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In Lutterworth/Leicestershire, der Heimat des britischen Strahltriebwerkes, keine fuenf Autominuten von Sir Frank Whittles Ladywood works entfernt,
tut sich etwas Besonderes. Eine Avro Vulcan (XH558) steht dort in ihrem Hangar und erweckt fast den Anschein, als ob sie das Rumstehen am
Boden satt haette, um sich wieder in die Luefte zu erheben. Ein Grund mehr fuer uns, sich dieses gewaltige Projekt naeher anzusehen. CHK6/UK war fuer Sie in Bruntingthorpe, um sich ueber den Stand der
Restaurierungsarbeiten zu informieren und bekam dabei auch ein Exklusiv-Interview mit dem ehemaligen Air Chief Marshall sowie Vorsitzenden der
„Vulcan to the Sky“ Stiftung, Sir Michael Knight und dem Projekt Direktor Dr. Robert Pleming.
Die Vulcan wurde entwickelt, um den Anforderungen des Luftfahrtministeriums von 1947 zu entsprechen. Die gleichen
Spezifikationen lagen auch bei der Entwicklung der Handley Page Victor zu Grunde. Das Avro Planungsteam, unter der Leitung von Roy Chadwick,
hatte anfangs einen Deltafluegler ohne hintere Steuerflaechen vorgesehen, aehnlich den Entwuerfen der Gebrueder Horten aus Deutschland. Nach dem
tragischen Tod von Roy Chadwick wurde das Planungsteam von S.D. Dovies weitergefuehrt. Das Resultat dieser Arbeiten war die Avro 698. Eine
Entwicklungsstufe war der Bau der Avro 707, VX784, die erste von 4 Erprobungsmaschinen. Mit ihnen wollte man Erkenntnisse und technische
Fortschritte fuer den Weiterbau der Avro 698 gewinnen. Die Avro 707 flog zum ersten Mal im September 1949 und erschien noch im selben Monat auf der Farnborough Int. Air Show.
Leider stuerzte die Maschine am 30. September ab, wobei der Pilot dabei ums Leben kam. Die Entwicklung
ging aber dennoch weiter. Die erste Vulcan hatte die Registrierungsnummer VX770. Angetrieben von vier Rolls-Royce Avon R.A.3 Triebwerken, hatte sie ihren Erstflug im August 1952. Im Jahr 1953 bekam das
Flugzeug offiziell den Namen Vulcan und bereits 1957 wurde die erste Vulcan Staffel, (No.83.Sqn), auf der RAF Waddington aufgestellt.
XH558, die erste Vulcan B. MK2 wurde am 1.Juli 1960 an diese Einheit ausgeliefert. Sie ist damit die aelteste noch existierende Vulcan. Ihren
letzten Flug hatte sie am 23.Maerz 1993, welcher in Bruntingthorpe endete und damit war sie nach 33 Jahren Dienst in den Ruhestand getreten.
Seitdem wurde sie von ihrem Besitzer C. Walto Ltd. an Tagen der offenen Tuer in Bruntingthorpe einer begeisterten Menge vorgefuehrt (allerdings
nur auf der Taxiway). Von der Taxiway bis zur flugfaehigen Restaurierung war es folgedessen nur ein Gedankensprung. Zwar kam die Idee das erste
Mal bereits 1991 zum Gespraech, doch das Wagnis schien doch ein wenig zu gross zu sein. Dr. Robert Pleming liess sich davon aber nicht irritieren,
inspizierte im Jahre 1993 die Vulcan HX558 genauer, und kam zu der Ueberzeugung, dass es durchaus machbar sei!
1997 hatte ein Expertenteam um ihn damit angefangen, einen Vorschlag auszuarbeiten, wie das Flugzeug
nach heutigen Richtlinien wieder flugfaehig gemacht werden kann. Im Mai 1997 wurde der Idee vom Heritage Committee der Firma BAE Systems PLC zugestimmt und die ersten Arbeiten am Flugzeug wurden
aufgenommen. Die Vulcan Operation Company begann damit, eine Bestandsaufnahme zu machen, welche sich ueber 2 Jahre hinzog.
Die Finanzierung begann im Jahre 2001 mit der Vulcan to the Sky Campaign (VTS), initiiert von Felicity Irwin. Dabei kamen ueber 1 Million Bitischer Pfund
an Unterstuetzungsgelder zusammen, sowie weitere £2,734,000.00 durch den Lottery Heritage Fund (HLF). Viele Enthusiasten glauben leider, dass
das Projekt durch den HLF voll finanziert ist, nur das ist leider nicht der Fall. Die Finanzierung gibt es einen kritischen Faktor, weil die Betraege der HLF
in Verbindung mit den Spendeneinnahmen des VTF im Verhaeltnis 3:1 freigegeben werden, d.h wenn Sie £10 spenden, kommen nochmal £30 vom
der HLF dazu, das macht dann insgesamt £40 fuer den Trust. Ermoeglicht durch diese Finanzierung konnte der Vulcan to the Sky Trust die XH558 im
Jahre 2005 von der Firma C Walton Ltd kaufen. Die 1. Phase des Vulcan Programms konnte somit abgeschlossen werden.
Die 2. Phase beinhaltet die aktuellen Resaurierungsarbeiten. Mit ueber 100 Originalfirmen (OEM) involviert,
ist dieses Projekt das wahrscheinlich groesste seiner Art in der Geschichte der Fliegerei. Bei den OEM’s sind
unter anderem so bekannte Namen der britischen Luftfahrt zu finden wie Rolls-Royce, BAE SYSTEMS, Martin Baker und viele mehr. Der Hauptkontraktor fuer das Projekt ist Marshall Aerospace of Cambridge
Die 3. Phase ist die FlugvVorfuehrung der Maschine in Verbindung mit einer Ausstellung ueber den Kalten
Krieg innerhalb von Grossbritannien. Die Zeitdauer der Flugvorfuehrungen ist noch nicht definiert und wird erst nach Erstellung des Flugprofiles berechnet.
Die 4. Phase wird die Ausserdienststellung der XH558 im Imperial War Museum in Duxford sein, wo sie weiter in rollfaehigem Zustand verbleiben wird.
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Interview mit Air Chief Marshal Sir Michael Knight KCB AFC FRAeS und Dr Robert Pleming / Project Director.
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Checksix: Ein Grossteil unserer Leser stammt aus Grossbritannien viele kommen
allerdings auch aus anderen Europaeischen Laendern. Gibt es aus Ihrer Sicht etwas, was sie den Leuten ueber die Vulcan, die ja unweigerlich zum britischen Luftfahrt Erbe gehoert, wissen lassen moechten?
Dr Robert Pleming: Die VTS (“Vulcan to the Sky” - Stiftung) hat viele Mitglieder auf dem europaeischen Festland. Die Vulcan war ein Teil des gemeinsamen
Verteidigungsprogramms von Europa als Antwort auf die Bedrohung aus dem Osten. Sie war ein wichtiger Teil der NATO-Strategie der Abschreckung und somit stand
sie mit fuer den grossen Erfolg beim Erhalt des Friedens. Je mehr ich ueber diese Zeit nachlese, desto mehr erkenne ich wie gefaehrlich es damals war. Es gab kein
gemeinsames Denken. Die Menschen in den USA versuchten zu denken, was die Menschen in Moskau wohl dachten und wir wissen heute, das viele
Schlussfolgerungen einfach falsch waren und die Russen genauso viel Angst vor den Amerikanern hatten wie auch
umgekehrt. Im Nachhinein erkennen wir, wie wichtig dieses Luftfahrtzeug eigentlich war, um das Gleichgewicht der
Supermaechte in Europa zu halten. Das ist auch der Grund, warum die Vulcan so bedeutend fuer das Erbe unseres Landes ist.
Sir Michael Knight: Es ist eine bizarre Tatsache, dass diese Flugzeug und andere seiner Art auch, ihre Aufgabe erfuellt
haben. Es wurde gebaut um einen nuklearen Krieg zu verhindern. Und das tat es auch. Die Vulcan kam nur einmal in
einem Krieg zum Einsatz und dort wurde sie als konventioneller Bomber eingesetzt; das war im Falklandkrieg 1982. Zu
diesem Zeitpunkt wurde sie schon teilweise ausser Dienst gestellt und es war eine wirkliche logistische Herausforderung
und fliegerische Leistung die bewies, wie hervorragend diese Maschine und ihre Besatzungen waren.
Dr Robert Pleming: Um eine effektive Abschreckung zu haben, muessen sie eine glaubwuerdige Abschreckung schaffen.
Die Art, wie dieses Flugzeug konstruiert und eingesetzt wurde, gab ihm die Glaubwuerdigkeit die wir brauchten. Die Russen wussten, dass wir damit in der Lage waren, zurueckzuschlagen.
Sir Michael Knight: Wir hatten die technischen Faehigkeiten dieser Maschine, seine Systeme und gut ausgebildete
Besatzungen sowie gut ausgebildetes Bodenpersonal. Haette einer dieser Punkte Schwachstellen gehabt, so haetten wir damals nicht die glaubwuerdige Abschreckung gehabt, wie wir sie hatten.
Checksix: Wer hatte urspruenglich die Idee die XH558 in den flugfaehigen Zustand zurueckzubringen?
Dr Robert Pleming: Das war ich, ich war Mitglied in einem Schiessverein als dieser Sport in England verboten wurde. So
hate ich jede Menge Freizeit als die Vulcan in mein Leben trat. Ich sagte mir, lass uns doch einmal sehen, was wir machen koennen, um den Vogel wieder in die Luft zu bringen.
Checksix: Das heisst, das Projekt wurde ins Leben gerufen, um ihre Freizeit auszufuellen??
Dr Robert Pleming: Ja, irgendwie schon, nur in der Zwischenzeit hat es mein ganzes Leben veraendert.
Sir Michael Knight: In den fruehen 90zigern hatten wir schon den Schimmer einer Idee, wussten aber nicht so recht, wie
wir das anstellen sollten, bis Dr Pleming und das VTS Team ankamen.
Checksix: Sie haben eine B.MK2 und auch noch eine der aeltesten Maschinen dieser Version?
Dr Robert Pleming/Sir Michael Knight: Diese ist die aelteste, komplette Vulcan die es noch gibt. Dieses Flugzeug ist trotz
seines Alters bei weitem das Beste. Den groessten Teil seiner Zeit hat sie im Hangar verbracht. Sie war eine eindeutige
Wahl und sie war quasi der einzige realistische Kandidat fuer unser Vorhaben gewesen. Wir haben sie seit 8 Jahren im Auge.
Checksix: Was kommt danach, wenn Sie die Vulcan zum Fliegen gebracht haben? Werden wir vielleicht eine Victor zu
sehen bekommen?
Dr Robert Pleming/Sir Michael Knight: Nein, die Victors und Valiants kann man heute nicht mehr reparieren und wir haben
ausserdem noch alle Haende voll zu tun, bevor es zum ersten Flug der Vulcan kommen wird. Und selbst ein Jahr nach
dem Erstflug haben wir noch genuegend Arbeit vor uns, alles am Laufen zu halten. Gluecklicherweise haben wir ein
fabelhaftes Team und alle sind hochmotiviert, so dass ich (Dr. RP) nur zeitweise vor Ort sein muss.
Checksix: Wir haben gehoert, Sie verfuegen ueber vier Triebwerke, welche Null Betriebsstunden haben. Stimmt das?
Sir Michael Knight: Wir haben sogar acht und das ist der Grund, warum Rolls-Royce es uns erlaubt sie einzubauen. Sie
befinden sich alle in tadellosem Zustand. Vier von ihnen koennen Sie vor dem Hangar abgedeckt liegen sehen.
Checksix: Bezueglich der Triebwerkszyklen - wie viele sind erlaubt?
Dr Robert Pleming: Ja, das ist der entscheidende Punkt in Bezug auf die (Flug-)Lebensdauer. Wir sind auf exakt 1200
Zyklen pro Triebwerk limitiert und wenn wir das gleiche Flugprofil fliegen wuerden, wie beim Vulcan flight display, wuerden
wir pro Flugstunde sechs Zyklen verschleissen, d.h. wir haetten dann gerade mal 200 Flugstunden pro Triebwerk zur
Verfuegung. Wie auch immer, durch eine angemessen Anpassung des Flugprofiles koennen wir einige Zyklen sparen und somit die Lebensdauer der Triebwerke und des Flugzeuges verlaengern.
Checksix: Wenn Sie zur Unterstuetzung dieses Projektes ein paar Worte verlieren koennten, was wuerde es sein?
Sir Michael Knight/Dr Robert Pleming: Geld! Was aussergewoehnlich ist, ist die Tatsache, dass wir noch keine Spende
ueber £7.000.- erhalten haben, und das liegt nicht daran, dass wir zu wenig unternommen haben. Wir haben ueberhaupt
keine kooperierenden Sponsoren obwohl einige Herstellerfirmen verguenstigt oder gar kostenlos an diesem Projekt mitarbeiten. Ein geldgebender Sponsor haette eine gewaltige Auswirkung auf das Projekt.
Checksix: Sie erhalten also die meiste Unterstuetzung von Privatleuten die kleinere Geldbetraege spenden?
Sir Michael Knight/Dr Robert Pleming: Ja, genauso ist es. Wir haben den Eindruck, dass viele Leute glauben, dass unser
Projekt nicht funtionieren wird und es nicht glaubwuerdig sei. Aber wie Sie heute gesehen haben, haben wir die
Unterstuetzung von der Industrie, die wir brauchen um zum Erfolg zu kommen,. Wenn Sie also einen Rock Star oder
einen Magnaten kennen der £100.000.- ueber hat, dann koennen wir diese Hilfe gebrauchen, und vielleicht koennen
Ihre Leser auch helfen, wer weis. Bedenken Sie, fuer jede £100.000.- gespendeter Gelder bekommen wir £300.000.- vom Heritage Lottery Fund.
Checksix: Wird es Flugvorfuehrungen in Europa und in den USA geben?
Dr Robert Pleming: Wenn es ausreichend Bedarf gibt und die entsprechenden Genehmigungen erteilt werden, dann
wuerden wir ernsthaft ueberlegen, die Vulcan auch in andere Laender zu fliegen. Sie war immerhin ein Teil des Kalten Krieges fuer viele Staaten.
Sir Michael Knight: Die Amerikaner lieben dieses Flugzeug und es blieben nach der Ausserdienststellung fuenf von ihnen
dort. Es gab dort sogar eine eigene Air Show, mit Tee und Rosinenbroetchen und es nahmen Generaele und Soldaten
des 65. Strategic Air Command (SAC) teil, einschliesslich des befehlenden Generals. Wir bekamen 5 Vulcans innerhalb
von 2 Minuten in die Luft. Nach einem Vorbeiflug von vier Maschinen, machte die fuenfte eine Solo-Vorfuehrung, landete
und rollte zum Podium, wo die Vulkan den Amerikaner flugeinsatzklar uebergeben wurde.
Checksix: Wie sieht Ihr Zeitplan fuer das Flugzeug aus, ich meine besonders die grossen Events, wie Roll-out,
Triebwerkerprobung und letztendlich der Erstflug?
Dr Robert Pleming: Das Problem ist zurzeit die gruendliche Untersuchung der Flugzeugzelle Zentimeter fuer Zentimeter.
Wir arbeiten auf das dritte Quartal 2006 als Termin fuer den Erstflug hin
Checksix: Wird es der Oeffentlichkeit moeglich sein, von Zeit zu Zeit die Fortschritte der Restaurierung anzusehen?
Dr Robert Pleming: Es gibt ein Besucherprogramm. Die VVAS (Vulcan Visitor Admission Scheme) Informationen gibt es
auf der Internetseite. Wir werden einen Besucherweg im Hangar einrichten und ebenso wird es eine kleine Ausstellung
geben, damit die Oeffentlichkeit gut informiert ist. Auch verhandeln wir gerade ueber die Eintrittspreise - wir sind immerhin eine Wohltaetigkeitsorganisation.
Checksix: Sir Michael, Dr Pleming, vielen Dank fuer das Interview.
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Wir freuen uns, Sie ueber die Fortschritte in Bruntingthorpe auf dem Laufenenden zu halten und weiter ueber das Vulcan Projekt zu berichten. Auch moechten wir uns
herzlich bei unseren Gespraechspartnern bedanken, und besonders auch bei Felicity Irwin, fuer die Ermoeglichung des Interviews und die Besichtigung des Projektes vor Ort.
Weitere Informationen zum Vulcan- Projekt und wie Sie es unterstuetzen koennen, finden Sie im Internet unter: http://www.vulcantothesky.com.
Will Moore & Scott Fellows, Checksix UK
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