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Die Suche nach dem ULTIMATIVEN KICK – dieser gefluegelte Satz hat in
unserer Gesellschaft mittlerweile einen festen Platz eingenommen. Immer mehr Menschen suchen nicht nur das Extreme, sie sind auch bereit, dafuer (viel) Geld auszugeben. Neue Extremsportarten werden ausprobiert und
finden ihre Anhaenger. Wer konnte sich vor 20 Jahren schon vorstellen, dass jemand in Nicht-suizider Absicht von einem Hochhaus springt? Dass dies (Gott sei Dank) einigen wenigen Extremsportlern vorbehalten ist,
aendert nichts an der Tatsache, dass auch normale Menschen gerne einmal den vielgepriesenen Adrenalinstoss verspueren moechten. Eine Fahrt auf der Achterbahn oder sogar ein Bungee-Sprung erweckt haeufig die Lust auf
mehr. Die Frage ist bloss, was ist noch aufregender als der Sprung von einer Bruecke, gesichert lediglich durch ein Gummiseil? Die Antwort darauf ist relativ einfach: der Flug mit
einem Kampfjet! Hier beginnt aber das eigentliche Problem. Kampfflugzeuge, besonders moderne Jets, sind dem normalen Buerger nicht zugaenglich und lediglich eine kleine elitaere Gruppe, die Kampfpiloten, kann
von sich behaupten, jemals das Gefuehl erlebt zu haben, beim Fliegen einer engen Kurve mit dem Vielfachen der Erdbeschleunigung in den Schleudersitz der Maschine gepresst zu werden.
Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs wurden solche Fluege einer
zahlungskraeftigen Klientel in diversen GUS-Staaten angeboten (und werden es teilweise heute noch). Allerdings war damit ein sehr hoher Aufwand verbunden. Zusaetzlich zu den astronomischen Kosten fuer den
Flug musste man auch noch in das jeweilige Land reisen und dort mindestens ein paar Tage verbringen, nur um dann mal fuer vielleicht ein halbe Stunde in einer MiG oder Sukhoi ein sehr intensives aber doch relativ
kurzes Flugprogramm zu absolvieren. Dies schreckte viele potentielle Freizeit-Kampfpiloten ab. Aus diesen Gruenden hat sich ein junges Schweizer Unternehmen zur Aufgabe gemacht, solche Fluege auch in
Westeuropa anbieten zu koennen. Die Firma MiGFlug & Adventure GmbH bieten ihren Kunden dabei, neben den oben bereits erwaehnten Fluegen in Russland, auch Fluege in
Tschechien und als besondere Sensation, in Deutschland an. Auf dem ehemaligen NVA-Fliegerhorst in Peenemuende hat Mann/Frau die Moeglichkeit in einer Aero L-39 ALBATROS Akrobatikmanoever ueber der
landschaftlich reizvollen Halbinsel Usedom zu ziehen.
Die Aero L-39 ist erst vor kurzem grundueberholt worden und zeigt sich in
ihrer Originallackierung, welche sie bei den NVA LSK/LV getragen hat (sie diente bis 1990 beim Fliegerausbildungsgeschwader FAG-25 in Bautzen).
Auch in Peenemuende waren L-39 stationiert, diese dienten allerdings dem Jagdgeschwader 9 „Heinrich Rau“ als Zieldarsteller. Der Flugplatz in Peenemuende wurde nach der Aufloesung des JG 9 entmilitarisiert und
befindet sich heute in privater Hand. Die meisten Einrichtungen, wie Shelter, Wartungshallen und der Original Tower sind noch vorhanden und bilden
eine unverwechselbare Kulisse fuer den Flug mit der L-39. Ein grosser Vorteil von Peenemuende ist die Tatsache, dass der Luftraum ueber dem Flugfeld und der Nordspitze der Halbinsel Usedom sehr wenig frequentiert
ist, so dass ein ungestoerter Flugbetrieb inklusive diverser Akrobatikmanoever moeglich ist.
Der Ablauf eines Mitfluges ist zwar perfekt organisiert, trotzdem laeuft alles
sehr zwanglos ab. Die Anreise erfolgt jeweils unter eigener Regie (Hilfestellung bei der Reise und der Hotelsuche wird auf Wunsch selbstverstaendlich gewaehrleistet). Treffpunkt ist der Haupteingang des
Peenemuender Flughafens, wo man standesgemaess von einer doppel-sitzigen MiG-21 UM (NATO-Code: MOBGOL) als Gate Guard begruesst wird. Dann trifft man auf den Piloten, der nach einer herzlichen Begruessung den
weiteren Verlauf erlaeutert. Eine kleine Cafeteria sorgt fuer das leibliche Wohl (es ist sehr ratsam vor einem Flug ein, nicht zu ueppiges, aber
normales Fruehstueck zu sich zu nehmen!). Die Vorfreude, aber auch die Anspannung bei den Teilnehmern ist spaetestens hier deutlich spuerbar.
Pavel, so heisst unser Pilot, hat seine Flugausbildung in Russland gemacht
und flog dort unter anderem neben der AERO L-39 auch das Hochleistungs-Kampfflugzeug Mikoyan & Gurevich MiG-29 (NATO-Code: “FULCRUM”). Seit
einigen Jahren lebt er in Deutschland und ist hier als Fluglehrer taetig. Seine freundliche Art, aber vor allem sein netter Humor nimmt dem Teilnehmer nicht nur das, beim einen oder anderen doch noch
aufkommende mulmige Unwohlsein in der Magengegend, sondern gibt einem vor allem das Gefuehl, dass man es mit einem erfahrenen Profi zu tun hat. Nach dem Kennenlernen und einer kurzen Einfuehrung in die
Organisation wird erst einmal die Maschine aus der Flugwerft geholt und auf dem Vorfeld abgestellt.
Danach geht es zum Briefing, wobei der „Flugschueler“ neben der
Sicherheitsbelehrung auf seine Wuensche hin befragt wird. Der eine moechte Loopings und Rollen fliegen, der andere moechte es beim ersten Flug lieber etwas gemaechlicher angehen. Wenn das volle Programm
geflogen wird, werden dabei G-Kraefte bis zum Vierfachen der Erdbeschleunigung erreicht – bei einem untrainierten Kandidaten gehen da schon mal kurz die Lichter aus (durch das Absacken des Blutes im Koerper
entsteht eine kurzfristige Blutarmut im Kopf, welche zu einem sogenannten Blackout fuehrt). Die maximale G-Belastung der L-39 liegt bei +8/-4G, Werte
die selbst einen geuebten Piloten mit angepassten Spezialanzug an die Grenze seiner Belastbarkeit bringen koennen. Solch ein Anti-G Anzug wird
waehrend des Fluges mit Passagier natuerlich nicht getragen. Nach einer Einweisung an der Maschine und dem Preflight - Check geht es dann los.
Nur ein paar hundert Meter braucht die L-39 um sich vom Boden zu loesen. Die 16,87kN Schubkraft der AI-25 TL Turbine erlauben ihr eine maximale Geschwindigkeit von knapp 750 km/h in mittlerer Hoehe.
Nach dem Einfahren des Fahrwerks und dem Erreichen der
Mindestflughoehe von 500 Fuss (ca. 150 Meter) beginnt auch schon das Flugprogramm. Schnelle Ueberfluege mit anschliessendem Hochziehen, Rollen oder sogar Loopings werden zwar im Vorfeld abgesprochen, da der
Pilot aber ueber Intercom mit dem Teilnehmer in Verbindung steht, kann dieser auch waehrend des Fluges den einen oder anderen Wunsch aeussern (oder bei steigender Uebelkeit den noch anstehenden
Immelmann-Turn in eine langgezogene Kurve umwandeln). Die Gesamtdauer des Fluges liegt bei mindestens 15 min und kann je nach der finanziellen Liquiditaet des Teilnehmers erweitert werden. Der gesamte
Flug wird von einer kleinen, im Cockpit installierten Kamera gefilmt. Der Teilnehmer bekommt seinen persoenlichen Flug auf DVD als besondere Erinnerung ausgehaendigt. Da fast
der gesamte Flug in und um den Flugplatz von Peenemuende stattfindet, haben mitreisende Angehoerige auch die Moeglichkeit, Foto- sowie Filmaufnahmen vom Boden aus zu machen. Somit kann man das gesamte
Event fast lueckenlos dokumentieren.
Nach der Landung und den obligatorischen Fotos fuers Familienalbum
(strahlender Crew nach dem Aussteigen vor der Maschine) geht es erst mal wieder in die Cafeteria zum Debriefing. Dort wird dann das Erlebte mit ausladenden Handbewegungen allen Anwesenden (wie nach einen
Einsatzflug ueblich) bis ins kleinste Detail geschildert. Das eigentlich Interessante dabei ist aber weniger das Gesagte, sondern die strahlenden
Augen des/der „Kampfpiloten/in fuer einen Tag“. So ein Strahlen sieht man sonst hoechstens noch bei kleinen Kindern bei der Bescherung zu
Weihnachten. Wenn Sie jetzt also bei ihrem „grossen Kind“ dieses Strahlen sehen wollen, muss man dafuer nicht unbedingt bis zum naechsten Weihnachtsfest warten, oder?
Robert Kysela / CHK6
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