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Keine andere NATO-Uebung ist in der Oeffentlichkeit bekannter als das alljaehrlich stattfindende Tiger Meet. Sicherlich einer der Hauptgruende
dafuer sind die bunten Bemalungen der teilnehmenden Maschinen, aber auch die Tatsache, dass das NTM (offizielle Abkuerzung fuer : NATO Tiger
Meet) jedes Jahr an einem anderen Austragungsort stattfindet. Seit dem Jahre 1961 finden die Tiger Meets mit einigen wenigen Ausnahmen
alljaehrlich statt. Der Gedanke hinter diesen Treffen ist stets derselbe: Das Verstaendniss innerhalb den NATO-Luftflotten fuer die gemeinsamen Ziele
zu erweitern, Schaffung eines Teamgeistes (Tiger-Spirit) und die Erhoehung der Einsatzbereitschaft durch gegenseitigen Erfahrungsaustausch. Die
ersten Teilnehmer beim Tiger Meet 1961 im englischen Woodbridge kamen aus den USA, Frankreich sowie aus Grossbritannien (79th TFS, No. 74 Sqn, EC1/12). In der Zwischenzeit
gehoeren nicht weniger als 19 verschiedene Staffeln der NATO Tiger Association (NTA) an. Die NTA ist de
facto die Dachorganisation der Tiger Meets, ist aber kein offizielles NATO Organ, d.h. im Klartext, ein Tiger
Meet ist kein hochoffizielles NATO Manoever, sondern, wie der Name schon sagt, ein Treffen auf Staffel- und Geschwaderebene. Die ganze Organisation, der Ablauf und saemtliche Planungen obliegen stets der
veranstaltenden Einheit. Unterkuenfte werden organisiert, Einladungen verschickt, Ziele werden ausgearbeitet, Personalfragen muessen geklaert werden, ein Rahmenprogramm wird erstellt, usw.
Taetigkeiten die Monate in Anspruch nehmen, und dies nur mit einem Minimum an dafuer freigestellten
Kraeften, der normale Dienstbetrieb darf schliesslich nicht darunter leiden. Mit welcher Professionalitaet die
Maenner und Frauen des AG 51 diesen Part erledigten, zeigt allein schon die Tatsache, dass waehrend der
gesamten Uebung alles reibungslos funktionierte und es zu keinerlei organisationsbedingten Ausfaellen kam. Alle Beteiligten zeigten sich demzufolge hochzufrieden.
Ein elementarer Part des Tiger Meets ist natuerlich der
Erfahrungsaustausch - und dass nicht nur auf der fliegerischen Ebene. Der Versuch Verfahren zu standardisieren, von den Erfahrungen des Anderen
zu lernen und gemeinsame Operationen durchzufuehren sind die Hauptziele dieser Uebung. Gerade letzteres wurde in Schleswig Jagel eingehend praktiziert. Soganannte COMAO`s (COMposite Air O
perations = Verbundene Luftoperationen) bildeten den Hauptteil der operativen Uebungen. Dabei werden unterschiedliche Einsatzszenarien im
multinationalen Verbund geflogen um die Staerken der unterschiedlichen Einsatzmuster optimal auszunutzen aber auch deren Schwaechen aufzuzeigen, bzw. diese gegebenfalls zu beseitigen. An jedem Uebungstag
wurden eine COMAO durchgefuehrt, mit jeweils unterschiedlichen Einsatzprofilen. Dabei kam es zu nicht weniger als 220 Luftbewegungen. Eines haben alle Teilnehmer gemeinsam - naehmlich den Tiger in ihrem
Staffelabzeichen, na ja, zumindest so etwas aehnliches. Eine Raubkatze muss es wenigsten sein. So ziert das Staffelwappen des AG 51 bekanntlich ein Panther. Zu den 19 bereits erwaehnten Vollmitgliedern
kommen noch weitere 9 Ehrenmitglieder sowie 2 Staffeln mit Anwaerterstatus (No.1 Sqn /Slovak AF aus Sliac
sowie die 155° Gruppo/AMI aus Piacenza) dazu. In diesem Jahr wurden zwei neue Vollmitglieder in die NTA
aufgenommen: die Fliegerstaffel 11 der Schweizer Flugwaffe sowie die No. 1 Sqn der NATO aus Geilenkirchen mit ihren Boeing E-3A AWACS. Noch etwas verbindet die Tiger-Mitglieder: die Freude ihre Maschinen
farbenpraechtig zu lackieren.
Die weiteste Anreise hatte diesmal die KC-135E der 141. ARS von der Mc
Guire AFB aus New Jersey/USA. Der aufgeklebte riesige Tiger war leider nur auf einer Seite der Maschine zu sehen. Waehrend der “Stratotanker” fuer
die Luftbetankung der Teilnehmer zustaendig war, uebernahm die Boeing E-3A “Sentry” ihre angedachte Rolle als fliegende Kommando- und
Kontrollstation. Waehrend der Uebung war die E-3A allerdings auf dem Daenischen Stuetzpunkt Skrydstrup stationiert - ca. 70 Kilometer noerdlich
von Schleswig Jagel. Neben den Tornados der Luftwaffe war die Lockheed Martin F-16 das am staerksten vertretene Muster beim diesjaehrigen Tiger
Meet. Die belgische Luftwaffe war mit drei F-16 der No.31 Sqn aus Kleine Brogel vertreten, waehrend die Turk Hava Kuvvetlari (Turkish AF) jeweils
zwei F-16 C sowie eine doppelsitzige F-16 D von der 192° Filo aus Balikesir sandte (die 192° Filo ist
uebrigens der Ausrichter des Tiger Meet 2005!!!). Die Niederlaendische Luftwaffe schickte auch noch zwei 16er - allerdings kamen diese erst zum Ende der Woche und nahmen folgedessen an der eigentlichen
Uebung nicht teil. Aus operativen Gruenden mussten leider folgende Einheiten ihre Teilnahme kurzfristig
absagen: 120 FS/USAF (F-16C), No. 338 Sqn/RNoAF (F-16MLU), 11 Flottille/Aeronaval (Super Etendard), No. 1
Sqn/Slovak AF (MiG-29), No. 814 Sqn./RAF (Merlin) sowie die No. 230 Sqn./ RAF (Super Puma). Die No. 301 Sqn der Portugiesischen Luftwaffe entsandte einen ihrer Alpha Jets ebenso wie die Niederlaender zum
Uebungsende.
Die Spanische Luftwaffe schickte vier AMD Mirage F-1M der 142. Escadron
von der Los Llanos AB in Albaceite. Die spanische Bezeichnung fuer die F-1M lautet uebrigens C.14. Aufgestellt wurde diese noch recht junge Staffel im
Jahre 1980. Primaer wird die Mirage von den Spaniern in der Abfangrolle eingesetzt, aber auch der Erdkampf zaehlt zu ihrem Aufgabenbereich.
Waehrend des NTM`s flogen die Spanier ausschliesslich Jagdschutz. Nicht ganz so bunt bemalt wie viele ihrer Kameraden machten die Spanischen
Mirage durch einen getigerten Zusatztank auf sich aufmerksam. Interessanterweise wird ihr Staffelabzeichen, ein prehistorischer Saebelzahntiger nicht getragen, sondern nur das Geschwaderwappen der
ALA 14 (ALA = Wing = Geschwader) ist hinter den Lufteinlaessen zu sehen. Wie schon erwaehnt ist die Fliegerstaffel 11 aus Duebendorf/Schweiz das juengste Vollmitglied der NTA.
Besonders stolz sind die Schweizer vor allem deswegen, weil die Fl St 11 das erste Nicht-NATO Mitglied ist,
welches in der NTA aufgenommen wurde. Zwar nimmt die Schweiz am Partnership for Peace Programm (PfP)
teil, doch ist sie nach wie vor ein neutraler Staat. Der Aufnahme der Fl St 11 als Vollmitglied innerhalb der
NTA ging eine ueber 20 Jahre lange Gastrolle voraus. Mit gleich vier F/A-18 C sowie einer F/A-18 D und 23
Mann Personal war das Schweizer Kontingent in Schleswig vertreten. Hptm. Daniel “Daenu” Keller aeusserte
sich stellvertretend fuer seine Kameraden aeusserst zufrieden mit dem NTM 2004 und hob besonders die
perfekte Organisation auf Seiten des AG 51 hervor. Auf die Frage, ob er es denn nicht bedaure, an der zur
gleichen Zeit in Payerne stattfindenden Flugshow und Riesen-Feier der Schweizer Flugwaffe teilnehmen zu koennen, meinte er ohne zu zoegern, dass man diese Woche in Norddeutschland mit keiner Flugshow
toppen koenne - auch nicht mit einer in der Heimat. Ein sicherlich ganz tolles Lob!
Ein Tiger Meet beschraenkt sich nicht nur auf den rein militaerischen Aspekt
sondern foerdert auch die sozialen Kontakte. Dazu werden die sogenannten “Tiger Games” veranstaltet, eine Art sportlicher Wettkampf
der Crews untereinander. Ebenso wird eine Bewertung aller Teilnehmer durchgefuehrt und der jeweilige Gewinner bekommt eine Trophaee - den
Silver Tiger - ein Wanderpokal, welcher jedes Jahr neu vergeben wird. In diesem Jahr errang die 1. Staffel des JaBoG 32 aus Lechfeld diesen
begehrten Preis. Mit ihren ECR Tornados spielten sie einen bedeutenden Part in der SEAD-Rolle (SEAD = Supression Enemy Air Defense =
Unterdrueckung der gegnerischen Luftverteidigung). Die Aufklaerungsrolle uebenahm naturgemaess das AG 51. Insgesamt waren beim diesjaehrigen
NTM in Schleswig Jagel 12 verschiedene Staffeln mit 31 Luftfahrzeugen zugegen - ein beachtliches Kontingent. Fuer manchen Aussenstehenden moegen die bunt bemalten Maschinen und die vielen offen zur
Schau gestellten Tiger-Utensilien ein Zeichen dafuer sein, dass die NTM`s nicht ganz ernst zu nehmen seien.
Dem ist definitiv nicht so. NATO Tiger Meets gehoeren zur sogenannten “Hochwertausbildung” der
Streitkraefte, dass der Spass aber trotzdem dabei nicht verloren geht, ist hoechstens positiv zu bewerten.
Denn wer Spass an einer Sache hat, wird vielleicht ein Quentchen mehr als nur reines Pflichtgefuehl
investieren. Und genau das ist ein Ziel der NATO Tiger Association: die Aufrechterhaltung des Tiger-Spirit. In diesem Sinne: Tiger, Tiger, Tiger!
Ihr Robert Kysela / CHK 6
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