|
Am 29. und 30. Mai fand die mittlerweile vierte Ausgabe der „National Air
Days“ in Piešťany statt. Dabei handelt es sich um die Nachfolgeveranstaltung des ueber viele Jahre so populaeren „Slovak
International Air Display“ – besser bekannt unter dem Kuerzel SIAD, welches bis 2004 im 2-Jahres-Rhythmus am internationalen Flughafen von
Bratislava abgehalten wurde. Bedingt durch das staendig wachsende Flugaufkommen, sah man dort allerdings keine Moeglichkeit mehr, eine
Show dieser Groessenordnung durchzufuehren. Als Ersatz wurde ein etwas kleinerer Ableger, die „National Air Days“ ins Leben gerufen und Piešťany
als deren Veranstaltungsort auserwaehlt. Piešťany liegt etwa 90km nordoestlich der Hauptstadt Brastislava und ist vor allem als Heilkurort
bekannt. Der lokale Flughafen diente frueher als Trainingsbasis fuer die Slowakischen Luftwaffe und ist
aufgrund seines relativ geringen Flugaufkommen ein idealer Standort fuer die Durchfuehrung von Flugveranstaltungen.
Obwohl die Wettervorhersage fuer das gesamte Wochenende nichts Gutes
verhiess (es war Dauerregen angekuendigt) zeigte sich der Wettergott mit den Veranstaltern gnaedig und so sah man am Ende des ersten Showtages
viele gut gelaunte aber sonnenverbrannte Gesichter. Auch am Sonntag, der mehr oder weniger dasselbe Flugprogramm bot, blieb der befuerchtete
Dauerregen vorerst aus, bis am Nachmittag dann doch ein heftiges Gewitter ueber das Gelaende hinwegzog. Das Flugprogramm wurde mit einem Massenueberflug der Slowakischen Luftstreitkraefte eroeffnet.
Angefuehrt von einer Mil Mi-17 „HIP“ folgten drei Mil Mi-24 „HIND“, drei Aero L-39 „ALBATROS“, in den Farben der ehemaligen, nationalen
Kunstflugstaffel „Biele Albatrosy“ sowie drei MiG-29AS „FULCRUM“. Zum Schluss setzte eine Antonov An-26 in grosser Hoehe Fallschirmspringer ab, um nachher noch einmal tief
ueber den Platz zu fliegen.
Das erste Solo Display des Tages bestritt eine slowakische Aero L-39,
welche ebenfalls noch die Lackierung des im Jahre 2004 aufgeloesten „Biele Albatrosy“ Teams trug. Es folgte gleich der erste Hoehepunkt der
Veranstaltung: eine fantastische Demonstration eines italienischen Eurofighter EF-2000 TYPHOON, pilotiert von einem wahren Meister seines
Fachs. Matteo Maurizio, Testpilot bei Alenia Aeronautica, zeigte im Gegensatz zur Oesterreichischen Eurofighter Vorfuehrung, die leider nur
aus zwei Ueberfluegen am Samstag bestand, eines der besten Displays, die es momentan am europaeischen Airshowhimmel zu bestaunen gibt. Die Eurofighter Jagdflugzeug GmbH konnte mit dieser Vorfuehrung auf
eindrucksvolle Art und Weise Anspruch auf die Nachfolge der schon in die Jahre gekommenen MiG-29 Flotte erheben. Als Hauptsponsor praesentierte Alenia Aeronautica weiters die C
-27 „SPARTAN“ in gewohnt spektakulaerer Art und Weise. Erst kuerzlich wurde die „SPARTAN“ von der
Slowakischen Luftwaffe als Nachfolgemodell fuer die veraltete Antonov-Flotte auserkoren. Momentan ist man
gerade in den Vertragsverhandlungen ueber die Lieferung von zwei Maschinen (plus eine Option). Sie sollen hauptsaechlich zum Transport von Soldaten und militaerischem Geraet im Rahmen der slowakischen UN
-Friedensmissionen zum Einsatz kommen.
Nach dem lautstarken TYPHOON Display wurde es wieder etwas ruhiger,
aber nicht minder spektakulaer. Niemand geringerer als Zoltán Veres, ungarischer Kunstflugeuropameister, zeigte auf seiner Extra-300 mit
welchen Manoevern er regelmaessig Spitzenplaetze bei internationalen Wettkaempfen erfliegt. Selbst bei einem Ueberflug in weniger als einem
Meter Hoehe, bliebt ihm noch genuegend Zeit, um dem Publikum freundlich zuzuwinken. Es folgte, wie schon im Vorjahr, eine Vorfuehrung des hollaendischen F-16 Demoteams in ihrer wunderschoen lackierten
„FIGHTING FALCON“. In diesen beiden Saisonen wird das Team vom No 322 bzw. No. 323 Squadron in Leeuwarden gestellt. Captain Tobias "Hitec"
Schutte zeigte in seinem ersten Jahr als Displaypilot und in der noch jungen Saison eine ansprechende Vorfuehrung, bei der wie immer mit Flares nicht gespart wurde. Nach einem
sehenswerten Display einer slowakischen Mi-24V „HIND“, welches die enorme Groesse dieses Helikopters
fuer einen Moment vergessen liess, wurde das schwedische Mehrzweckkampfflugzeug JAS-39C „GRIPEN“ sowohl durch die ungarische als auch durch die tschechische Luftwaffe vorgefuehrt. Die tschechische
Maschine praesentierte sich dabei, sehr zur Freude der Fotografen, in einem attraktiven Sonderanstrich.
Weiters war der Bruderstaat mit einer Aero Vodochody L-159 „ALCA“ sowie einer PZL W-3A „SOKOL“ im Flugprogramm vertreten.
Beim naechsten Programmpunkt zeigten die „Flying Bulls“ auf vier Zlin Z
-50LX Maschinen ihr Koennen. Nach den Absagen der kroatischen „WINGS of STORM“ und des polnischen „ORLIK“-Teams, war dies leider die einzige
Kunstflugstaffel vor Ort. Erwaehnenswert ist, dass die Leaderposition der „Flying Bulls“ von einer Frau eingenommen wird. Radka Machova fliegt
hauptberuflich Businessjets und war, bevor sie 2001 zu den „Flying Bulls“ gestossen ist, auch Mitglied der tschechoslowakischen
Kunstflugnationalmannschaft. Ein Oesterreichischer Pilatus PC-6 „Turbo Porter“ zeigte, dass man auch ohne geballte Triebswerkskraft und
Nachbrennereinsatz fuer ein staunendes Publikum sorgen kann. Sehr schoen wurden dabei die extremen Kurzstart- und Landefaehigkeiten,
sowie die hervorragenden Langsamflugeigenschaften des Typs demonstriert. Auch ein Wasserabwurf aus
dem 800 Liter fassenden Tank, der in weniger als 10 min in die Maschine eingebaut werden kann, war Teil
der Vorfuehrung. Da die Displayline direkt ueber einer Eisenbahnstrecke lag, kam es in Piešťany zu einem
aeusserst interessanten Showact: es wurde ein Luftangriff auf einen bewaffneten und gepanzerten Zug aus
dem zweiten Weltkrieg nachgestellt. Zlin 226 Maschinen, bemalt in den Farben der ehemailgen Deutschen
Luftwaffe, simulierten dabei mit Hilfe von viel Pyrotechnik die Angreifer. Bei dem darauf folgenden Luftkampf
spielten Zlin 526 und Yak-52 in russischer Lackierung die Gegenspieler. Neben dem slowakischen Retro Sky
Team zeigten auch die Akteure am Boden mit ihren Uniformen und Fahrzeugen viel Liebe zum Detail und sorgten nicht nur deswegen fuer eine gelungene Abwechslung im Showprogramm.
Nach diesem kurzen Ausflug in die Geschichte folgte ein ganzer Block an
Vorfuehrungen der slowakischen Streitkraefte. Es begann mit einer MiG-29AS, die in einem digitalen Pixel-Tarnschema gehalten war und ein
solides Display zeigte. Leider war diese „FULCRUM“ nur im Flug zu bewundern, da sie, wie einige andere Slowakische Displaymaschinen, auf
der Luftwaffenbasis Malacky stationiert war. Dies hatte am Sonntag den weiteren Nachteil, dass einige Programmpunkte aufgrund der dortigen,
schlechten Witterungsverhaeltnisse, buchstaeblich ins Wasser fielen. Zurzeit befindet sich in Malacky das gesamte 1st Fighter Squadron aus Sliac
, da ihre eigentliche Heimatbasis wegen umfangreicher Umbauarbeiten noch fuer laengere Zeit geschlossen bleiben wird. Fans der „FULCRUM“
bekamen immerhin eine getigerte MiG-29UBS im Static Display zu sehen. Als naechster Programmpunkt war eine Tupolev Tu-154M der slowakischen Regierung angekuendigt. Wer nur einen normalen Vorbeiflug
erwartete, irrte gewaltig. Die Tupolev sorgte mit ihren extremen low-Passes und anschliessenden
Steilkurven fuer Furore. Fuer viele der etwa 50.000 Besucher stand fest, dass es sich bei diesem Piloten nur
um einen ehemaligen Jagdflieger handeln konnte. Weiters zeigten zwei Aero L-39 „ALBATROS“ mit viel
Einsatz von Pyrotechnik einen simulierten Angriff auf Bodenziele. Die anschliessende Vorfuehrung einer Mig
-29 Rotte konnte zwar die Erwartungshaltung einiger Besucher nicht vollstaendig erfuellen, da man in der
Vergangenheit schon actionreichere Dogfights slowakischer MiGs, mit einem wahren Feuerwerk an Flares gesehen hatte. Doch wo hat man heutzutage, speziell auf europaeischen Airshows, noch die Moeglichkeit,
einen Formationsflug von MiG-29 zu sehen?
Weiters zeigten Spezialeinheiten der Armee in einer Mil Mi-17 “HIP”
begleitet von zwei Mil Mi-24 „HIND“ Kommandoaktionen, wie sie heutzutage in Konfliktzonen durchgefuehrt werden. Nach dem Anlanden in der
Gefechtszone stuermten die Spezialkraefte einen verdaechtigen LKW und nahmen gegnerische Kraefte gefangen, waehrend ueber dem Geschehen
„HIND“ Gunships kreisten um die Aktion zu ueberwachen. Fuer ein ruhiges Ausklingen des Flugprogramms sorgten das tschechische „Heritage of Flying
Legends“ Team mit ihren Antonov An-2 Doppeldeckern sowie zwei Raritaeten aus Ungarn – eine Polikarpov Po-2 und ein Lisunov Li-2 (in
Lizenz gebaute, russische DC-3). Das etwas spaerliche besetzte Static Display setzte sich vor allem aus dem aktuellen Inventar der Slowakischen
Luftstreitkraefte bzw. aus Maschinen des lokalen Luftfahrtmuseums zusammen. Daneben sind noch tschechische und ungarische GRIPEN, eine franzoesischen AMD Mirage 2000D und vor allem die ukrainische
An-26 mit ihrem MedEvac Modul (Medical Evacuation) hervorzuheben.
FAZIT: Auch wenn es sehr viele Absagen gab (allen voran die Su-35, mit der im Vorfeld massiv geworben
wurde) so war es doch eine aeusserst gelungene Veranstaltung mit einem sehr abwechslungsreichen Flugprogramm. Wie sehr die „National Air Days“ in Zukunft noch wachsen koennen, ist fraglich, da man
aufgrund der geringen Platzgroesse in Piešťany schon jetzt an die Kapazitaetsgrenzen stoesst.
Wir moechten uns an dieser Stelle bei Tomas Kika und seinem Team recht herzlich fuer ihre Gastfreundschaft und dem interessanten Presseprogramm bedanken. Wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen bei den
naechsten „National Air Days“.
Christian Spreitzer
|