Banner_CHK6_NewLayout04

Impressum
Team CHK 6
Vorwort

languages
NavBtn_NewLayout0104
Header_Left_Reports
NavHeader_NewLayout06
Nav_Background_01 Kopie
Nav_Spacer_right
Release 1.0/2012
Header_Right_PAF_2009
Header_Upper_PAF_2009

CS0910PAF047_Zwanzig Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und zehn Jahre nach Eintritt Polens in die NATO fliegt nach wie vor eine beachtliche Anzahl von Kampfflugzeugen russischer Bauart in den Reihen der Polnischen  Luftwaffe. Polen unterhaelt die groesste MiG-29 Flotte innerhalb der NATO und ist auch der letzte Betreiber der Sukhoi Su-22. Im Rahmen einer Pressetour hatte Checksix die Moeglichkeit, diese beiden Flugzeugtypen auf ihren Heimatbasen zu besuchen. Die Siły Powietrzne Rzeczypospolitej Polskiej (Luftwaffe der Polnischen Republik), wie sie seit 1. Juli 2004 offiziell heisst, ist mit ihren rund 36.000 Soldaten nach der Armee die zweitgroesste Teilstreitkraft des Landes. Die fliegenden Einheiten, die sich auf 22 Stuetzpunkte verteilen, sind folgendermassen strukturiert:

  • 1 Skrzydło Lotnictwa Taktycznego in Świdwin (1st Wing of Tactical Air Force)
  • 2 Skrzydło Lotnictwa Taktycznego in Poznań (2nd Wing of Tactical Air Force)
  • 3 Skrzydło Lotnictwa Transportowego in Powidz (3rd Wing of Transport Aviation)
  • 4 Skrzydło Lotnictwa Szkolnego in Dęblin (4th Wing of Training Aviation)
  • 1 Baza Lotnicza in Warschau (1st Air Base – Special VIP Transport)

CS0910PAF017_Die Tour begann in Malbork im aeussersten Nordwesten Polens, unweit der Grenze zur russischen Enklave Kaliningrad.  Dort befindet sich die 22nd Air Base mit ihrem 41.elt (Eskadra Lotnictwa Taktycznego; polnisch fuer Taktische Fliegerstaffel), welche dem 1st Wing in Świdwin zugeordnet ist. Nach der Begruessung durch Air Base Commander Colonel Robert DZIADCZYKOWSKI und Deputy Commander Major Artur KALKO folgte eine ausfuehrliche Praesentation ueber den geschichtlichen Verlauf der Basis sowie der Staffel und ihrem aktuellen Einsatzflugzeug – der MiG-29. Die MiG -29 ist ein Mehrzweckkampfflugzeug der dritten Generation mit einem beeindruckenden Schub-/Gewichtsverhaeltnis von ~1,1 : 1, das unglaubliche Flugmanoever zulaesst. Ein besonderes Merkmal dieses Kampfflugzeugs sind die mit Klappen verschliessbaren Lufteinlaesse. Da diese Einlaeufe sehr niedrig angeordnet sind, besteht beim Start die Gefahr, dass Fremdkoerper eingesaugt werden, was in weiterer Folge zu einer Beschaedigung der Triebwerke fuehren kann. Um dieses Problem zu umgehen, wurden bei der MiG-29 an der Oberseite der Fluegelansaetze riesige Lamellen angebracht, welche waehrend der Startphase die Triebwerke mit Luft versorgen. Die zwei Klimov RD-33 Turbofan Triebwerke koennen bei eingeschaltetem Nachbrenner jeweils bis zu 81,4 kN Schub liefern, welche der „Fulcrum“ (NATO-Code) eine maximale Geschwindigkeit von Mach 2,35 verleiht.

CS0910PAF026_Polen erhielt seine ersten MiG-29 in den Jahren 1989-1990. Damals wurde ein Dutzend Jets angeschafft, darunter drei MiG-29UB Trainer. Im Rahmen eines Tauschgeschaeftes mit der Tschechischen Republik (PZL W-3A „Sokol“ Mehrzweckhubschrauber gegen MiG-29)  wurden 1995 weitere zehn Maschinen (neun Einsitzer plus ein Trainer) beschafft. Schliesslich erhielt Polen im Jahr 2004 von Deutschland 22 MiG-29 aus ex-NVA Bestaenden fuer einen symbolischen Kaufpreis von einem Euro/je Maschine. 14 Maschinen davon wurden im Reparaturwerk von Bydgoszcz generalueberholt, modernisiert und wieder in Dienst gestellt. Die restlichen Maschinen wurden ausgeschlachtet und dienten lediglich als Ersatzteillager. Um NATO-Standard zu erreichen wurde an allen Maschinen Modifikationen betreffend IFF-System, TACAN, VHF/UHF  Radio und einem integriertem GPS durchgefuehrt.

CS0910PAF028_Die polnischen Piloten aeussern sich sehr zufrieden ueber ihre „Fulcrum“ und loben vor allem die hervorragenden Flugleistungen ihrer Maschine, das elektro-optische Zielsuch-/Zielverfolgungssystem „IRSTS“ sowie das Helmvisier, welches Radar, „IRSTS“ sowie die Suchkoepfe der Lenkwaffen ansteuern kann. Die Bewaffnung umfasst neben der fuer den Nahkampf ausgelegten, hochmodernen und extrem agilen  AA-11 „ARCHER“  weiters die AA-10A „ALAMO“ und die etwas aeltere AA-8 „APHID“ Lenkwaffen. Im Luftnahkampf stehen fuer Ziele bis zu einer Entfernung von 1200m noch 150 Schuss der 30mm GSch-30.1 Bordkanone zur Verfuegung. Als Nachteil kann die alte Avionik, der geringe Treibstoffvorrat sowie der, im Vergleich zu westlichen Maschinen, grosse Arbeitsaufwand des Piloten gesehen werden. Im Flug muss der MiG-Pilot staendig manuelle Korrekturen durchfuehren, waehrend dies bei der F-16 der ausgekluegelte Bordcomputer mittels fly-by-wire Steuerung erledigt. Die Hauptaufgabe der polnischen MiG -29 liegt in der Luftverteidigung, die sich nicht nur auf den nationalen Luftraum beschraenkt. Im Rahmen der NATO Air Policing Mission fuer die baltischen Alliierten wurde schon zweimal ein Kontingent des 41.elt nach Litauen verlegt. Neben dem 41.elt in Malbork fliegen die „Fulcrums“ auch noch beim 1.elt auf der 23rd Air Base in Mińsk Mazowiecki. Geplant ist, den Betrieb zumindest bis 2012-2015 aufrecht zu erhalten. Es wird auch schon ueber einen Betrieb darueber hinaus gedacht, was allerdings ein umfangreicheres Modifikationsprogramm erfordern wuerde.

CS0910PAF060_Am zweiten Tag ging es ins 200 km entfernte gelegene Świdwin, im Nordwesten des Landes. Die dortige 21st Air Base mit ihren beiden Staffeln 7.elt und 40.elt ist mit Sukhoi Su-22M-4 und Su-22UM-3K ausgestattet. Świdwin ist weiters die Heimatbasis der 1. CSAR Gruppe, ausgeruestet mit PZL W-3 „Sokol“ Hubschrauber. Weiters sind auch PZL M-28B „Bryza“ dort stationiert, von denen eine Maschine am Tag unseres Besuchs etliche Fluege absolvierte. Die Su-22 war frueher das Hauptangriffsflugzeug der meisten Warschauer Pakt Staaten. Hunderte Maschinen dieses Typs standen im Dienst der Luftstreitkraefte von Bulgarien, der DDR, Polen, Tschechoslowakei, der Sowjetunion sowie Ungarns. Nach Zusammenbruch des Warschauer Paktes  aenderte sich die Lage vieler osteuropaeischer Staaten und auch ihrer Streitkraefte dramatisch. Die Wirtschaft entwickelte sich in vielen dieser Länder zunaechst sehr zaghaft. Das begrenzte Budget fuehrte auch in den Verteidigungshaushalten zu drastischen Reduktionen, wobei es hier vor allem die Luftstreitkraefte besonders hart traf. Stuetzpunkte wurden geschlossen, die Zahl an Fluggeraeten und Besatzungen drastisch reduziert, sowie der Flugbetrieb auf ein Minimum herabgesetzt. So ist es nicht verwunderlich, dass heutzutage der Grossteil der einst so zahlreich beschafften MiGs und Suchois verschwunden ist und die Su-22 nur mehr in Polen anzutreffen ist.

CS0910PAF031_Die Entwicklung der Su-22 geht bis in die 1960er Jahre zurueck und basiert auf dem Entwurf der Su-7. Waehrend die ersten Versionen der Su-7 noch mit starren Tragflaechen versehen waren, erhielt die Su-7IG erstmals Schwenkfluegel, welche ihre Manoevrierfaehigkeit,  Einsatzreichweite und Waffenzuladung wesentlich erhoehte. Daraus entstand spaeter die beruehmte Su-17 „Fitter“ Serie, mit ihren Exportvarianten Su-20 und Su-22. Im Unterschied zu anderen Schwenkflueglern ist bei der „Fitter“ nur der Außenfluegel verstellbar. Dies ermoeglicht ihr auch an den Innenfluegeln schwere Lasten aufzunehmen, wozu eine MiG-23BN/MiG-27 nicht imstande ist und ihre Hauptlast daher unter dem Rumpf traegt. Die Su-17 wurde im Laufe der Jahre bezueglich Avionik, Triebwerk und Treibstofffassungsvermoegen immer weiter verbessert. Die letzte Version dieser Baureihe ist die Su-17M4 führte (Exportbezeichnung Su-22M4), welche bis 1990 gebaut wurde. An insgesamt zehn Aussenlaststationen kann ein grosses Spektrum verschiedenster Luft-Luft bzw. Luft-Boden Waffen inklusive Laser-gelenkter Bomben oder ECM/Aufklaerungsbehälter bis zu einem Gewicht von vier Tonnen mitgefuehrt werden.

CS0910PAF063_Polen erhielt seine ersten  Su-22M4 im Jahr 1984. Von den insgesamt 90 Su -22M4 und 20 Su-22UM-3K befinden sich heute noch 48 im Dienst, an denen zuletzt im Jahr 2003 ein umfangreiches Modernisierungsprogramm durchgefuehrt wurde. Die Su-22 Komponente der Polnischen Luftwaffe besteht aus drei taktischen Staffeln verteilt auf zwei Basen. Neben den bereits erwaehnten 7.elt und 40.elt in Świdwin ist dies das 8.elt auf der 12th Air Base in Miroslawiec. Alle drei Staffeln sind dem 1st Wing der Tactical Air Force mit Sitz in Świdwin unterstellt. Hauptaufgabe der „Fitter“ ist die Unterstuetzung der eigenen Bodentruppen. Als Teil der  NATO’s Rapid Response Force sind sie auch fuer Auslandseinsaetze vorgesehen und daher nicht selten auf internationalen Manoevern zu sehen. Waehrend des Basisbesuchs herrschte reger Flugbetrieb, da die Maschinen an einer groesseren Uebung teilnahmen. Acht Su-22 standen auf dem riesigen Vorfeld aneinandergereiht und wurden vom Bodenpersonal mit FAB 500 Bomben auf ihren Einsatz vorbereitet.

CS0910PAF011_Die Basis in Świdwin ist im typischen alten Sowjetstil erbaut worden. Mit einer einzigen Piste, an deren Enden viele Flugzeugschutzbauten angeordnet sind und einem Vorfeld, das wohl Platz fuer das komplette Geschwader bietet. Am Ende des Rollwegs zur Startbahn erfolgt noch ein letzter Check durch das Bodenpersonal, um etwa einen Verlust von Treibstoff oder Hydraulikfluessigkeit auszuschliessen. Waehrend der Fuehrung durch die Basis, die auch einen ausfuehrlichen Blick in die Wartungshallen ermoeglichte, konnte eine besondere Maschine am Bremsstand beobachtet werden. Es war die gSu-22UM-3K in Tiger-Look und  den Markierungen des 6.elt. Diese Staffel wurde mittlerweile nach Poznań verlegt und fliegt dort auf der neuen F-16C Block 52. Obwohl die polnischen Su-22 nach 25 Dienstjahren immer noch eine imposante Angriffswaffe darstellen, nicht zuletzt durch die staendig durchgefuehrten Modifikationen, basieren sie doch auf einem alten Flugzeugentwurf, welcher einer F-16C Block 52 in keinster Weise ebenbuertig ist. So werden wohl in wenigen Jahren (geplant ist 2012) die letzten „Fitter“ der NATO ausser Dienst gestellt werden und ein weiteres legendaeres Flugzeug in der Geschichte der russischer Luftfahrtindustrie vom europaeischen Himmel verschwunden sein.

Checksix moechte sich sowohl bei der Presseabteilung der Polnischen Luftwaffe bedanken, welche ein sehr informatives Programm zusammenstellte, als auch bei den Begleitoffizieren auf den jeweiligen Stuetzpunkten, welche geduldig auf die Anliegen der zahlreich erschienenen Pressevertreter eingingen.

Christian Spreitzer / CHK 6

Header_Lower_Back
Footer_0103