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Alle Jahre wieder - nein, damit meinen wir nicht Weihnachten, sondern das
alljaehrlich stattfindente ROYAL INTERNATIONAL AIR TATTOO (obwohl fuer viele Flugzeugenthusiasten der Stellenwert dieser Veranstaltung auf der
RAF Fairford fast mit dem schoensten Fest des Jahres gleichzusetzen ist). Am 17./18. Juli 2010 war es wieder so weit. Seit der ersten Veranstaltung
in Greenham Common (1972) ist das AIR TATTOO der Gradmesser fuer alle anderen Airshows. Nirgendwo sonst bekommt man eine groessere Anzahl
Militaermaschinen zu sehen, wie in Fairford (in diesem Jahr waren es 260 Flugzeuge und Helikopter). Es ist aber nicht allein die Anzahl der
Fluggeraete, sondern auch die Vielfalt, mit zum Teil extrem seltenen Gastmaschinen, die das RIAT praegen. Bis heute hat der Veranstalter es
stets geschafft, eine grosse Menge an Highlights zu praesentieren – die diesjaehrige Veranstaltung machte
da auch keine Ausnahme. Der staendig schrumpfende Etat vieler Luftwaffen und die kontinuierliche Reduktion der Fluggeraete auf einige wenige Typen geht natuerlich auch beim RIAT nicht spurlos vorbei. Die
Zeiten, wo man fast 500 Maschinen praesentieren konnte, darunter jede Menge MiG`s und Sukhoi`s, sind
leider vorbei. Der drastische Rueckgang war deutlich im Static display zu sehen. Trotzdem schafften es die
Organisatoren vom Royal Air Force Charitable Trust ein Flugprogramm auf die Beine zu stellen, welches dem vergangener Jahre nur wenig nachstand. Lediglich das Wetter vermasselte den weit ueber 155.000
Zuschauern etwas die Freude. Kam am Samstag Nachmittag noch fuer ein paar Stunden die Sonne raus, so
war der Sonntag den ganzen Tag Wolkenverhangen. Das Englische Wetter ist fuer seine Launen hinlaenglich
bekannt – allein die Tatsache, dass es nicht regnete, machte den Tag, zumindest fuer die einheimischen Besucher, trotzdem zu einem Erlebnis.
HIGHLIGHTS: Das Zusammenstellung der Flugprogrammes konnte sich, wie
schon erwaehnt, wirklich sehen lassen. Besonders der erste oeffentliche Auftritt der Boeing F-22A RAPTOR in Europa sorgte fuer Furore. Bei der F-22
handelt es sich um das zur Zeit einzige, im Einsatz befindliche Muster der 5. Generation. Geflogen wurde die Maschine des EAST COAST DEMO TEAMS
der USAF von Major Dave „ZEKE“ Skalicky, einem erfahren Kampfpiloten mit mehr als 1500 Flugstunden in seinem Logbuch. Die RAPTOR sollte bereits
vor 2 Jahren in Fairford fliegen, allerdings wurde diese Veranstaltung kurzfristig wegen Ueberflutung der Zuschauerparkplaetze abgesagt. Die RAPTOR kann dank ihrer Schub-/Vektorsteuerung unglaubliche
Flugmanoever jenseits der aerodynamischen Moeglichkeiten durchfuehren. Im Gegensatz zu den Flugzeugen der 4. Generation (EF-2000, RAFALE, GRIPEN, etc.) verfuegt die F-22 ueber
eine erheblich reduzierte Radarsignatur (Stealth-Technologie). Saemtliche Lenkwaffen sind aus diesem Grund
auch in einem Waffenschacht im breiten Rumpf der Maschine untergebracht. Aufgrund der sogenannten
„Supercruise“- Faehigkeit, kann sie auch lange Strecken mit Ueberschallgeschwindigkeit, aber ohne Einsatz
der Nachbrenner, zuruecklegen. Ein Exporterfolg der Maschine an befreundete Nationen als gilt eher
unwahrscheinlich, auch besteht nach wie vor ein Exportverbot fuer diese Maschine. Insgesamt sind von der F
-22 bis zum heutigen Tag lediglich 187 Maschinen bestellt worden - aufgrund des hohen Stueckpreis von knapp 200 Millionen USD wird es wahrscheinlich auch dabei bleiben.
Ebenfalls eine Premiere (fuer England) war der langerwartete Auftritt des
neuesten Europaeischen Militaerflugzeuges, des Airbus A400M. Lediglich zwei Prototypen dieses Europaeischen Gemeinschaftsprojektes existieren
zu diesem Zeitpunkt, der Dritte befindet sich allerdings in der Endphase der Produktion. Der erste oeffentliche Auftritt des A400M war auf der ILA in
Berlin. Die Entwicklung dieses Grossraumtransporters hinkt seinem Zeitplan erheblich hinterher. Zahlreiche technische Schwierigkeiten und enorme
Verzoegerungen bei der Auslieferung diverser Teile, im speziellen im Triebwerksbereich, bereiteten dem Herstellerkonsortium grosse Probleme.
Aufgrund dieser Verzoegerungen hat zB. die Sued Afrikanische Regierung ihre Bestellung von 8 Maschinen dieses Typs storniert (zur Zeit gibt es
Verhandlungen mit den Amerikanern ueber die Beschaffung von Lockheed C-130J und gegebenenfalls sogar
die Beschaffung von Boeing C-17A Globemaster III - ein herber Schlag fuer das Airbus Konsortium). Weitere
(erhoffte) Auftraege kamen erst gar nicht zustande. Deshalb ist es fuer Airbus essentiell, der Oeffentlichkeit
und vor allem der Politik eindrucksvoll zu zeigen, daß der A400M existiert und das Testprogramm erfolgreich
angelaufen ist. Diese Demonstrationen auf den wichtigsten Luftfahrtveranstaltungen sind besonders wichtig,
da zahlreiche Laender bereits mit dem Ausstieg aus dem Entwicklungsprogramm gedroht haben, bzw. ueber
eine drastische Reduktion der zu beschaffenden Maschinen nachdenken. Die Vorfuehrung in Fairford war auf alle Faelle sehenswert, besonders die Wendigkeit der Maschine aber auch die Eleganz des A400M fand
grossen Gefallen bei den Zuschauern.
TRIBUTE to BATTLE of BRITAIN: Vor genau 70 Jahren fand ueber
Grossbritannien die denkwuerdige Luftschlacht um England statt – ein Ereignis welches auch heute noch sehr tief bei den Briten verwurzelt ist. Die
Battle of Britain, wie die Luftschlacht in Großbritannien genannt wird, wurde in Fairford mit einem Verbandsflug zahlreicher Traditionsmaschinen Tribut
gezollt. Als besonderes Highlight war neben den zahlreichen Supermarine Spitfire und Hawker Hurricane auch eine Hispano HA-1112 BUCHON
(spanischer Lizenzbau der Me 109 mit Rolls Royce Merlin Triebwerk) sowie die Messerschmitt Me 109 G4 der Messerschmittstiftung zu sehen.
Ausnahmsweise wurden am Ende der Vorfuehrung die Messerschmitt`s mal nicht (wie sonst immer) simultan abgeschossen, sondern durften
unbehelligt neben ihren ehemaligen Kontrahenten landen. Neben einer sogenannten „Missing Man Formation „ bestehend aus fuenf BAe Hawk Trainer (4 xBAe Hawk T.Mk1a und einer BAe Systems Hawk T.Mk
II) waren auch noch zwei Verbandsfluege zu sehen, wobei neben britischen Tornados ADV auch noch franzoesiche Mirage 2000, US-amerikanische Boeing F-15 EAGLE sowie belgische Lockheed Martin F-16 MLU
teilnahmen. Leider fehlten bei dieser Hommage an die teilnehmenden Nationalitaeten an der Luftschlacht um
England die Polen sowie die Tschechen. Die Tschechische Luftwaffe war leider in Fairford gar nicht vertreten
und die Polen waren lediglich mit einer Sukhoi Su-22 im Static Display zu sehen. Das sogenannte Tribute zu
Ehren der Piloten, welche in der Luftschlacht um England gekaempft haben, war zwar schoen anzusehen,
fliegerisch aber nicht wirklich spannend. Ausser ein paar Vorbeifluegen der einzelnen Verbaende in relativ
grosser Hoehe mit darauffolgender Landung hatte dieser Teil der Show nichts zu bieten – Schade, kommt es
doch nicht so oft vor, daß eine Original restaurierte Me 109 mit ebensolchen Supermarine Spitfire und Hurricane gezeigt wird. Mit der Entsendung von gleich 3 Boeing F-15 EAGLE zu dieser Hommage nahmen
mehr Amerikaner an der Vorführung teil als tatsächlich in der Luftschlacht um England auf Seiten der RAF
gekämpft haben (zumindest wann man das Ende der Luftschlacht mit dem XX. September 1940 datiert).
FASTJET DISPLAYS: Auch im Bereich der Fastjet-Displays hatte das AIR
TATTOO einiges zu bieten – zumindest in der Anzahl der gezeigten Maschinen. Neben der bereits erwaehnten grandiosen Vorfuehrung der F
-22 war auch noch eine Boeing FA-18F SUPER HORNET, eine Schwedische SAAB JAS-39 GRIPEN, Belgische und Hollaendische Lockheed Martin F-16
MLU, ein Britischer BAe Harrier Gr.Mk 9 sowie ein Eurofighter EF-2000 TYPHOON, ebenfalls von der RAF, zu sehen. Letztere zeigte nicht nur ein
sehr schoenes, dynamisches Soloprogramm, sondern flog am Ende der Show auch noch gemeinsam mit einer Supermarine Spitfire Mk. IX ein wirklich tolles Showprogramm. Saemtliche Manoever wurden von beiden
Maschinen gleichzeitig, spiegelbildlich geflogen, eine grandiose Idee, die hoffentlich Nachahmung findet.
Das Display des Schwedischen GRIPEN war zwar laut, ansonst aber eher
moderat (wo sind die Zeiten, als ein Saab JA-37 VIGGEN aus dem Hohen Norden die Zuschauer mit seinem spektakulaeren Flugprogramm begeisterte?). Dass diese Maschine, die in der gleichen Liga wie der
Eurofighter EF-2000 Typhoon oder die Franzoesische RAFALE angesiedelt ist, zumindest auf Airshows eine eher unspektakulaere Show offeriert, ist
hinlaenglich bekannt. Viel schlimmer ist aber die Tatsache, dass das bislang stets grandiose Niederlaendische F-16 Solo Display in dieser Saison an
Langeweile kaum zu uebertreffen ist. Kein spektakulaerer Start, weit geflogene Kurven und ein Touch & Go, welches vielleicht einer Boeing 747
zur Ehre gereicht haette. Lediglich die attraktive Lackierung der F-16 erinnert an bessere Zeiten. Dies ist sehr schade, haben doch gerade die Niederlaender jede Airshow mit
ihrem Solo Display Team gehoerig aufgewertet. Fairerweise muss man aber auch dazu sagen, dass die
RNLAF wenigsten noch ein Displayteam hat – im Gegensatz zur Deutschen Luftwaffe, die schon seit Jahr und
Tag am Boden gefesselt ist. Aber auch die Boeing F/A-18F SUPER HORNET der US NAVY wurde schon in
wesentlich besserer Form praesentiert. Der „Worst Case“ war aber mit Sicherheit die Vorfuehrung des
Britischen BAe HARRIER Mk.9. Ein langweiliger (normaler) Start, ein kurzer Vorbeiflug und anschliessend ein
kurzes Hover Manoever gefolgt von einer schnellen Landung – dies war Lichtjahre von dem entfernt, was
man frueher von diesem potenten Jump-Jet zu sehen bekam. Insgesamt waren fast alle Flugvorfuehrungen der Fastjets extrem hoch und auch sehr weit vom Zuschauer entfernt. Diese eher lausigen Vorfuehrungen
sind nicht dem Veranstalter anzulasten, sondern entsprechen fast genau den diesjaehrigen Displays auf anderen Europaeischen Airshow (die wir besucht haben).
AEROBATICTEAMS: Wie gewohnt schoen anzusehen waren allerdings die
obligatorischen Vorfuehrungen der Aerobaticteams, allen voran natuerlich die grandiosen RED ARROWS. Ihr diesjaehriges Programm unterscheidet
sich nur wenig von dem vergangener Jahre – warum auch? Es ist einfach wie immer First Class. Besonders im Verbandflug beweisen die Jungs von
den RED ARROWS ihre Klasse. Kaum ein anderes Team fliegt kontinuierlich so praezise wie die Briten. Auch ihre Franzoesischen Kollegen von der
PATROUILLE DE FRANCE zeigten wieder einmal, dass sie zur Weltelite auf diesem Sektor gehoeren. Das dritte Team im Bunde kam aus der Schweiz,
die PATROUILLE SUISSE zaehlt nun schon seit etlichen Jahren zu den besten Europaeischen Teams – ihre Vorfuehrung war wie gewohnt einfach
nur toll. Die Schweizer profitieren natuerlich auch von den optischen Vorzuegen ihre wunderschoen bemalten
Northrop F-5E TIGER II, aber in erster Linie ist es das enorme fliegerische Koennen der Schweizer Militaerpiloten, was die PATROUILLE SUISSE in den letzten Jahren in die Oberliga der Mil. Aerobaticteams
katapultiert hat. Allen voran darf man bei den Schweizern nicht vergessen, dass die Piloten der PATROUILLE
unter der Woche ihren normalen Dienst bei der Schweizer Luftwaffe nachgehen und nicht, wie viele ihrer
Kollegen, fuer die Dienstzeit als Mitglieder im Nationalen Kunstflugteam ausschliesslich fuer diese Taetigkeit trainieren.
Fazit: Das RIAT hat wieder einmal gezeigt, wo die Messlatte fuer Europaeische Airshows liegt. Ein buntes
Programm mit vielen Highlights gepaart mit einer perfekten Organisation, nichts anderes ist man von diesem
Veranstalter gewohnt. Der Grossteil der Zuschauer war begeistert, lediglich ein paar „alte“ Enthusiasten
(ICH, zB.) hatten wieder einmal etwas zu meckern. Die Qualitaet diverser Flugvorfuehrungen (besonders im Bereich der Fastjets) stimmt mich/uns nachdenklich. Meine Kritik richtet sich aber nicht gegen den
Veranstalter, sondern zielt vielmehr auf die, teilweise schon grotesk ueberzogenen Sicherheitsbestimmungen auf Airshows. Viele Flugvorfuehrungen sind ein trauriger Abklatsch vergangener
Jahre. Wo sind die Zeiten, wo ein Ray Hanna mit seiner Spitfire ein Programm hinlegte, welches das Publikum
geradezu elektrisierte? Fuer diesen Virtuosen, der leider viel zu frueh von uns gegangen ist, war das Thema
Sicherheit stets alleroberstes Gebot. Nie hat Ray Hanna irgendwelche gefaehrlichen Flugmanoever vorgefuehrt und damit sich selbst, seine Maschine oder irgendwelche Zuschauer in Gefahr gebracht.
Trotzdem waren seine Flugvorfuehrungen einfach nur toll – etwas, was man von den meisten Displays in der heutigen Zeit wirklich nicht behaupten kann.
Ihre Meinung zu diesem Thema ist ausdruecklich erwuenscht – vielleicht liege ich ja komplett verkehrt?!!!
Robert Kysela / CHK 6
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