, wird in vielen Ländern (mit einem dringenden Bedarf aeltere Waffensysteme zu ersetzen), vielmehr nach Upgrade-Loesungen oder im kostenguenstigen unterem Segment des Flugzeugsmarktes gesucht. Im Vergleich zur JAS-39 "GRIPEN", die schon im Dienst bei drei Exportkunden steht und bald auch von der Royal Thai Air Force betrieben wird, kann die RAFALE noch keine fixen Auftraege ausserhalb Frankreichs vorweisen. In einer Welt, wo politische Seilschaften oft mehr Gewicht haben als militaerische Notwendigkeiten, kann es sein, dass die RAFALE nie ihr wahres Potential in Bezug auf Exportauftraege erreichen wird, und das, obwohl sie ein exzellentes Kampfflugzeug ist.

SF10Kesc010_MiG21mUm das Flugprogramm mit schnellen Jets fortzusetzen, sind vor allem die Saab JAS-39 GRIPEN des ungarischen "Puma" Geschwaders hervorzuheben. Sie zeigten die uebliche Art an Displays fuer dieses leichte Kampfflugzeug. Mit einer Anzahl an agilen Turns, rasanten Steigleistungsmanoevern und schnellen Vorbeifluegen konnte man sehen, warum gegnerische Jaeger bei der Sichtung dieses kleinen Jets im Rahmen von Nahkampfsituationen oft grosse Schwierigkeiten haben. Neben Boeing F/A-18's  aus der Schweiz und Spanien kamen wir zu unserer ueblichen Dosis an Lockheed Martin F-16AM Zauber, gezeigt von den Streitkraeften aus den Niederlanden und Belgien. Vielleicht lohnt es sich hier einmal auf die Zukunft von Airshows aus der Sicht von den Enthusiasten zu zeigen. Die Lockheed Martin F-16 „FIGHTING FALCON“ kann man ueber den europaeischen Luftraum seit mehr als dreissig Jahren sehen und so gibt es einige, die bei einer Vorfuehrung dieses Jets schon mit der Nase ruempfen - aber vielleicht sollten wir an dieser Stelle an Namen wie JAGUAR, SEA HARRIER, CANBERRA und F-117 denken, die uns vor nicht allzu langer Zeit auf Airshows um die Ohren flogen und nun bereits Geschichte sind? Wenn wir uns die Flugzeugtypen vor Augen fuehren, die in Kecskemét flogen und in vielleicht nicht einmal mehr fuenf Jahren ausser Dienst gestellt sein werden, so sind die ersten Kandidaten dafuer: Mirage F1M aus Spanien, MiG-21UM LANCER B aus Rumaenien, MiG-29AS aus der Slowakei und MiG-29B aus Ungarn. Die Botschaft an den Enthusiasten ist klar – jede Moeglichkeit nutzen, wo man diese Maschinen noch sehen kann! Natuerlich, die Mehrheit der Zuschauer wuerdigt die Flugzeuge unabhaengig von ihrer Herkunft, unabhaengig von ihrem Sub-Typ und so weiter, aber der Liebhaber erkennt, dass viele interessante Maschinen nicht mehr lange fliegen werden.

ChS10Kesc028_mSoweit haben die Organisatoren eine wahre Show der Extraklasse geliefert - die Flugvorfuehrungen waren fantastisch, und vor allem war bemerkenswert, dass trotz zeitweise schlechtem Wetter, nicht, wie so oft, die am sehnsuechtigsten erwarteten Fluggeraete ausgerechnet bei den schlechtesten Wetterbedingungen ihren Slot bekamen. Vielmehr wurde auf gute Wetterbedingungen gewartet, und dabei der Programmablauf derart zeitoptimiert, indem die aktuelle Vorfuehrmaschine an dem einen Ende der Piste bereit zum Start war, waehrend der Vorgaenger gerade von dem anderen Ende dieser Piste drehte! Die statische Schau zeigte ein aeusserst willkommenes Paar an israelischen Lockheed Martin F-16I SUFA in Begleitung einer Lockheed C-130H HERCULES, historische MiGs und Mils in Huelle und Fuelle, und ein paar wenige Sukhois. Fuer die Fotografen unter uns mag es zum Teil recht enttaeuschend gewesen sein, zu sehen, dass die meisten Flugzeugkanzeln fuer das breite Publikum geoeffnet wurden, um in deren Cockpits zu steigen.

ChS10Kesc043_mDen Hoehepunkt der Show stellte das simulierte Eindringen feindlicher Flugzeugen in einem befriedeten Luftraum dar - in diesem Fall eine Rotte ungarischer Mikoyan MiG-29. Die Aggressoren wollten zwei HIND das Leben ziemlich ungemuetlich machen und prompt wurden sie dafuer von vier ungarischen Saab GRIPEN bestraft. Der Beobachter konnte jedoch fuehlen, dass die aelteren MiGs nicht ihre wahren Faehigkeiten zeigen durften, da ja alles Alte schlechter sein muss als das Neue durch das es ersetzt werden soll! Insbesondere die Verwendung von Flares kannte in dieser Phase der Vorfuehrungen keine Grenzen und auch die HIND liessen mit Uebungsmunition ihre Kanonen aufblitzen, als sie wiederholt im Tiefflug ueber feindliche Stellungen surrten.

FAZIT: - Eine unterhaltsame und kurzweilige Veranstaltung fuer die breite Oeffentlichkeit - kein Zweifel. Auch fuer den Enthusiasten wurde eine gewaltige Mischung an Flugzeugen geboten, die auf jedem Fall fuer die weite Anreise nach Kecskemét entschaedigte. Dies alles war in einer sehr sympathischen Art und Weise organisiert. Natuerlich, waere der Anblick der ukrainischen Sukhoi Su-27 FLANKER im Flug das Sahnehaeubchen gewesen, aber keine Airshow hat jemals alles, und so war es fuer uns die beste militaerische Flugschau im Jahr 2010. Eine wirklich gelungene Arbeit des ungarischen Verteidigungsministeriums – bei der naechsten Veranstaltung sind wir sicher wieder mit dabei.

Scott Fellows / CHK 6 UK

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