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Es ist manchmal schon erstaunlich, was man erreichen kann, wenn man mit einer klaren Vorstellung hart an seinen Zielen arbeitet. Gerade in
Anbetracht der grossen Schwierigkeiten (Huerden, Huerden und noch mehr buerokratische Huerden) welche Airshow Veranstalter in Deutschland
ausgesetzt sind, ist es umso bemerkenswerter, wie ein relativ kleines Team um Uwe Ramerth (organisierte unter anderem die Hahn-in-Motion Airshows)
ein Event auf die Beine stellte, wie es hierzulande nicht haeufig zu sehen ist. Die Rede ist natuerlich von der Oppenheim Airshow, welche am
Wochenende zum 28./29, Mai 2005 stattfand. Bei herrlichstem Wetter genossen mehr als 15.000 Zuschauer ein wunderschoenes Flieger-Wochenende mit einer grossen Anzahl von Highlights, wie z.B. die
Messerschmitt Me-109 G der Messerschmitt Aircraft Corporation (MAC). Der Flugplatz in Oppenheim ist eigentlich ein kleiner Segelflugplatz und musste fuer den Flugtag etwas
“umgebaut” werden, damit die unzaehligen Maschinen nicht nur genuegend Platz hatten, sondern auch
starten und landen konnten, was im Speziellen Falle der Me-109 bis zum Fly-in nicht hundert prozentig klar
war, obwohl die Besitzer dieser Fliegenden Legende, Wilhelm Heinz, Siggi Knoll und Werner Grammel, den
Platz gleich zweimal besuchten, um sicherzustellen, dass sie mit ihrer Me auch dort landen konnten. Zu Guter Letzt klappte die Landung und war auch zugleich ein grandioser Auftakt der Show.
Die Restaurierung der „Gustav“ dauerte insgesamt 7 Jahre und erfolgte so gut wie unbemerkt von der Oeffentlichkeit. Ihren ersten oeffentlichen
Auftritt hatte die 109 im Oktober des letzten Jahres begleitet von grossem Interesse der Fachpresse aber auch der breiten Oeffentlichkeit. Leider sind
von diesem Muster nicht viele Originalmaschinen in flugfaehigem Zustand – die meisten 109er sind spanische Nachbauten (Hispano HA 1112 M-1L
Buchon – die Besitzer moegen mir vergeben, doch diese sehen weder sonderlich toll aus, noch haben sie den unverwechselbaren Sound eines
Daimler Benz Motors mit seinen 37l Hubraum – size matters, zumindest bezogen auf die alte Me). Auch die 109 der MAC basiert auf dem spanischen
Lizenzbau, wurde sie originalgetreu in G-4 Konfiguration restauriert und mit einem originalen DB-605 A Zwoelfzylinder Reihenmotor ausgeruestet. Die Besitzer sind naturgemaess sehr
vorsichtig im Umgang mit ihrem Schmuckstueck, deshalb wird die 109 auch nur auf auserlesenen Flugschauen zu sehen sein. Bis zum heutigen Tag hat sie auch gerade erst mal 20 ! Flugstunden verbucht!
Fuer die maechtige Chance Vought F4U-4 Corsair sowie eine sehr seltene Supermarine Spitfire Mk XIX (beide im Privatbesitz von Cristophe Jaquard
aus Frankreich) war die kurze Landebahn von Oppenheim kein grosses Problem. Bei der Mk XIX handelte es sich um einen unbewaffneten Fotoaufklaerer, welcher mit einem 2050 PS starken Rolls Royce Griffon
Motor ausgestattet war. Die Maschine von Christophe Jaquard wurde allerdings mit dem Motor aus einer Avro Shackleton ausgestattet, welcher
noch mal gut und gerne 500 PS mehr liefert als das Original Triebwerk – daher auch der gegenlauefige Sechsblatt Propeller. Beide Maschinen, die
Spitfire sowie die Corsair konnten nicht nur am Boden, sondern auch in der Luft bewundert werden. Neben den reinen Flugvorfuehrungen waren diverse Mitfluggelegenheiten fuer zahlende Gaeste eine
willkommene Abwechslung (speziell auch fuer die Fotografen, hatte man dadurch die Moeglichkeit,
verschiedenen Maschinen bei Start und Landung mehr als einmal zu fotografieren). Fuer gerade mal €175,00
.- konnte man einen 40 minuetigen Flug mit einer originalen Junkers Ju-52/3m der Schweizer Firma Swiss-Air
buchen, zwar nicht gerade ein Schnaeppchen, dafuer aber mit Sicherheit ein einmaliges Erlebnis. Etwas mehr
(€250,00.-) musste man dann fuer einen Flug in einer North American AT-6 Harvard berappen, der allerdings
auch gerade mal 15 Minuten dauerte. Fuer nicht ganz so betuchte Gaeste bot sich immer noch die
Gelegenheit, fuer €40,00.- doch noch in einer der Fliegenden Lagenden mitzufliegen, und zwar in einer von
drei Antonov An-2. Wer es nicht ganz so behaebig haben wollte, konnte dann auch noch ein andere Art der Fliegerei ausprobieren. Auf dem Ruecksitz einer Pitts 12, Yak-52 oder einer Christen Eagle war auch
Kunstflug mit im Programm – wenn man wollte!
Am interessantesten, zumindest fuer Flugzeugenthusiasten war aber die
Gelegenheit mit dem einzigen in Europa verfuegbaren flugfaehigen Sirkosky S-58 (mil. Kennung: H-34) mitzufliegen. Diese Maschine war in den 60er –
und 70er Jahren sehr verbreitet im zivilen sowie im militaerischen Einsatz. Die in Oppenheim gezeigte Maschine wurde fuer Dreharbeiten ueber die
grosse Flutkatastrophe in Hamburg (1960) in den Farben der Heeresflieger bemalt. Bei dieser Naturkatastrophe haben die H-34 unschaetzbare Dienste geleistet und dabei unzaehlige Menschenleben gerettet.
Jeder Airshowbesucher hat seinen speziellen Favoriten, waehrend der eine lieber Oldtimer bevorzugt, ist der andere von schnellen Jets angetan und
der Dritte interessiert sich ausschliesslich fuer Aerobatic Teams. Auch wenn in Oppenheim keine Jets zu Gast waren (waere auch ob der Groesse des Flugplatzes und der Grasspiste
hoechstens fuer einen Harrier interessant in Frage gekommen) so tat dies der allgemeinen Begeisterung
keinen Abbruch. Atemberaubende Displays zeigten auch zivel Kunstflieger wie Uli Dembinski mit seiner Yak
55 oder Ali Oeztuerk auf seiner „Purple Violet“, eine umgebaute leistungsgesteigerte Pitts Special, aufgeruestet mit einem 400 PS starkem Lycoming Triebwerk.
Das Highlight aber war die Vorfuehrung der Royal Jordanian Falcons, welche die Oppenheim Airshow als Auftakt fuer ihre Europatournee nutzen. Die
Liste aller teilnehmenden Maschine aufzuzaehlen wuerde den Rahmen dieses Berichts sprengen, zu erwaehnen waeren aber noch auf alle Faelle eine Douglas AH-1 Skyraider (war die grosse, nicht angekuendigte
Ueberaschung), eine wunderschoene Focke Wulf FW-44 Stieglitz, sowie eine extrewm seltene Potez 60. Die Flugshau in Oppenheim war ein Riesenerfolg, und dass mit Sicherheit nicht nur wegen dem grandiosen
Wetter. Das Team um Uwe Ramerth hat ganze Arbeit geleistet. Das grosse Publikumsinteresse hat auch wieder einmal verdeutlicht, dass Flugveranstaltungen auch in der Bundesrepublik sehr populaer sind.
Oppenheim hat deutlcih gemacht, dass man nicht unbedingt einen grossen Flugplatz benoetigt, um ein tolles Event auf die Beine zu stellen. Ich wage sogar zu behaupten, dass es in ganz Deutschland wenige
Flugplaetze gibt, die gleich gross oder sogar noch kleiner als der in Oppenheim sind. Man braucht hat nur die
notwendigen Maenner und Frauen, welche solch eine Vision Wirklichkeit werden lassen. Wir jedenfalls freuen
uns heute schon auf den naechsten Flugtag in Oppenheim – wann immer dieser auch stattfindet.
Robert Kysela
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