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RK0710RIAT1994_mAlle Jahre wieder - nein, damit meinen wir nicht Weihnachten, sondern das alljaehrlich stattfindente  ROYAL INTERNATIONAL AIR TATTOO (obwohl fuer viele Flugzeugenthusiasten der Stellenwert dieser Veranstaltung  auf der RAF Fairford fast mit dem schoensten Fest des Jahres gleichzusetzen ist). Am 17./18. Juli 2010 war es wieder so weit. Seit der ersten Veranstaltung in Greenham Common (1972) ist das AIR TATTOO der Gradmesser fuer alle anderen Airshows. Nirgendwo sonst bekommt man eine groessere Anzahl Militaermaschinen zu sehen, wie in Fairford (in diesem Jahr waren es 260 Flugzeuge und Helikopter). Es ist aber nicht allein die Anzahl der Fluggeraete,  sondern auch die Vielfalt, mit zum Teil extrem seltenen Gastmaschinen, die das RIAT praegen. Bis heute hat der Veranstalter es stets geschafft, eine grosse Menge an Highlights zu praesentieren – die diesjaehrige Veranstaltung machte da auch keine Ausnahme. Der staendig schrumpfende Etat vieler Luftwaffen und die kontinuierliche Reduktion der Fluggeraete auf einige wenige Typen geht natuerlich auch beim RIAT nicht spurlos vorbei. Die Zeiten, wo man fast 500 Maschinen praesentieren konnte, darunter jede Menge MiG`s und Sukhoi`s, sind leider vorbei. Der drastische Rueckgang war deutlich im Static display zu sehen. Trotzdem schafften es die Organisatoren vom Royal Air Force Charitable Trust ein Flugprogramm auf die Beine zu stellen, welches dem vergangener Jahre nur wenig nachstand. Lediglich das Wetter vermasselte den weit ueber 155.000 Zuschauern etwas die Freude. Kam am Samstag Nachmittag noch fuer ein paar Stunden die Sonne raus, so war der Sonntag den ganzen Tag Wolkenverhangen. Das Englische Wetter ist fuer seine Launen hinlaenglich bekannt – allein die Tatsache, dass es nicht regnete, machte den Tag, zumindest fuer die einheimischen Besucher, trotzdem zu einem Erlebnis.  

RK0710RIAT1686_mHIGHLIGHTS: Das Zusammenstellung der Flugprogrammes konnte sich, wie schon erwaehnt, wirklich sehen lassen. Besonders der erste oeffentliche Auftritt der Boeing F-22A RAPTOR in Europa sorgte fuer Furore. Bei der F-22 handelt es sich um das zur Zeit einzige, im Einsatz befindliche Muster der 5. Generation. Geflogen wurde die Maschine des EAST COAST DEMO TEAMS der USAF von Major Dave „ZEKE“ Skalicky, einem erfahren Kampfpiloten mit mehr als 1500 Flugstunden in seinem Logbuch. Die RAPTOR sollte bereits vor 2 Jahren in Fairford fliegen, allerdings wurde diese Veranstaltung kurzfristig wegen Ueberflutung der Zuschauerparkplaetze abgesagt. Die RAPTOR kann dank ihrer Schub-/Vektorsteuerung unglaubliche Flugmanoever jenseits der aerodynamischen Moeglichkeiten durchfuehren. Im Gegensatz zu den Flugzeugen der 4. Generation (EF-2000, RAFALE, GRIPEN, etc.) verfuegt die F-22 ueber eine erheblich reduzierte Radarsignatur (Stealth-Technologie). Saemtliche Lenkwaffen sind aus diesem Grund auch in einem Waffenschacht im breiten Rumpf der Maschine untergebracht. Aufgrund der sogenannten „Supercruise“- Faehigkeit, kann sie auch lange Strecken mit Ueberschallgeschwindigkeit, aber ohne Einsatz der Nachbrenner, zuruecklegen. Ein Exporterfolg der Maschine an befreundete Nationen als gilt eher unwahrscheinlich, auch besteht nach wie vor ein Exportverbot fuer diese Maschine. Insgesamt sind von der F -22 bis zum heutigen Tag lediglich 187 Maschinen bestellt worden - aufgrund des hohen Stueckpreis von knapp 200 Millionen USD wird es wahrscheinlich auch dabei bleiben.

RK0710RIAT1370_mEbenfalls eine Premiere (fuer England) war der langerwartete Auftritt des neuesten Europaeischen Militaerflugzeuges, des Airbus A400M. Lediglich zwei Prototypen dieses Europaeischen Gemeinschaftsprojektes existieren zu diesem Zeitpunkt, der Dritte befindet sich allerdings in der Endphase der Produktion. Der erste oeffentliche Auftritt des A400M war auf der ILA in Berlin. Die Entwicklung dieses Grossraumtransporters hinkt seinem Zeitplan erheblich hinterher. Zahlreiche technische Schwierigkeiten und enorme Verzoegerungen bei der Auslieferung diverser Teile, im speziellen im Triebwerksbereich, bereiteten dem Herstellerkonsortium grosse Probleme. Aufgrund dieser Verzoegerungen hat zB. die Sued Afrikanische Regierung ihre Bestellung von 8 Maschinen dieses Typs storniert (zur Zeit gibt es Verhandlungen mit den Amerikanern ueber die Beschaffung von Lockheed C-130J und gegebenenfalls sogar die Beschaffung von Boeing C-17A Globemaster III  - ein herber Schlag fuer das Airbus Konsortium). Weitere (erhoffte) Auftraege kamen erst gar nicht zustande. Deshalb ist es fuer Airbus essentiell, der Oeffentlichkeit und vor allem der Politik eindrucksvoll zu zeigen, daß der A400M existiert und das Testprogramm erfolgreich angelaufen ist. Diese Demonstrationen auf den wichtigsten Luftfahrtveranstaltungen sind besonders wichtig, da zahlreiche Laender bereits mit dem Ausstieg aus dem Entwicklungsprogramm gedroht haben, bzw. ueber eine drastische Reduktion der zu beschaffenden Maschinen nachdenken. Die Vorfuehrung in Fairford war auf alle Faelle sehenswert, besonders die Wendigkeit der Maschine aber auch die Eleganz des A400M fand grossen Gefallen bei den Zuschauern.  

RK0710RIAT1618_mTRIBUTE to BATTLE of BRITAIN:  Vor genau 70 Jahren fand ueber Grossbritannien die denkwuerdige Luftschlacht um England statt – ein Ereignis welches auch heute noch sehr tief bei den Briten verwurzelt ist. Die Battle of Britain, wie die Luftschlacht in Großbritannien genannt wird, wurde in Fairford mit einem Verbandsflug zahlreicher Traditionsmaschinen Tribut gezollt. Als besonderes Highlight war neben den zahlreichen Supermarine Spitfire und Hawker Hurricane auch eine Hispano HA-1112 BUCHON (spanischer Lizenzbau der Me 109 mit Rolls Royce Merlin Triebwerk) sowie die Messerschmitt Me 109 G4 der Messerschmittstiftung zu sehen. Ausnahmsweise wurden am Ende der Vorfuehrung die Messerschmitt`s mal nicht (wie sonst immer) simultan abgeschossen, sondern durften unbehelligt neben ihren ehemaligen Kontrahenten landen. Neben einer sogenannten „Missing Man Formation „ bestehend aus fuenf BAe Hawk  Trainer (4 xBAe Hawk T.Mk1a und einer BAe Systems Hawk T.Mk II) waren auch noch zwei Verbandsfluege zu sehen, wobei neben britischen Tornados ADV auch noch franzoesiche Mirage 2000, US-amerikanische Boeing F-15 EAGLE sowie belgische Lockheed Martin F-16 MLU teilnahmen. Leider fehlten bei dieser Hommage an die teilnehmenden Nationalitaeten an der Luftschlacht um England die Polen sowie die Tschechen. Die Tschechische Luftwaffe war leider in Fairford gar nicht vertreten und die Polen waren lediglich mit einer Sukhoi Su-22 im Static Display zu sehen. Das sogenannte Tribute zu Ehren der Piloten, welche in der Luftschlacht um England gekaempft haben, war zwar schoen anzusehen, fliegerisch aber nicht wirklich spannend. Ausser ein paar Vorbeifluegen der einzelnen Verbaende in relativ grosser Hoehe mit darauffolgender Landung hatte dieser Teil der Show nichts zu bieten – Schade, kommt es doch nicht so oft vor, daß eine Original restaurierte Me 109 mit ebensolchen Supermarine Spitfire und Hurricane gezeigt wird. Mit der Entsendung von gleich 3 Boeing F-15 EAGLE zu dieser Hommage nahmen mehr Amerikaner an der Vorführung teil als tatsächlich in der Luftschlacht um England auf Seiten der RAF gekämpft haben (zumindest wann man das Ende der Luftschlacht mit dem XX. September 1940 datiert).  

RK0710RIAT0569_mFASTJET DISPLAYS: Auch im Bereich der Fastjet-Displays hatte das AIR TATTOO einiges zu bieten – zumindest in der Anzahl der gezeigten Maschinen. Neben der bereits erwaehnten grandiosen Vorfuehrung der F -22 war auch noch eine Boeing FA-18F SUPER HORNET, eine Schwedische SAAB JAS-39 GRIPEN, Belgische und Hollaendische Lockheed Martin F-16 MLU, ein Britischer BAe Harrier Gr.Mk 9 sowie ein Eurofighter EF-2000 TYPHOON, ebenfalls von der RAF, zu sehen. Letztere zeigte nicht nur ein sehr schoenes, dynamisches Soloprogramm, sondern flog am Ende der Show auch noch gemeinsam mit einer Supermarine Spitfire Mk. IX ein wirklich tolles Showprogramm. Saemtliche Manoever wurden von beiden Maschinen gleichzeitig, spiegelbildlich geflogen, eine grandiose Idee, die hoffentlich Nachahmung findet.  

RK0710RIAT1797_mDas Display des Schwedischen GRIPEN war zwar laut, ansonst aber eher moderat (wo sind die Zeiten, als ein Saab JA-37 VIGGEN aus dem Hohen Norden die Zuschauer mit seinem spektakulaeren Flugprogramm begeisterte?). Dass diese Maschine, die in der gleichen Liga wie der Eurofighter EF-2000 Typhoon oder die Franzoesische RAFALE angesiedelt ist, zumindest auf Airshows eine eher unspektakulaere Show offeriert, ist hinlaenglich bekannt. Viel schlimmer ist aber die Tatsache, dass das bislang stets grandiose Niederlaendische F-16 Solo Display in dieser Saison an Langeweile kaum zu uebertreffen ist. Kein spektakulaerer Start, weit geflogene Kurven und ein Touch & Go, welches vielleicht einer Boeing 747 zur Ehre gereicht haette. Lediglich die attraktive Lackierung der F-16 erinnert an bessere Zeiten. Dies ist sehr schade, haben doch gerade die Niederlaender jede Airshow mit ihrem Solo Display Team gehoerig aufgewertet. Fairerweise muss man aber auch dazu sagen, dass die RNLAF wenigsten noch ein Displayteam hat – im Gegensatz zur Deutschen Luftwaffe, die schon seit Jahr und Tag am Boden gefesselt ist. Aber auch die Boeing F/A-18F SUPER HORNET der US NAVY wurde schon in wesentlich besserer Form praesentiert. Der „Worst Case“ war aber mit Sicherheit die Vorfuehrung des Britischen BAe HARRIER Mk.9. Ein langweiliger (normaler) Start, ein kurzer Vorbeiflug und anschliessend ein kurzes Hover Manoever gefolgt von einer schnellen Landung – dies war Lichtjahre von dem entfernt, was man frueher von diesem potenten Jump-Jet zu sehen bekam. Insgesamt waren fast alle Flugvorfuehrungen der Fastjets extrem hoch und auch sehr weit vom Zuschauer entfernt. Diese eher lausigen Vorfuehrungen sind nicht dem Veranstalter anzulasten, sondern entsprechen fast genau den diesjaehrigen Displays auf anderen Europaeischen Airshow (die wir besucht haben).  

RK0710RIAT0853_mAEROBATICTEAMS:  Wie gewohnt schoen anzusehen waren allerdings die obligatorischen Vorfuehrungen der Aerobaticteams, allen voran natuerlich die grandiosen RED ARROWS. Ihr diesjaehriges Programm unterscheidet sich nur wenig von dem vergangener Jahre – warum auch? Es ist einfach wie immer First Class. Besonders im Verbandflug beweisen die Jungs von den RED ARROWS ihre Klasse. Kaum ein anderes Team fliegt kontinuierlich so praezise wie die Briten. Auch ihre Franzoesischen Kollegen von der PATROUILLE DE FRANCE zeigten wieder einmal, dass sie zur Weltelite auf diesem Sektor gehoeren. Das dritte Team im Bunde kam aus der Schweiz, die PATROUILLE SUISSE zaehlt nun schon seit etlichen Jahren zu den besten Europaeischen Teams – ihre Vorfuehrung war wie gewohnt einfach nur toll. Die Schweizer profitieren natuerlich auch von den optischen Vorzuegen ihre wunderschoen bemalten Northrop F-5E TIGER II, aber in erster Linie ist es das enorme fliegerische Koennen der Schweizer Militaerpiloten, was die PATROUILLE SUISSE in den letzten Jahren in die Oberliga der Mil. Aerobaticteams katapultiert hat. Allen voran darf man bei den Schweizern nicht vergessen, dass die Piloten der PATROUILLE unter der Woche ihren normalen Dienst bei der Schweizer Luftwaffe nachgehen und nicht, wie viele ihrer Kollegen, fuer die Dienstzeit als Mitglieder im Nationalen Kunstflugteam ausschliesslich fuer diese Taetigkeit trainieren.  

Fazit: Das RIAT hat wieder einmal gezeigt, wo die Messlatte fuer Europaeische Airshows liegt. Ein buntes Programm mit vielen Highlights gepaart mit einer perfekten Organisation, nichts anderes ist man von diesem Veranstalter gewohnt. Der Grossteil der Zuschauer war begeistert, lediglich ein paar „alte“ Enthusiasten (ICH, zB.) hatten wieder einmal etwas zu meckern. Die Qualitaet diverser Flugvorfuehrungen (besonders im Bereich der Fastjets) stimmt mich/uns nachdenklich. Meine Kritik richtet sich aber nicht gegen den Veranstalter, sondern zielt vielmehr auf die, teilweise schon grotesk ueberzogenen Sicherheitsbestimmungen auf Airshows. Viele Flugvorfuehrungen sind ein trauriger Abklatsch vergangener Jahre. Wo sind die Zeiten, wo ein Ray Hanna mit seiner Spitfire ein Programm hinlegte, welches das Publikum geradezu elektrisierte?  Fuer diesen Virtuosen, der leider viel zu frueh von uns gegangen ist, war das Thema Sicherheit stets alleroberstes Gebot. Nie hat Ray Hanna irgendwelche gefaehrlichen Flugmanoever vorgefuehrt und damit sich selbst, seine Maschine oder irgendwelche Zuschauer in Gefahr gebracht. Trotzdem waren seine Flugvorfuehrungen einfach nur toll – etwas, was man von den meisten Displays in der heutigen Zeit wirklich nicht behaupten kann.  

Ihre Meinung zu diesem Thema ist ausdruecklich erwuenscht – vielleicht liege ich ja komplett verkehrt?!!! 

Robert Kysela / CHK 6

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