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RK0911ZWART307_OldTower_mWenn jemand oder irgendetwas seinen 90. Geburtstag feiert, denkt man zu allererst an eine betagte Person oder eventuell eine altehrwuerdige Einrichtung und weniger an eine junge, moderne Streitkraft. Im Falle der suedafrikanischen Luftwaffe trifft beides zu. Die SAAF (South African Air Force) hat die Transition von der alten, nach britischem Muster aufgebauten und durch das Apartheidregime gepraegten Luftwaffe zur modernen, demokratisch orientierten Streitmacht erfolgreich geschafft. Trotz der neuen Ausrichtung ist man weiterhin traditionsbewusst und blickt auch nicht ohne Stolz auf die lange Vergangenheit zurueck. Dies zeigte sich eindrucksvoll bei der offiziellen 90-Jahr-Feier auf der Swartkop Air Force Base in der Naehe von Pretoria. Die Swartkop AFB wurde nicht von ungefaehr als der Austragungsort der Festivitaeten gewaehlt. Nicht nur handelt es sich um einen Stuetzpunkt, auf dem sich eine grosse Zahl der in Suedafrika befindlichen Traditionsflugzeuge befinden (Swartkop AFB ist die Heimat des SAAF Museums), sondern Swartkop ist auch die aelteste operative Basis der SAAF (der alte Tower, Baujahr 1921, ist immer noch auf diesem Stuetzpunkt zu sehen, auch wenn dieser schon lange nicht mehr in Betrieb ist).

Geschichte der SAAF

RK0910SAAFM426_Anson_mHervorgegangen ist die SAAF aus dem SAAC (South African Aviation Corps), welches bereits im Jahre 1913 gegruendet wurde. Im I. Weltkrieg kaempften Piloten aus Suedafrika auf Seiten der Entente Maechte innerhalb des Royal Flying Corps und dem Royal Naval Air Service. Eigenstaendige Operationen (mit eigenen Flugzeugen) wurden lediglich im ehemaligen Deutsch-Suedwestafrika (dem heutigen Namibia) durchgefuehrt. Nach dem Ende des I. Weltkrieges ging auch die suedafrikanische Regierung den gleichen Weg wie Grossbritannien und formierte eine eigenstaendige Waffengattung - die South African Air Force SAAF. Als erster Kommandeur fungierte Lt. Col. Pierre van Ryneveld. Ausgestattet mit knapp 100 Flugzeugen aus dem Bestand des Royal Flying Corps (AVRO 504K Trainer, SE.5A Jagdflugzeuge sowie DeHavilland DH.9 Bomber) begann Anfang 1920 (auf der Swartkop AFB) der Flugbetrieb der neuen Luftwaffe.

RK1008ZWAR0951_Harvard_mRelativ frueh begann man mit der Produktion (Lizenzproduktion) von Fluggeraet und dem Aufbau einer eigenen hochentwickelten Flugzeugindustrie. Trotzdem war die SAAF vor Beginn des II. Weltkrieges in erster Linie mit veraltetem britischem Material ausgestattet. Lediglich auf dem zivilen Sektor verfuegte man durch die Beschaffung von Junkers Ju 52/3m sowie Junkers Ju 86 ueber Maschinen die zum damaligen Zeitpunkt als relativ modern galten. Dies sollte sich allerdings nach Ausbruch des Krieges schnell aendern. Gemeinsam mit der RAF und anderen Luftstreitkraeften des Britischen Commonwealth kaempften suedafrikanische Einheiten sehr erfolgreich in Nordafrika gegen deutsche und italienische Truppen (die SAAF stellte gegen Ende der Feindseligkeiten auf dem afrikanischen Kontinent ein Drittel des Personals des RAF Operational Command). Besonders wichtig fuer den Kriegsverlauf auf alliierter Seite war aber ein Trainingsprogramm, welches als Joint Air Training Scheme in die Geschichte einging. Unter anderem verfuegte die SAAF in dieser Zeit ueber 700 (!) North American AT-6 HARVARD. Auf den von der direkten Einwirkung des Krieges verschonten suedafrikanischen Flugplaetzen wurden bis 1945 ueber 33 000 Flugzeugbesatzungen ausgebildet. Zum Ende des II. Weltkrieges belief sich der Personalstand der SAAF auf ueber 45 000 Mann, darunter fast 2 500 Piloten.

RK0910SAAFM182_Hudson_mIn den spaeten 1940er und Anfang der 1950er Jahre wurde die SAAF nicht nur personell stark reduziert, sondern man begann auch die enge Bindung zum Britischen Empire und zur RAF zu loesen. Suedafrika war zu dieser Zeit noch stark mit der britischen Kolonialmacht verbunden (seit dem letzten Burenkrieg im Jahr 1902 hatte die Suedafrikanische Union den Status einer eigenstaendigen Dominion innerhalb des britischen Commonwealth). Die politische Abnabelung und die vollstaendige Selbststaendigkeit war das Ziel der immer staerker werdenden Nationalen Bewegung des Landes, welche mit dem Sieg der National Party bei den Parlamentswahlen im Jahre 1948 gipfelte. Die Losloesung von Grossbritannien innerhalb der naechsten Jahre ging allerdings mit einer stetig zunehmenden internationalen Isolierung des Landes wegen der verschaerften Rassenpolitik anheim.

RK1008ZWAR0129_Vampire_mAuch in der Luftwaffe machte sich der "Wind of Change" bemerkbar (dieser Slogan hat nichts mit dem Song einer einschlaegig bekannten deutschen Rockband zu tun, sondern wurde von dem damaligen britischen Premier Harold McMillan bei einer Rede vor dem suedafrikanischen Parlament 1960 gepraegt). Deutliches (aeusseres) Zeichen dafuer war nicht nur die Einfuehrung einer neuen Uniform sondern auch die Adaption eines neuen Nationalitaetenabzeichens: der suedafrikanische Springbok, spaeter umrahmt von einem stilisierten Grundriss des Castle of Good Hope - dem aeltesten Gebaeude Suedafrikas - errichtet 1679 von der Dutch East India Company. International stand Suedafrika auf Seiten des Westens und verstand sich als Bollwerk gegen den Kommunismus. Deshalb nahm die SAAF in Form der No. 2 Squadron am Koreakrieg teil, wo sie als integraler Bestandteil des 18th Fighter Bomber Wing der USAF intensiv an den Kaempfen teilnahm. Die Suedafrikaner zollten einen hohen Tribut in diesem Konflikt - 34 Piloten kehrten von ihren Einsaetzen nicht zurueck. Dieser Konflikt brachte auch einen technologischen Wandel mit sich. Im Jahr 1953 schulte eine Anzahl an SAAF Piloten auf die moderne North American F-86 SABRE um, allerdings wurden die Maschinen nach dem Ende der Feindseligkeiten wieder an die USAF zurueckgegeben. Als erstes Kampfflugzeug mit Strahlantrieb erhielt die SAAF bereits 1950 die DeHavilland DH-100 VAMPIRE (ganze 77 Maschinen dieses Typs dienten von 1950 bis zu ihrer Abloesung im Jahr 1972 durch die in Lizenz produzierte Atlas MB 326 IMPALA in der SAAF). Aufgrund der Erfahrungen mit den US-amerikanischen SABRE bestellte man auch 34 CANADAIR CL-13B (modifizierte Lizenzversion der F-86).

RK1008ZWAR1041_Cheetah_mAnfang der 1960er Jahre begann auch fuer das Land am Kap der Guten Hoffnung das Ueberschallzeitalter. Mit der Beschaffung franzoesischer Dassault MIRAGE III bewies man einen grossen Weitblick, galt diese Maschine fuer die kommenden zehn bis 15 Jahre als "state-of-the-art" mit grossem Entwicklungspotenzial. Dieses nutzte man dann auch fuer die Weiterentwicklung Atlas CHEETAH; bis 1986 wurden 60 Maschinen zu CHEETAH umgebaut. Die CHEETAH ist der israelischen KFIR sehr aehnlich, Spekulationen, dass israelische Techniker an der Entwicklung mitwirkten bzw. die CHEETAH eigentlich eine suedafrikanische KFIR ist, sind bis zu heutigen Tag nicht verstummt. Wahr ist, dass beide Laender auf ruestungstechnischer Ebene sehr eng zusammenarbeiteten. Aehnlichkeiten im Design aber auch in technischer Hinsicht sind daher nicht wirklich verwunderlich. Die Entwicklung der CHEETAH wurde auch durch die Tatsache gefoerdert, dass das Land wegen des gegen ihn verhaengten Embargos durch die Vereinten Nationen jede Moeglichkeit nutzte, vorhandene Technik mit lokalen Mitteln auszureizen.

RK1008ZWAR1232_Impala_mIn den 1960er und 70er Jahren waren es Unabhaengigkeitsbewegungen und die damit verbunden Konflikte, welche die SAAF in Atem hielten. Freiheitskaempfer (eigene Bezeichnung) oder Terroristen (offizieller suedafrikanischer Sprachgebrauch) wie die SWAPO in Suedwestafrika, die UNITA und spaeter die MPLA in Angola waren die Gegner. Die meisten Operationen dienten zwar der Bodenunterstuetzung (mit Helikopter), es kam aber auch zu Kampfeinsaetzen von SAAF MIRAGE III CZ, Blackburn Buccaneer sowie der Erdkampfvariante der Atlas MB 326 IMPALA Mk.1. Die Aufruestung, speziell der Angolaner, mit neuestem sowjetischen Material (unter anderem MiG-23 FLOGGER; geliefert von Angolas Verbuendeten Kuba) sorgte fuer eine Eskalation der Feinseligkeiten. Bei einem Luftkampf mit angolanischen MiG-21 schoss Major J. Rankin mit seiner Dassault MIRAGE F1 CZ zwei MiGs ab.

RK1008ZWAR0624_TurboDak_mDas Ende dieser Konflikte und der Rueckzug der Suedafrikaner (Ende der 1980er Jahre) aus Angola, Namibia, Zambia, etc. sowie der auf der repressiven Rassenpolitik begruendete zunehmende internationale Druck auf die suedafrikanische Regierung laeutete dann auch das Ende des Apartheidregimes ein. Nach der Freilassung von Nelson Mandela und dessen Wahl zum Praesidenten begann eine neue Aera. Die politische Neuorientierung sowie der Wegfall potenzieller Bedrohungen durch Nachbarlaender fuehrte zu einer drastischen Reduktion der Streitkraefte. Zahlreiche Stuetzpunkte wurden geschlossen, nicht weniger als 13 (!) Squadrons ausser Dienst gestellt. Zugleich ging man aber ueber, die SAAF zu modernisieren. Zum Teil voellig veraltete Flugzeugmuster, wie die North American AT-6 HARVARD, wurden nach ueber 50 aktiven Dienstjahren durch moderne Pilatus PC-7 ASTRA abgeloest (ab 1995), die Atlas MB 326 IMPALA wurde durch BAe HAWK Mk. 100 ersetzt, welche als Lead-In -Fighter-Trainer (LIFT) fuer die ebenfalls brandneue Saab/BAe JAS 39 GRIPEN fungiert. Damit verfuegt die SAAF ueber eine der Groesse des Landes entsprechend kleine aber ueberaus moderne und schlagkraeftige Luftwaffe, welche ihre Aufgaben bis weit in das neue Jahrtausend wahrnehmen wird. Das einzig wirkliche Relikt aus alten Zeiten ist die legendaere Douglas C-47TP "Turbo Dak", welche mit Pratt & Whitney PT-6A AR -Propellerturbinen, neuester Avionik sowie einem verlaengertem Rumpfsegment (und vergroesserter Treibstoffkapazitaet) aufgeruestet wurde. Die ehrwuerdigen Maschinen dienen in erster Linie zur Ueberwachung der fast 2 800km langen Kueste Suedafrikas. Damit ist die C-47 das am laengsten eingesetzte Militaerflugzeug der Welt - immerhin seit 75 Jahren. Stationiert sind saemtliche Turbo Dak auf der Ysterplaat AFB in Kapstadt (No. 35 Sqn).

90 Jahr-Feier Swartkop AFB

RK1008ZWAR0983_SilverFalcons_mEin grandioses Flugprogramm bekamen die zahlreichen Besucher der Airshow (Schaetzungen belaufen sich auf 50 000+ Zuschauer) zu sehen. Von der alten DeHavilland D.H. 82 Tiger Moth, ueber die museumseigene C-47 DAKOTA bis zur Saab/BAe JAS 39 GRIPEN spannte sich das Repertoire. Als besonderes Highlight bekam man sogar eine Dassault MIRAGE III CZ (SAAF Museum Historic Flight) sowie eine Atlas Aviation CHEETAH D zu sehen. Letztere ist eine von zwei ex-SAAF CHEETAH D, welche von der Firma Denel zu Testzwecken flugfaehig gehalten werden. Die traditionelle Verbindung des alten und neuen Suedafrika wurde in Swartkop besonders durch einen Formationsflug einer DeHavilland D.H. 115 VAMPIRE T.Mk.55 des SAAF Museums mit der SAAB JAS-39 GRIPEN demonstriert. Das nationale Kunstflugteam, die SILVER FALCONS (Pilatus PC-7 ASTRA), durften natuerlich nicht fehlen und begeisterten Jung und Alt mit ihrer praezisen Flugvorfuehrung. Was nicht in der Luft zu sehen war, konnte man in aller Ruhe am Boden bestaunen - das Museum beheimatet viel der Exponate, welche am Kap der Guten Hoffnung ihren Dienst versahen, darunter auch einige Raritaeten, wie z.B. eine AVRO Shackelton MR.3.

Die SAAF blickt mit Stolz auf eine lange, wechselreiche Vergangenheit zurueck und kann mit Zuversicht in die Zukunft schauen. In ein paar Jahren feiert man den Hunderter, aber bis dahin erstmal: HAPPY BIRTHDAY.

Robert Kysela / CHK 6

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