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Fast jeder kleine Junge hat einmal davon getraeumt, Pilot zu werden und in
einem Duesenflugzeug durch die Luefte zu gleiten. Nur ganz Wenigen ist es vergoennt, in ihrer Karriere als Militaerpilot einen ueberschallschnellen Jet
zu fliegen. Fuer eine Privatperson sind die Tore zu diesem „ultimativen Kick“ eigentlich verschlossen. Ein Mann, der sich diesen Traum verwirklichen
konnte, ist der Suedafrikanische Unternehmer Mike Beachy Head, Gruender und Chefpilot von Thunder City. Im Jahre 1996 gruendete er in Kapstadt diese Firma mit dem markigen Namen und dem Ziel, ehemalige Kampfjets im
flugfaehigen Zustand zu erhalten um damit Fluege für Privatkunden anbieten zu koennen. In der Zwischenzeit verfuegt dieses einzigartige Unternehmen ueber nicht weniger als 4 britische English Electric/BAe
Lightning, 3 Blackburn/BAe Buccaneer sowie ueber 7 Hawker Hunter und eine BAe Strikemaster. Zwei dieser Muster, die ueberschallschnelle BAe (vormals English Electric) Lightning sowie der Jagdbomber BAe (vormals
Blackburn) Buccaneer sind weltweit die einzigen noch flugfaehigen Maschinen ihrer Art. Erstere diente der RAF als Luftueberlegenheitsjaeger und war vor allem fuer ihre enorme Steigleistung und ihre
Geschwindigkeit bekannt. Ausser in der Royal Air Force war die Lightning auch noch bei der Saudischen Luftwaffe sowie in Kuwait im Einsatz.
Bei der Buccaneer handelt es sich um ein taktisches Angriffsflugzeug
welches im Ernstfall sogar Nuklearwaffen ins Ziel transportieren konnte. Auch ihr blieb ein grosser Exporterfolg verwehrt, der einzige Exportkunde
war die Suedafrikanische Luftwaffe. Von den 16 bestellten Maschinen ging eine bei der Ueberfuehrung verloren, der Rest diente bei der No. 24 Sqn auf
der Waterkloof AFB / Pretoria. Ihren letzten erfolgreichen Einsatz flogen britische Buccaneer waehrend des Golfkrieges 1990. Alle BAe Lightning
stammen aus den Bestaenden der RAF. Neben den beiden Einsitzern der Baureihe F.Mk6 (ZU-BEY, ex-XP 693 sowie ZU-BEW, ex-XR 773) fliegen auch noch zwei Doppelsitzer vom Typ T.Mk5 (ZU-BBD, ex-XS 452, sowie ZU-BEX,
ex-XS 451). Ihre beiden Rolls Royce Avon 302 Turbofantriebwerke mit einem Schub (Nachbrennerbetrieb) von je 72,77 kN verleihen der Lightning eine Top-Speed von Mach 2,27 (ca. 2
.415 km/h). Mit der eindrucksvollen Steigrate von 260m/sek koennte der maechtige Kampfjet selbst heute noch den meisten seiner moderneren Nachfahren Paroli bieten. Sein groesster Nachteil ist aber seine
geringe Reichweite sowie sein gewaltiger Durst. Allein beim Start mit vollem Nachbrenner verbraucht eine Lightning ca. 3000 Liter Jet-A1, damit ist sein Rumpftank so gut wie leer! Seine limitierte Reichweite aber
auch seine obsolete Avionik sorgten dafuer, das die RAF die Lightning 1988 aus dem aktiven Dienst nahm.
Die Lightning hatte in ihrer gesamten Karriere niemals einen scharfen
Feindeinsatz geflogen, trotzdem wird ihr ein Abschuss zugeschrieben. Dabei handelte es sich allerdings um eine eigene Maschine (BAe Harrier), welche unkontrolliert weiterflog, obwohl sich deren Pilot vorher mit dem
Schleudersitz rauskatapultiert hatte. Eine Maschine, welche in ihrer Laufbahn haeufiger Feinberuehrung hatte, ist die Blackburn Buccaneer. Die Suedafrikanische Luftwaffe, welche die Buccaneers (S.Mk 50) von 1965 bis
1991 einsetzte, flog mit ihr mehrere Kampfeinsaetze im Angolakonflikt. Die RAF setzte ihre Buccaneer zur Laser-Zielmarkierung und als Jagdbomber im
Golfkrieg 1991 ein. Die Buccaneer hatte ihren Erstflug am 30. April 1958 und war bis zum Jahr 1994 im operativen Einsatz. Ausgestattet mit zwei Rolls
Royce Spey Mk 101 Turbinen ohne Nachbrenner mit einer Schubkraft von jeweils 49 kN erreichte sie eine Top-Speed von 1040 km/h in Meereshoehe. Ihre besondere Staerke ist die Faehigkeit, ihre Waffenladung mit
hoher Unterschallgeschwindigkeit in geringer Hoehe mittels ihres Terrainfolgeradars ins Ziel zu bringen. Urspruenglich fuer die Royal Navy entwickelt, verfuegt sie ueber klappbare Tragflaechen, ein verstaerktes
Fahrwerk, sowie einen Fanghaken fuer Decklandungen.
Bei der ersten, von Mike Beachy Head erworbenen Maschine handelte es
sich um eine ex-Red Arrows Hawker Hunter F.Mk6 aus den Bestaenden der RAF. Die dabei gemachten Erfahrungen legten den Grundstein fuer Mike´s
Entscheidung, sich ausschliesslich Britische Muster zu beschaffen. Zum einen ist und war die Ersatzteilversorgung ein kritischer Gesichtspunkt fuer die Aufrechterhaltung des Flugbetriebes. Im Vergleich zu anderen
Kampfjets aus amerikanischer oder russischer Produktion, sah die Versorgung mit Ersatzteilen fuer britische Jets erheblich besser aus. Zum anderen war vor allem die Verfuegbarkeit, der auf diesen Jets
ausgebildeten Fachkraefte in Suedafrika der Schluesselfaktor. Anfaenglich bestand die Wartungscrew aus einer Reihe britischer Spezialisten, welche
neben der Instandhaltung der Flotte zugleich ihre Suedafrikanischen Kollegen ausbildeten.
Für „grosse Jungs“ (und Maedels natuerlich) ist Thunder City geradezu ein
Eldorado – das noetige Kleingeld vorausgesetzt. Ein Mitflug mit einem der ehemaligen Kampfjets dauert zwischen 35 und 45 Minuten. Je nach Wunsch kann man zwischen folgenden Einsatzprofilen waehlen: Ultra-high,
Superfast (bedeutet im Falle der Lightning Ueberschall!), Aerobatic, Tiefflug oder ein Kombination aus den soeben genannten Profilen. Dass so ein
Hoellenritt nicht jedermanns Sache ist, versteht sich von selbst. Aus diesem Grund wird zusammen mit dem Flugpassagier die richtige Mission zusammengestellt. Sicherheit hat in Thunder City oberste Prioritaet. Bis
heute wurden ueber 1600 Fluege ohne Zwischenfall durchgefuehrt – nicht nur ein Zeichen fuer die Professionalitaet der Piloten sondern auch fuer den
hohen Standard der Wartung. Apropos Wartung: der Betrieb von Flugzeugen aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts erfordert nicht nur sehr hohes technisches Wissen und mechanisches Koennen,
sondern auch jede Menge Originalersatzteile.
Gluecklicherweise verfuegt Thunder City noch ueber ein relativ
umfangreiches Ersatzteilpaket fuer ihre Maschinen. Trotzdem sind die Ersatzteile genau das Haar in der Suppe. Bei zunehmendem Verschleiss kommt es mit Sicherheit irgendwann zu einem Engpass. Da diese Teile nicht
mehr hergestellt werden, muss man auf noch vorhandene Lagerbestaende zurueckgreifen. Viele Teile sind heute schon schwer oder nur zu einem stark ueberhoehten Preis zu bekommen, meint Stirn runzelnd der für die PR
-Arbeit zustaendige Ulf Spindler. Der gebuertige Hamburger versichert zwar, dass die Ersatzteilversorgung fuer die naechsten paar Jahre gesichert ist,
wie lange man aber alle vier Lightning sowie die drei Buccaneer im Betrieb halten kann, ist ungewiss. Fuer die Aufrechterhaltung des Flugbetriebes der
Hawker Hunter sieht es ein wenig besser aus. Dieser Jet wurde in viel groesseren Stueckzahlen als die beiden zuvor genannten Maschinen gebaut und wurde auch in viele Laender exportiert, was die Anzahl der
Ersatzteile logischerweise vervielfacht.
Die Flugvorbereitung sowie die eigentliche Mission dauert in der Regel
einen halben Tag. Nach dem Rundgang im Hangar wird man mit einem Fliegerkombi sowie einem passenden Helm ausgeruestet und bekommt die Instruktionen fuer die Bedienung des Intercom sowie der
Sauerstoffversorgung. Dann geht es zum Briefing mit dem Piloten. Dabei wird nicht nur das jeweilige Profil durchgesprochen, sondern der zukuenftige Jetflieger bekommt auch noch genaueste Einweisung im
Handling des Schleudersitzes sowie diverse Sicherheitseinweisungen fuer den Notfall. Nach dem Preflight-Check, und den letzten Instruktionen geht
es dann los. Im Cockpit befindet sich eine Videokamera, eine Weitere ist im Helm des Flugteilnehmers eingebaut. Der gesamte Ablauf des Fluges wird
mit diesen beiden Kameras festgehalten und nach dem Ende der Mission bekommt der „Flugschueler“ eine DVD mit seinem Flug als kleine Erinnerung.
Natuerlich sollte sich der Flugschueler in bester Gesundheit befinden, einen
physischen Test, wie bei der Luftwaffe, muss man aber nicht durchlaufen. Fuer den Flug zugelassen sind Personen zwischen 10 und 80 Jahren, also
so gut wie jeder. Der aelteste Passagier, der jemals mit einer der Jets von Thunder City geflogen ist, war stolze 82 Jahre alt! Natuerlich wird beim
Flugprofil auf die koerperliche Verfassung des Passagiers geachtet. Personen mit Herzproblemen oder Atembeschwerden sollten vorher ihren Arzt konsultieren. Ein weiterer (kleiner) Tipp: vor dem Flug sollte man auf
ein ausgiebiges Fruehstueck verzichten! Die einzigen Beschraenkungen ergeben sich, je nach Flugzeugtyp, fuer die Groesse bzw. das Gewicht des
Passagiers. Sie sollten nicht kleiner als 1.50 Meter und auch nicht groesser als 2,00 Meter sein, ihr Gewicht sollte 130 Kilo nicht uebersteigen.
Die Flugroute koennte nicht schoener sein. Das Kap der Guten Hoffnung bietet einem so ziemlich die besten Moeglichkeiten und eine
wunderschoene Aussicht. Allerdings muss man hier fuer seinen geplanten Flug auch etwas mehr Zeit vorsehen bzw. mitbringen. Entgegen der langlaeufigen Meinung, dass in Afrika immer die Sonne scheint, ist das
Wetter am suedlichen Rand des Kontinents alles andere als nur sonnig. Bei schlechtem Wetter kann man dann aber einen Ausflug in die nahe gelegen
Weinanbaugebiete, z.B. nach Stellenboosch planen, um sich die Vorfreude auf das kommende Erlebnis mit einem Glas herrlichen Suedafrikanischen Shiraz oder Pinotage zu verschoenen (sofern der Flug am Tag darauf
stattfinden, sollte es allerdings bei einem Glas bleiben). Vom Terrainfolgeflug zwischen den Bergen im Norden von Kapstadt, einem Tiefflug in gerade mal 15 Meter ueber
dem Wellen des Suedatlantik oder des Pazifik bis hin zur wunderschoenen Kueste Afrikas spannt sicht das Repertoire. Auf die Frage nach der Route meint der CEO von Thunder City, Emilio Titus schmunzelnd: „Nach
dem Start in Kapstadt geht es erst mal geradewegs nach oben. Man sieht die Erde, den Ocean, die Berge und dann geht es Richtung Westen entlang der Kueste. Die suedliche Route ist weniger gut, da ist man sehr
schnell in der Antarktis“.
Emilio Titus war zuvor Global General Aviation Manager bei Shell
Corporation, dessen Zweig, Shell Aviation, der Hauptsponsor von Thunder City ist. Ohne Sponsoring waere der Aufbau und Erhalt dieser Einrichtung auch nicht moeglich. Die Einnahmen aus den Fluegen decken vielleicht
gerade mal die Kosten fuer die Fluege selbst. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, starke Partner mit an Bord zu haben. Neben Shell Aviation ist es die Firma Cobham und seit neuesten der Telefonkonzern
Vodacom. Gemeinsam mit der Firma Cobham bietet Thunder City auch ein Upgradepaket (volldigitalisiertes Glascockpit und modernste Avionik) fuer den SA 330 PUMA Helikopter an (siehe: Puma Upgrade). Diese Aktivitaeten
und die Tatsache, dass Thunder City als zertifizierte Aircraft Maintenance Organisation (Flugzeug Wartungs-Organisation) Flugzeugwartung- und Instandhaltung fuer diverse
Flugzeug- und Helikoptermodelle anbietet, sowie die finanzkraeftige Unterstuetzung der Sponsoren gewaehrleistet den Erhalt der Flotte.
Robert Kysela
Mein besonderer Dank gilt Emilio Titus, Gavin Withers, Ulf Spindler sowie Donald Fraser Bett fuer ihre
Unterstuetzung
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